Aktualisiert 09.07.2013 11:22

Mehr Erfolg im Job

Männer trainieren ihre tiefe Stimme

Viele Schweizer Männer wollen mit einer tiefen Stimme beruflich punkten. Eine neue Studie belegt, dass damit höheres Einkommen und Karriereerfolg zusammenhängen.

von
Stefan Heusser
Männer mit einer tieferen Stimme sollen sich im Büro besser durchsetzen können, sagen Stimmexperten.

Männer mit einer tieferen Stimme sollen sich im Büro besser durchsetzen können, sagen Stimmexperten.

Eine neue Studie der Fuqua School of Business im US-Bundesstaat North Carolina kommt zu dem Ergebnis, dass Männer mit tieferen Stimmen deutlich höhere Aussichten auf eine berufliche Karriere haben. Ein CEO mit einer um 22.1 Hertz (siehe Box) tieferen Stimme arbeitet im Durchschnitt für ein Unternehmen mit einem um 440 Millionen Dollar höheren Firmenwert, bleibt 151 Tage länger angestellt und hat ein um 187'000 Dollar höheres Einkommen pro Jahr.

Biologen kennen den evolutionären Vorteil tieferer Stimmen schon lange. In einer Studie von 2011 schreibt der Forscher Casey Klofstad: «Männer mit männlicheren, weil tieferen Stimmen sind grösser, körperlich kräftiger und aggressiver.» Hormone, allen voran Testosteron, seien dafür verantwortlich, so Klosfeld in der Zeitschrift «Proceedings of the Royal Society B».

Stimmtrainings liegen im Trend

Kein Wunder also, dass die Stimmtrainerin Ana Djordjevic von der Zürcher Stimmschule Stimmwerk innerhalb der letzten fünf Jahre eine massive Zunahme von Anfragen von Männern feststellt, die eine tiefere Stimme antrainieren wollen. Mittlerweile sind es jährlich über 200 Kunden, denen sie zu einer kräftigeren Stimme und damit zu mehr Durchsetzungsvermögen im Beruf verhilft. Sie vermutet, dass der Trend gesellschaftliche Ursachen habe: «Wegen dem Druck, erfolgreich zu sein und gut anzukommen, arbeiten immer mehr Menschen an ihrer Stimme.» Zahlreiche Internetseiten beschäftigen sich mit dem Thema. In den USA werden sogar Stimmband-Operationen, sogenannte Stimm-Liftings, angeboten. In der Schweiz hingegen ist dies kein Thema: Operiert werden hier laut Eberhard Seifert, leitender Arzt der Phoniatrie im Inselspital Bern, eher Transsexuelle, ältere Menschen mit schwacher oder Frauen mit tiefer Stimme.

Laut dem selbständig praktizierenden Stimmexperten Erich Stoll aus Bern hängt die Wirkung einer Botschaft beim Erstkontakt zu 38 Prozent von der Stimme und nur zu sieben Prozent vom Inhalt des Gesprochenen ab. Oskar Wey ist einer seiner Kunden; mit ihm hat er an der natürlichen Zwerchfellatmung gearbeitet, Entspannungs- und Singübungen gemacht. Wey sagt, dass ihm die tiefere Stimme «enorme Vorteile» in der Firma gebracht habe. Der Konstrukteur lernte sich viel ruhiger auszudrücken: «Bei Gesprächen in der Firma kam ich ganz anders an. Es wurde mucksmäuschenstill, wenn ich in Sitzungen zu reden begann. Plötzlich fing ich an, die Besprechungen zu geniessen.»

Piepsige Frauenstimmen sind sexier

Stimmexperte Stoll glaubt, dass die «moderne, stressige Zeit» viele Menschen zu «Hochatmern» mache: «Dadurch wird der Kehlkopf angespannt und die Stimme hart, sogar schrill.» Eine gesunde, tiefe Männerstimme bekomme hingegen eher Beachtung und Vertrauen von einem Publikum. «Eine tiefere Stimme wirkt beruhigend und männlich», sagt Stoll und erinnert daran, dass auch der liebe Gott oder der Samichlaus als «Tiefstimmler» gelten.

Die Ergebnisse der Studie könnten aber auch noch einen anderen Schluss nahelegen: Haben höhere Stimmen bei Frauen womöglich ebenfalls einen Einfluss auf die Karrierechance? Forscher des University College in London schreiben in einem Artikel, dass Männer hinter zarteren Stimmen einen kleinen Körper und damit eine geringere Bedrohung für sich selbst vermuten. Tiere sollen aus Hochfrequenz-Tönen auf ein unterwürfiges Gegenüber schliessen, das sich im Fall eines Angriffs fürchtet. Andere Studien kommen zum Schluss, dass Männer Frauen mit piepsigen Stimmen einfach sexier finden.

Die der menschlichen Stimme liegt für die männliche Stimme bei etwa 120 Hertz (ca. 80-180), für die weibliche bei etwa 220 Hertz (ca. 150-400). Kleine Kinder haben eine Tonlage um 440 Hertz. Die Tonhöhe kann als Frequenz wiedergegeben werden und wird in Hertz gemessen. Je geringer die Frequenz, desto tiefer ist der Ton. (sth)

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