Aktualisiert 08.10.2018 14:53

#MeToo

«Männer wissen nicht mehr, was erlaubt ist»

Wie geht es den Männer in der #MeToo-Debatte? Nicolas Zogg von Männer.ch erklärt im Interview, warum die Männer verunsichert sind.

von
Noah Zygmont
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«Die Mehrheit der Männer wird nach der Debatte weitermachen wie bisher. Die grosse Mehrheit der Männer zieht den Kopf bei der Thematik ein», sagt Nicolas Zogg von Männer.ch.

«Die Mehrheit der Männer wird nach der Debatte weitermachen wie bisher. Die grosse Mehrheit der Männer zieht den Kopf bei der Thematik ein», sagt Nicolas Zogg von Männer.ch.

Keystone/Anthony Anex
Mit einer neuen Kampagne unter dem Hashtag #mehrmännlichkeiten will die Organisation CFD gegen veraltete Bilder von Männlichkeit ankämpfen.

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«Unser veraltetes Männlichkeitsbild hat einen sehr direkten Bezug zu Gewalt. Männer üben oft Gewalt aus, weil sie verunsichert sind», sagt Klausener. In dieser Diskussion habe #metoo geholfen.

«Unser veraltetes Männlichkeitsbild hat einen sehr direkten Bezug zu Gewalt. Männer üben oft Gewalt aus, weil sie verunsichert sind», sagt Klausener. In dieser Diskussion habe #metoo geholfen.

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Wie stark hat die #MeToo-Debatte Männer verändert?

Männer wurden zum Teil verunsichert. Manche Männer sagen, sie wissen nicht mehr, was man dürfe und was erlaubt sei. Wann ist zum Beispiel eine Anmache oder eine Berührung noch akzeptiert? Gut ist: Männer machen sich grundsätzlich mehr Gedanken zu ihrem Verhalten.

Inwiefern mehr Gedanken?

Sie merken, dass Frauen mutiger sind und sich gegen Ungerechtigkeiten wehren. Sie machen den Mann auf seine Worte und Taten aufmerksam und stärken so das Bewusstsein für das Problem. So werden Männer für den angenehmen Umgang mit Frauen sensibilisiert.

Nimmt der Mann die Debatte überhaupt ernst?

Ein Grossteil der Männer versucht weiterzumachen wie bisher. Die grosse Mehrheit der Männer zieht den Kopf bei der Thematik ein, aus Angst vor Kritik oder aus Bequemlichkeit. Diese Männer möchten nichts bewegen, weil sie keine Privilegien aufgeben wollen und selber einen geringen Leidensdruck haben. Viele sind aber auch sehr solidarisch und wollen etwas verändern, wissen zum Teil aber nicht genau wie. Ein Teil der Männer lehnt die Debatte grundsätzlich ab und findet sie übertrieben. Man könnte auch sagen, dass eine latente Frauenfeindlichkeit zu spüren ist.

Weshalb ist das so?

Viele empfinden sich als Mann in Frage gestellt und abgewertet. Die meisten Männer verhalten sich ja auch anständig. Und dennoch fällt man immer wieder in alte Verhaltensmuster und sexistische Denkweisen. Auch mir rutscht ab und zu ein unpassender Spruch über die Lippen – was mich dann nervt.

Was muss der Mann selber ändern?

Er muss sich mit den geltenden Vorstellungen von Männlichkeit auseinandersetzen. Diese sind im Kern Unabhängigkeit, Stärke und Dominanz. Um ein «ganzer Mann» zu sein, muss man immer wieder beweisen, genug männlich zu sein. Das führt automatisch zur Abwertung von weiblichen Eigenschaften und Frauen. Weiter müssen Männer Erfahrungsberichte von Frauen anerkennen. Wenn verbale oder physische Übergriffe stattfinden, muss hingeschaut und eingeschritten werden.

Was müssen in Ihren Augen die Frauen überdenken?

Viele Frauen sind auch Trägerinnen von sexistischen Denkmustern und rückständigen Rollenbildern. Auch wenn sie in unserer Gesellschaft deutlich weniger Macht und Privilegien als Männer haben, geht es nur gemeinsam.

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