Aktualisiert 13.06.2017 07:47

SelbstjustizMänner tätowieren Stirn eines angeblichen Diebs

Zwei Brasilianer erwischten einen Teenager, als dieser angeblich versuchte, ein Velo zu klauen. Zur Strafe verpassten sie ihm ein Tattoo.

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Ein 17-jähriger Junge wurde in Brasilien gegen seinen Willen tätowiert.

Ein 17-jähriger Junge wurde in Brasilien gegen seinen Willen tätowiert.

Screenshot Youtube/Canal DEU NA INTERNET
Dem Jungen ist die Angst ins Gesicht geschrieben.

Dem Jungen ist die Angst ins Gesicht geschrieben.

Screenshot Youtube/Canal DEU NA INTERNET
Laut den beiden Männern, die ihn tätowierten, hatte der Teenager versucht, ein Velo zu klauen.

Laut den beiden Männern, die ihn tätowierten, hatte der Teenager versucht, ein Velo zu klauen.

Screenshot Youtube/Canal DEU NA INTERNET

Zwei Männer wurden in São Bernardo do Campo, einem Vorort der brasilianischen Metropole São Paulo, verhaftet und wegen Folter angezeigt. Die beiden hatten am Freitag einen 17-jährigen Jungen gefangen genommen und ihn gegen seinen Willen tätowiert. Die Männer behaupten, der Teenager habe ihr Velo klauen wollen. Sie stachen daraufhin den Satz «Ich bin ein Dieb und ein Loser» auf seine Stirn.

Wie die Zeitung «Folha de São Paulo» berichtet, war der Junge seit dem 31. Mai von zu Hause verschwunden. Er gab an, kurz vor dem Vorfall «völlig betrunken» gewesen zu sein. Er habe das Velo nicht stehlen wollen, sondern sei im Rausch daraufgestürzt. Maycon Wesley Carvalho dos Reis (27) und sein Freund Ronildo Moreira de Araujo (29) glaubten ihm aber nicht. Sie banden die Hände und Füsse des Jungen fest und schleppten ihn in eine Wohnung.

Kein Mitleid für flehendes Opfer

Unter Gelächter erklärten die Männer dem Opfer, dass sie ihn jetzt «bestrafen» würden. «Ich bat sie, mir das Tattoo auf dem Arm zu stechen, aber nicht auf der Stirn. Ich bot ihnen sogar an, mir die Arme oder die Beine zu brechen. Aber sie lachten nur», erzählte der Junge der brasilianischen Zeitung.

In einem Video, das auf Facebook gepostet wurde, sieht man den verängstigten Jungen, während Carvalho dos Reis sich bereit macht, ihn zu tätowieren. Sein Freund filmt und meint nur: «Das wird richtig wehtun.»

Fast 6000 Franken gesammelt, um das Tattoo wieder zu entfernen

Am nächsten Tag erkannte die Mutter den Jungen auf dem Video und meldete sich bei den Behörden. «Er hat psychische Probleme, er war immer ein unruhiges Kind», sagte Vânia Aparecida Rosa da Rocha (34) zu «Folha de São Paulo». Das aber habe ihr Sohn nicht verdient.

Dank einer Online-Kampagne kamen in den letzten zwei Tagen knapp 20'000 Reais (umgerechnet 5890 Franken) zusammen, um das Tattoo entfernen zu lassen.

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