Perücke vs. Manbraid: Männerhaar im Wandel der Zeit
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Perücke vs. ManbraidMännerhaar im Wandel der Zeit

Während 2015 der Manbun angesagt war, sollen sich Männer nun die Mähne flechten. So absurd das klingt: Historisch gesehen gab es dümmere Trends.

von
Katinka Templeton

Während Frauen im letzten Jahr viele Haarfarben ausprobiert haben, blieb es beim Hairstyle der Jungs relativ ruhig. Der Manbun regierte die Welt und das war auch gut so. Neuerdings gilt aber das Manbraiding als neueste Trend-Offensive unter Männern. Will heissen: Gezöpfelt und geflochten ist die aktuelle Devise. Wer jetzt denkt, das sei der bisher dümmste Trend im Haaruniversum der Männer, irrt sich gewaltig. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Perücken und Vokuhilas gab es ja auch noch.

Aber beginnen wir mit unserer Geschichtsstunde doch bei den Anfängen. Schon um 1400 vor Christus experimentierten Menschen mit ihrer Haarpracht. Vor allem die meist dunkelhaarigen Ägypter waren von blonden Mähnen fasziniert. Angehörige der Oberschicht färbten sich nach diesem Ideal die Haare oder trugen gefärbte Perücken. Bei den Männern war es vor allem in Griechenland 490 vor Christus dann ein Zeichen von Göttlichkeit, wenn man blonde Haare hatte.

Prunk und Perücke

Im 17. und 18. Jahrhundert bestimmte der Prunk des Rokoko das Aussehen. Auch Männer griffen zu Perücken, die fernab von jeglicher Realität lagen. Was man mit den weissen, gepuderten Gebilden auf den Köpfen ausdrücken wollte? Macht. Denn: Davor trugen nur Adelige oder Geistliche solche Perücken. Wer also etwas auf sich hielt, oder so tun wollte, als gehöre er zur gehobenen Gesellschaft, trug das (falsche) Haupthaar weiss wie Schnee.

Während sich unter den Perücken früher Drahtgestelle befanden, um die Haare zu grossen Lockentürmen aufzubauschen, trugen Männer (und auch Frauen) ihre Haare während des Barocks noch recht kurz. Der Hingucker war damals sowieso viel mehr der Mühlsteinkragen, der vor allem in Spanien in Mode war.

Elvis-Tolle und Beatles-Pilz

Wir gehen einen Schritt weiter im Zeitstrahl: In den Zwanziger- und Dreissigerjahren des 20. Jahrhunderts setzte Mann vermehrt auf Pomade. Sich das Beauty-Produkt ins Haar einzuarbeiten, gehörte für den Herrn gehörte zur täglichen Routine. Die Pomade blieb, das Strenge verblasste: Mit Elvis Presley und James Dean kam in den Fünfzigern nämlich die Tolle in Mode. Je voluminöser sie war, desto besser kam man bei den Mädchen an. Nur ein Jahrzehnt später wurden die Haare aber länger – und vor allem pilzförmig. Die Beatles eroberten auch wegen ihrer Frisuren die Welt und die Frauenherzen.

Während in den Siebzigern dann lange Haare, Bandanas oder wilde Locken angesagt waren, kam die Mähne in den Achtzigern wieder ab. Zumindest vorne. Der Vokuhila ward geboren und sucht seither die Menschheit in ihren Albträumen heim. Doch auch in den Jahren nach der wohl unsäglichsten Frisur aller Zeiten wurde haartechnisch beim Mann oft ins Klo gegriffen: Igel-Gel-Look, rasierte Muster am Hinterkopf oder der vor allem bei Buben beliebte Rattenschwanz – also diese eine lange Strähne im Nacken, während der Rest des Kopfes kurzgeschoren ist – prägten die Neunziger und Nullerjahre.

Manbraiding im Trend

Erst mit dem Aufkommen des Manbuns war die Damenwelt wieder von Männerhaar beeindruckt. Das letzte Jahr stand ganz im Zeichen des sexy Dutts. Weil sich die Welt aber weiterdreht und Trends vergänglich sind, musste für 2016 etwas Neues her. Voilà: Der Manbun wird nun mit geflochtenen Zöpfchen kombiniert und erinnert an starke Wikinger-Männer. Und dieser Manbraid ist ja wohl viel besser als ein schnöder Vokuhila, oder?

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