Männerschnupfen gibt es gar nicht

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Eingebildete KrankheitMännerschnupfen? Den gibt es gar nicht!

Ist der Männerschnupfen eine ernsthafte Erkrankung oder vielmehr doch ein Mythos? Eine klare Antwort auf die oft diskutierte Frage liefern Forschende aus Österreich.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Mythos oder Realität? Diese Frage stellt sich, wenn es um den sogenannten Männerschnupfen geht. 

Mythos oder Realität? Diese Frage stellt sich, wenn es um den sogenannten Männerschnupfen geht. 

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Tatsächlich glauben viele Menschen, dass Männer viel stärker unter Schnupfen leiden als Frauen. Doch stimmt das? 

Tatsächlich glauben viele Menschen, dass Männer viel stärker unter Schnupfen leiden als Frauen. Doch stimmt das? 

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Das herauszufinden haben sich Forschende aus Österreich zur Aufgabe gemacht. 

Das herauszufinden haben sich Forschende aus Österreich zur Aufgabe gemacht. 

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Darum gehts

  • Forschende erteilen dem Männerschnupfen eine Absage. Diesen gibt es offenbar gar nicht.

  • Ihre Studie stütze die Hypothese eines Männerschnupfens nicht, so das Team.

  • Demnach weisen Männer und Frauen die gleichen Symptome auf. 

  • Einziger Unterschied: Frauen genesen deutlich schneller als Männer. 

Erkältete Männer leiden mehr – diese Behauptung hält sich hartnäckig. Und tatsächlich ist es schon einmal vorgekommen, dass ein Mann wegen «37,8 Grad Fieber» den Zürcher Notruf wählte. Der Beweis für die Existenz einer «Männergrippe» oder eines «Männerschnupfens» ist das aber nicht. Für Felix Huber, den Präsidenten des Ärztenetzes MediX, sind das nur «spassige Erfindungen». Man mache sich dadurch lustig über die Wehleidigkeit der Männer.

Die Nichtexistenz des «Männerschnupfens» bestätigen nun österreichische Forschende in der Fachzeitschrift «Journal of Psychosomatic Research». Laut ihnen kann das «Konzept des Männerschnupfens verworfen werden».

«Männerschnupfen» auf dem Prüfstand

Für die Studie beobachtete das Team um David Riedl von der Universitätsklinik für Psychiatrie II und Daniel Dejac von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Medizinischen Universität Innsbruck den Symptomverlauf von 113 Personen mit grippeähnlichen Symptomen innerhalb der ersten acht Tage nach der Infektion. 56 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich, das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren. Die Symptome wurden dabei sowohl subjektiv (Selbsteinschätzung der Patientinnen und Patienten) als auch objektiv (Beurteilung durch eine medizinische Fachperson) bewertet.

Ergebnis: Es konnte «kein signifikanter geschlechtsspezifischer Unterschied» zwischen Männern und Frauen bei den objektivierbaren Symptomen wie verstopfter oder laufender Nase, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Schlafmangel festgestellt werden. Auch punkto Riechvermögen oder Druckschmerz im Bereich des Mittelgesichts oder der Stirn fanden sich keine Unterschiede. Entsprechend stützten die Studiendaten die Hypothese eines Männerschnupfens nicht, so das Team.

Punkto Genesung haben Frauen die Nase vorn

Unterschiede stellten die Forschenden aber hinsichtlich der Genesungsdauer fest: So verlief die Genesung bei Frauen deutlich schneller als bei Männern. Dies sowohl bei der von den Medizinerinnen und Medizinern bewerteten als auch bei der von den Patienten und Patientinnen berichteten Schwere der Symptome.

Tatsächlich zeige sich bei Menschen und Tieren, «dass es gewisse geschlechtsspezifische Unterschiede in der Heilung gibt», so Riedl zum ORF: «Weibliche Organismen sind mehr auf Heilung ausgelegt und männliche Organismen sind mehr darauf ausgelegt, Energie zu produzieren.» Als möglichen Grund dafür nennen die Forschenden die Wechselwirkung von Sexualhormonen mit dem Immunsystem. So hätten frühere Studien gezeigt, dass Frauen besser Antikörper produzieren können, was die Immunaktivität und somit eine schnellere und effektivere Abwehr von Infektionen erhöhe. 

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