«SofaGate» - Männerrunde mit Erdogan und EU-Michel – dicke Eier und andere Witze
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«SofaGate» Männerrunde mit Erdogan und EU-Michel – dicke Eier und andere Witze

Aus dem Treffen zwischen den EU-Grössen Ursula von der Leyen und Charles Michel mit dem türkischen Präsidenten ist «SofaGate» entstanden. Die Reaktionen auf Twitter sind geharnischt. Mehr noch als Erdogan kriegt Michel sein Fett weg.

«Von Erdogan kann man das erwarten, aber ….»: Auf das Treffen vom Dienstag folgten geharnischte Reaktionen.

Eigentlich waren EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel vor zwei Tagen nach Ankara gereist, um Möglichkeiten einer Verbesserung der Beziehungen zur Türkei auszuloten. Rückblickend sind sich viele einig: Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU lassen sich mit einem Wort zusammenfassen: Ähm.

Was war da geschehen? Zu Beginn des Treffens im türkischen Präsidialamt blieb die Kommissionschefin zunächst stehen und reagierte mit einem «Ähm», als sich Präsident Recep Tayyip Erdogan und Michel in zwei nebeneinander stehende Sessel setzten. Sie musste dann in beträchtlichem Abstand auf einem Sofa Platz nehmen. Das löste massive Kritik und Vorwürfe der Frauenfeindlichkeit aus. Die Affäre «SofaGate» war geboren.

EU-Ratspräsident Michel erklärte, es habe mit der «strengen Auslegung der Protokollregeln durch die türkischen Dienste» zu tun, dass er und nicht von der Leyen neben Erdogan Platz nehmen konnte. Dies habe zu einer «herabgesetzten Behandlung» der Kommissionschefin geführt, die er bedauere.

Twitter-User halten dem entgegen, dass das, was 2021 mit der Ratspräsidentin wegen des Protokolls nicht ging, 2015 mit zwei männlichen EU-Grössen sehr wohl gegangen war: Als damals Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk mit Erdogan zusammensassen, hatte jeder seinen Sessel.

Dass die Türkei das Protokoll streng ausgelegt habe, weist Ankara als «ungerechte Anschuldigungen» von sich. «Es wurde entsprechend der Anregungen der EU-Seite so eine Sitzordnung aufgestellt. Punkt», sagte der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu. Das Treffen sei entsprechend internationaler Standards und «türkischer Gastfreundschaft» abgehalten worden.

Protokoll hin oder her – auf Twitter kriegen sowohl Erdogan als auch Michel ihr Fett, da sie sitzen und von der Leyen ratlos daneben steht. «Und da sagen sie, die Ritterlichkeit sei tot», schreibt ein User sarkastisch. Andere stellen «Erdögan», einen «protokollgerechten» Klappstuhl à la Ikea vor, «falls mehr Leute auftauchen als erwartet». Auch der Post von aufgekritzelten Testikeln anstelle der beiden Männer ist in seiner Botschaft eindeutig.

Einige sehen in der unglücklichen Szene die perfekte Allegorie zur EU-Aussenpolitik: «Uns wird auf der internationalen Bühne kein Respekt gezeigt», schreibt ein Twitter-User. «Wenn die EU ihre Probleme in Syrien (und der Ukraine und Libyen, …) nicht an Erdogan, Putin und Biden abschieben würde, würden wir in Ankara, Moskau und Washington auch anders behandelt.»

Öfter fällt auch der Vorwurf, der EU-Ratspräsident habe sich gegenüber seiner Kollegin von der Leyen wenig höflich benommen, während er vor dem türkischen Präsidenten den Bückling gemacht habe. «Solche Zeichen setzen autoritäre Unterdrücker & Machos wie #Putin, #Erdogan & Co bewusst», kommentierte der deutsche Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir. «Kann man sich gefallen lassen, muss man nicht. Respekt bekommt man so jedenfalls nicht bei den Herren!»

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) giftet auf Twitter sogar: «Von Erdogan darf man nichts anderes erwarten, aber dass sich der EU-Ratspräsident zu einer Witzfigur gradiert, ist bitter.»

Wieder andere nehmen die ganze «Affäre» mit Humor. Einige loben die Fantasie der Meme-Macher (wobei eines davon Erdogan mit Katzenkopf zeigt – was in der Türkei gemäss BBC verboten ist) …

… andere liefern Ursula von der Leyen Tipps, wie sie das nächste Mal bei einem Treffen mit Erdogan besser gewappnet wäre.

Natürlich durften auch US-Senator Bernie Sanders und seine Handschuhe bei dem vieldiskutierten Treffen nicht fehlen.

(gux)

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