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Tabu-ThemaMänner verschweigen Botox-OP sogar ihrer Frau

Männer verlieren darüber am liebsten kein Wort. Doch sie gehen immer öfter zur Botox-Behandlung – wenn auch aus anderen Gründen als die Frauen.

von
ann

Sich schön spritzen lassen ist nicht mehr nur eine Domäne der Frauen. Auch Männer glätten sich die Haut mit Botox- und Hyaluron-Injektionen. Und das immer öfters: «Die Zuwachsrate bei Botox-Behandlungen von Männern beträgt über 10 Prozent pro Jahr», sagt Jürg Wittwer von Acredis.

Auf etwa sechs Frauen, die eine Schönheitsbehandlung machen, komme bereits ein Mann. Entsprechend ist Botox nach der Lidstraffung mittlerweile der beliebteste Eingriff bei Männern, wie eine Auswertung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) zeigt. Es hat sogar das Fettabsaugen auf den dritten Platz verdrängt.

Männer spritzen für die Karriere

Dabei haben Männer grundsätzlich mehr Angst vor einem ästhetischen Eingriff als Frauen, sagt der ästhetische Chirurg Niklaus Linde von der Gentlemensclinic in Zürich. «Sie sind dafür realistischer in ihrer Erwartungshaltung und wissen genauer, was sie wollen. Frauen sagen häufig, dass sie ‹nur ganz wenig› verändern wollen, erwarten aber nach der Behandlung, dass sie wie ein 20-jähriges Model aussehen.»

Und: Im Gegensatz zu den Frauen spritzen Männer nicht, um mehr Chancen beim anderen Geschlecht zu haben. Denn die überwiegende Mehrheit der Botox-Kunden befindet sich in festen Händen, so die DGÄPC-Auswertung. «Männer lassen sich Botox injizieren, um ihre Karrierechancen zu steigern», sagt Wittwer von Acredis.

Das Ziel: Nicht mehr müde aussehen

Das bestätigt auch Linde von der Gentlemensclinic: «Anders als bei Frauen korrelieren bei Männern Aussehen und beruflicher Erfolg.» Männer kämen zudem mit einem klaren ästhetischen Ziel: «Sie wollen frisch aussehen und nicht müde.» Laut Linde sei das Schlimmste für einen Mann, wenn der Kunde sage «Ich sehe Ihnen an, dass Sie viel arbeiten» oder: «Na, wieder einmal eine Nachtschicht gehabt?»

Dabei sei es selten, dass Männer wie die Frauen alle Falten im Gesicht wegspritzen wollten – denn gerade jene um die Augen gälten bei Männern als attraktiv. Weniger schön würden hingegen die Falten auf der Stirn empfunden, sagt Wittwer, «wohl auch wegen dem steigenden Haaransatz». Darum werde in diesem Bereich besonders gern Botox oder Hyaluron verwendet.

Ein Tabuthema

Sehen solle man dies aber auf keinen Fall. «Das Bedürfnis, die Behandlung für sich zu behalten, ist bei Männern viel stärker als bei Frauen», so Wittwer. Gemäss einer Erhebung der DGÄPC erzählt jeder vierte Mann nicht einmal seiner Partnerin, dass er in der Schönheitsklinik war. Und: Nur gerade ein Drittel aller Männer, die sich einer solchen Behandlung unterziehen, würden das Freunden erzählen. Frauen geben sich da weniger zugeknöpft: Fast 90 Prozent erzählen es anderen.

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