«Time-out» mit Klaus Zaugg: Männlicher SC Bern, weibliche SCL Tigers
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggMännlicher SC Bern, weibliche SCL Tigers

Die SCL Tigers könnten punktgleich mit dem SC Bern an der Tabellenspitze stehen. Wenn sie - nach einer Theorie von SCB-Trainer Larry Huras - «männlicher» spielen könnten oder einen besseren Goalie hätten.

von
Klaus Zaugg

Ein verzweifelter Fan muss es schon lange vor dem Saisonstart geahnt haben. An den Wänden einer Stadion-Toilette hat er das Lebensmotto des Rockmusikers Kurt Cobain an die Wand geschrieben: «Better to burn out than fade away» («Besser zu verglühen als zu verblassen»). Cobain starb nach kurzem, wilden Leben.

Die SCL Tigers werden in der Saison 2009/10 sicher nicht verblassen. Sie leiden sozusagen am «Cobain-Syndrom» und werden offensiv spektakulär verglühen. Positiv formuliert: Die Langnauer laufen ihren defensiven Problemen davon. Sie kreierten bisher mehr Torchancen als jedes andere Team. Nach zwei Runden haben sie bereits neun Tore erzielt - gleich viel wie Leader SC Bern. Und darüber hinaus mindestens 40 Torchancen vergeben.

Die Verteidigung schwächelt

Aber: Die Verteidiger sind zu leicht oder zu langsam - oder beides. Und Matthias Schoder gilt als schwächster Goalie der Liga. Die Folgen: Elf Gegentore in zwei Spielen, nur ein einziger Punkt und die SCL Tigers sind bereits unter dem Strich klassiert.

Es gibt noch eine andere, eine bessere Erklärung für die Probleme der Langnauer: Sie spielen weibliches Hockey. Die Analyse habe ich von SCB-Trainer Larry Huras übernommen.

Defensive vor Offensive

Die Berner siegten zweimal im «Diesel-Stil». Während Langnau sein Potenzial fürs Offensivspektakel nützt, macht der SCB das Gegenteil und investiert seine spielerische Klasse in die Defensive um die neutrale Zone und damit das Spiel von A bis Z zu kontrollieren. Gottéron (1:4) und Biel 0:5) fanden keine freien Räume und keine Zeit und keinen Sauerstoff.

«Es ist unser Ziel, zuerst einmal die Defensive zu stabiliseren», sagte Huras nach dem 5:0 gegen Biel gegenüber 20 Minuten Online. Und brachte, gut gelaunt gleich einen blumigen Vergleich: «Es gibt weibliches und männliches Hockey. Das Offensivspiel ist weiblich: Unberechenbar und du weisst nie woran du bist. Das Defensivspiel ist männlich: Die kannst dich darauf verlassen. Wir haben männlich gespielt.»

Sächliches Hockey beim EHC Biel

Aha. So ist das. Der SCB spielt also männlich defensiv und die Langnauer weiblich offensiv. Larrys Vergleich können wir noch weiter ausbauen. Was ist, wenn eine Mannschaft weder verlässlich defensiv noch unberechenbar offensiv spielt? Nun, dann müsste es sich nach dieser Logik um sächliches Hockey handeln. Und damit sind wir beim EHC Biel angelangt, dem dritten Berner Hockeyunternehmen in der NLA.

Die Bieler stürmten zwar gegen Servette mutig, aber es reichte nur zu einem Treffer (1:3) und von weiblich-offensivem Hockey wie bei den Langnauer kann wohl nicht die Rede sein. In Bern versuchten sie es mit Beton-Hockey, kassierten aber fünf Treffer. Richtig männlich-defensiv war das auch nicht.

Wann murren die SCB-Stars?

Die Fortsetzung? Der SCB kann mit seinem männlichen Hockey die Qualifikation dominieren. Aber bald werden die Stars murren. Christian Dubé, Simon Gamache, Ivo Rüthemann oder Lubos Bartecko werden sich taktisch nicht eine ganze Saison lang so an die Kette legen lassen. Sie werden mehr offensive, pardon, weibliche Elemente im Spiel verlangen.

Die Langnauer sind zu leicht und zu klein und zu unerfahren, um wie der SCB männlich defensiv zu spielen. Eher früher als später wird deshalb die Diskussion aufkommen: Brauchen die Langnauer einen ausländischen Torhüter oder können sie von der Konkurrenz einen Goalie übernehmen, der Matthias Schoder wenigstens herausfordern kann? Schon letzte Saison war Schoder erst besser geworden, als Trainer Christian Weber von Davos vorübergehend Torhüter Reto Berra übernommen hatte.

Und Biel?

Ganz einfach: Eine dritte Niederlage in Serie am Dienstag in Langnau und der Baum brennt. Die SCL Tigers gegen den EHC Biel - wir dürfen uns schon in der dritten von 50 Runden auf das erste «Schicksalsspiel» freuen.

Deine Meinung