29.06.2016 05:54

Stadt ZürichMännergruppen dürfen in Clubs keine Lounge mieten

Als Mann in einer Lounge mit Kollegen Geburtstag zu feiern, ist in den meisten Zürcher Clubs nicht möglich: Bei Reservationen beharren sie auf 50 Prozent Frauenanteil.

von
ced
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In der Lounge im Plaza Club sind reine Männergruppen verboten.

In der Lounge im Plaza Club sind reine Männergruppen verboten.

Mischa Scherrer
Mindestens die Hälfte der Gruppe muss aus Frauen bestehen. So schreibt es zum Beispiel auch das Mascotte...

Mindestens die Hälfte der Gruppe muss aus Frauen bestehen. So schreibt es zum Beispiel auch das Mascotte...

Keystone/Valeriano di Domenico
...oder der Kaufleuten-Club vor.

...oder der Kaufleuten-Club vor.

Keystone/Walter Bieri

Leserin J. K.* wurde am Freitag vor dem Zürcher Club Plaza von einem verzweifelten Mann angesprochen – er habe für den Abschluss der Offiziersschule extra eine Lounge reserviert, um mit seinen Kollegen zu feiern. «Weil die Gruppe aus rund zehn Typen ohne Frauen bestand, wurde ihr der Einlass verwehrt», erzählt die 23-Jährige.

Sie und ihre zwei Freundinnen zeigten Erbarmen und gingen mit den Jungs zum Türsteher. Doch auch das reichte nicht: «Der Security beharrte auf eine Frauenquote von 50 Prozent und liess deshalb nur einen Teil der Gruppe in den Club», so K. «Die anderen Männer mussten draussen weitere Frauen auftreiben.» Ihre Stimmung sei dementsprechend schlecht gewesen – was die Studentin nachvollziehen kann: «Ich finde das unfair.»

«Ausgewogenes Geschlechterverhältnis»

Plaza-Geschäftsführer Christian Angst bestätigt, dass der Club bei Reservationen einen Frauenanteil von 50 Prozent vorschreibt: «Damit sorgen wir für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis auf der Tanzfläche.» Frauen hingegen können auch ohne Männer reservieren. Sprich: Wenn eine Frau mit ihren Kolleginnen in einer Lounge Geburtstag feiern will, ist das ohne Weiteres möglich. Bei Männern ist dasselbe Szenario jedoch tabu.

«Wir haben teils schlechte Erfahrungen mit Männergruppen gemacht», sagt Angst. Es habe sich gezeigt, dass es weniger Eskalationen gebe, wenn Frauen dabei sind. Dass man Gruppen am Eingang abweisen müsse, komme nicht oft vor, da man auch bis zu einem gewissen Grad Kulanz zeige. Angst: «Wir weisen sowohl auf unserer Website als auch telefonisch auf die Reservationsbedingungen hin und die Gäste bestätigen uns diese auch vorgängig. Die Betroffenen wissen also schon im Voraus Bescheid.»

«Finde ich gut so»

Der Plaza-Club ist übrigens nicht der einzige, der bei Lounges eine Quote vorschreibt. Wie ein Blick auf die jeweiligen Websites zeigt, verlangen auch das Kaufleuten, Mascotte, X-tra, Hiltl sowie die Härterei mindestens 50 Prozent Frauenanteil bei einer kostenlosen Reservation.

«Ich finde das gut so», sagt Nightlife-Experte Alex Flach. Ein Club lebe von einer ausgeglichenen Geschlechterverteilung. Es sei halt nun einmal so, dass eine Tanzfläche voller Männer nicht attraktiv wirke. Zudem sollen sich all die «Jammeris» nicht so anstellen, findet Flach: «Frauen werden alltäglich mit geschlechterspezifischen Nachteilen konfrontiert, zum Beispiel im Berufsleben. Sich als Mann über eine Lounge-Quote aufzuregen, ist im Vergleich dazu völlig übertrieben.»

* Name der Redaktion bekannt.

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