Terror-Propaganda: «Männliche Jugendliche finden das anziehend»
Aktualisiert

Terror-Propaganda«Männliche Jugendliche finden das anziehend»

In Ego-Shooter-Ästhetik verbreitet die Terrorgruppe Isis ihre Propaganda-Videos - mit deutschen Untertiteln. Ziehen bald Schweizer Gotteskrieger in den Kampf nach Irak?

von
hvw/num

«Und wahrlich, unsere Heerschar ist es, die siegreich sein wird» - die Terrorgruppe Isis lässt in ihren Propaganda-Videos keinen Zweifel daran, dass sie ihr Ziel im Irak mit aller Macht und brutaler Gewalt durchsetzen will: ein neues islamisches Grossreich errichten.

Für dieses Ziel braucht die Terrorgruppe Kämpfer. Und diese wollen sie offenbar auch im deutschsprachigen Raum rekrutieren - zum Beispiel in der Schweiz. Im Internet kursiert derzeit das Video «Das Klirren der Schwerter», hochprofessionell inszeniert und mit deutschen Untertiteln versehen.

Medienpädagoge Philippe Wampfler sagt: «Das Video übernimmt Schlüsselelemente aus einer Videospiel-Ästhetik.» Einzelne Einstellungen erinnerten ihn an Games wie GTA V. Obwohl die gefilmten Szenen zum Teil schreckliche Bilder zeigen - wie das Schiessen auf Autos aus nächster Nähe - versucht der Terror dem Grauen Ästhetik zu verleihen. Wampfler: «Zeitlupenaufnahmen und Wiederholungen erinnern aber auch stark an Hollywood-Filme.»

Jeder Zeifel soll ausgeschaltet werden

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, glaubt, dass mit den Videos vor allem junge Männer abgeholt werden sollen. Das zeige sich am «fiktiven Spielcharakter der Inszenierung, dem Anschein von Abenteuer und Drill». Die Terror-Gruppe wolle den Betrachter für die «göttliche Mission» gewinnen und versuche bei ihm, mittels klarer Trennung von «Gut» und «Böse», jeden Zweifel auszuschalten.

Keller-Messahli hält es für möglich, dass dadurch auch im Westen Gotteskrieger rekrutiert werden können. «Ich glaube, dass es junge Männer gibt, in denen diese Inszenierung positive Resonanz findet.» Philippe Wampfler ergänzt: «Die Aktivitäten werden als attraktiv und vereinbar mit einer fiktionalen Welt dargestellt, welche vor allem männliche Jugendliche anziehend finden und sehr gut kennen.» Dennoch hält er es nicht für wahrscheinlich, dass Schweizer Jugendliche wegen diesen Videos in den bewaffneten Kampf ziehen.

Auch Schweizer im Krieg?

Dennoch geht von der Propaganda im Shooter-Chic eine gewisse Gefahr aus. Extremismus-Experte Samuel Althof sagt: « Das Gefährlichste ist der Prozess der Selbstradikalisierung, meist einzelner Personen. Diese geschieht isoliert Zuhause vor dem Computer über genau solche Propaganda-Videos. »

Diese Menschen, die sich in diesem Radikalisierungsprozess befänden, bräuchten dringend therapeutische Hilfe. Könnten auch in der Schweiz Gotteskrieger rekrutiert werden? Althof: «Ja das ist möglich und auch schon geschehen, jedoch ist das in der Schweiz ein sehr kleiner Personenkreis.»

Wie ernst es die Isis meint, zeigt das so genannte Kalifat, das vor kurzem in der Region ausgerufen und das ihren Anführer Abu Bakr al-Baghdadi zum Kalifen ernannte. Diesen Titel trägt gewöhnlich ein Nachfolger des Propheten Mohammed - mit Anspruch auf die Führung aller Muslime.

Ausschnitte aus dem Isis-Propagandafilm «Klirrende Schwerter»

Deine Meinung