20.05.2019 21:56

Umfrage

Männer wollen, dass Frauen länger arbeiten

Eine Mehrheit der Schweizer will, dass auch Frauen bis 65 arbeiten. Den Jungfreisinnigen reicht das aber nicht.

von
daw
1 / 5
Sollen Frauen bis 65 arbeiten? Nach dem Ja zum AHV-Steuer-Deal wird über eine AHV-Sanierung gestritten.

Sollen Frauen bis 65 arbeiten? Nach dem Ja zum AHV-Steuer-Deal wird über eine AHV-Sanierung gestritten.

Keystone/Gaetan Bally
Mit 66,4 Prozent Ja-Stimmen hat die Stimmbevölkerung die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) am Sonntag klar angenommen.

Mit 66,4 Prozent Ja-Stimmen hat die Stimmbevölkerung die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) am Sonntag klar angenommen.

Keystone/Gabriel Monnet
Laut der Umfrage stimmten der STAF ältere Stimmbürger eher zu als jüngere.

Laut der Umfrage stimmten der STAF ältere Stimmbürger eher zu als jüngere.

Keystone/Christian Beutler

Trotz der Finanzspritze für die AHV, die das Volk am Sonntag gutgeheissen hat, wird in der AHV 2030 ein Loch von insgesamt 23 Milliarden Franken klaffen. Das zeigen Prognosen des Bundes. Rund zehn Milliarden würde eine Erhöhung des Rentenalters der Frau von heute 64 auf 65 Jahre bringen.

Nun zeigt die Tamedia-Nachbefragung, dass das Rentenalter 65 für die Frau an der Urne gute Chancen hätte. 63 Prozent der Stimmbürger befürworten es derzeit. Nur 34 Prozent sprechen sich dagegen aus, während drei Prozent keine Meinung hatten. Auffällig: Vor allem Männer wollen, dass Frauen länger arbeiten. So sind 72 Prozent der Männer für eine Anhebung des Pensionsalters der Frau, bei den Frauen selbst sind es nur 55 Prozent.

«Ältere Arbeitnehmer haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer»

Von einem höheren Rentenalter wollen Linke und Gewerkschaften derzeit aber nichts wissen. So schrieb die Gewerkschaft, dass eine Erhöhung des Frauenrentenalters mit dem Ja vom Sonntag erst einmal vom Tisch sei. Auch SP-Nationalrätin Bea Heim sagt: «Die Umfrage ist hypothetisch. Wer über 55 ist und seine Arbeit verliert, hat es schwer, wieder einen Job zu finden.» Solange die Wirtschaft nicht bereit sei, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, führe ein höheres Rentenalter nur zu mehr Arbeitslosen, die am Schluss auf Sozialhilfe angewiesen seien.

Hinzu komme, dass Frauen noch immer weniger verdienten als Männer. Werde nun das Referenzalter bei der Frau erhöht, sei dies eine Reform auf dem Buckel der Frau.

«Linke reden die Probleme in der AHV schön»

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, sagt dazu: «Die Linken und Gewerkschaften reden die Probleme in der AHV schön. An einer nachhaltigen Sanierung und eine Anpassung an die gesellschaftlichen Realitäten führt kein Weg vorbei.» Die Linke lasse sich noch nicht einmal auf eine Diskussion ein. «Das ist unschweizerisch.» Dass sich in der Umfrage eine Mehrheit für das Frauenrentenalter 65 ausspreche, zeige, dass die Bevölkerung den Handlungsbedarf erkenne.

Die Jungfreisinnigen wollen nun eine Volksinitiative für ein höheres Rentenalter lancieren. Zur Diskussion stehen mehrere Varianten mit Rentenalter 66. Denkbar ist auch, dass Renten zusätzlich automatisch an die steigende Lebenserwartung angepasst werden.

Zur Umfrage

14'670 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 17. und 19. Mai online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom Wochenende teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 2,1 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

Fehler gefunden?Jetzt melden.