Aktualisiert 02.11.2006 17:26

Mafia-Morde: 14'500 Polizisten für Neapel

Nachdem in Neapel die Camorra neun Menschen in neun Tagen getötet hat, verstärkt Romano Prodi die Polizeitruppe in der Stadt am Vesuv.

Dort stellte er den Lokalbehörden seinen Anti-Kriminalitätsplan vor.

Bei einem Treffen mit Bürgermeisterin Rosa Russo Iervolino und dem Präsidenten der Region Kampanien kündigte Prodi an, dass weitere 1000 Polizisten entsandt werden. Sie sollen helfen, die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.

In der Stadt sind bereits 13 500 Polizisten im Einsatz. Ferner sollen Videoanlagen für mehr Sicherheit sorgen. Die Polizei soll zudem mehr Motorräder erhalten, um auch in engen Gassen Präsenz zu zeigen.

Prodi schloss die Entsendung von Soldaten aus. «Die Kriminalität hängt mit der Korruption in der Wirtschaft zusammen, mit der Geschäftswelt und einer ständigen Missachtung der Gesetze. Dagegen kann die Armee nicht viel ausrichten», sagte er vor den Medien.

«Wir müssen geschlossen aus dem Tunnel herausfinden und uns gegenseitig helfen. Wir müssen auf Skepsis und Resignation verzichten. Wir verfügen über die moralischen Fähigkeiten, um den Neubeginn zu schaffen.»

Auflehnung gegen sich selbst

Iervolino sagte, Neapel müsse sich gegen ihre Besetzung durch das Organisierte Verbrechen auflehnen. Dies sei jedoch schwierig, da in Neapel zu viele in die Untaten der Camorra verstrickt seien. Neapel müsse sich gegen sich selbst auflehnen. In der Stadt tobt seit Monaten ein Kampf zwischen Camorra-Banden.

Die oppositionelle Mitte-Rechts-Allianz macht den von der Regierung im Juli verabschiedeten Strafnachlass dafür verantwortlich. Tausende Kriminelle konnten vom Strafnachlass profitieren, der die überbelegten Gefängnisse entlasten sollte.

Für einen Eklat sorgte Roberto Calderoli von der rechtspopulistischen Lega Nord. Er bezeichnete Neapel als «Kloake» und warnte, dass die Regierung der Stadt wieder Millionenbeträge zuschanzen würde, die zu keinen Resultaten führten.

«Krieg der Clans»

Schon 2004 und 2005 starben bei einem «Krieg der Clans» über 100 Menschen. Und in diesem Jahr wurden in Neapel bereits über 70 Menschen ermordet.

Experten schätzen den Jahresumsatz der Camorra auf rund 16 Mrd. Euro. Neben Drogen, Prostitution und Erpressung seien die «Paten» in viele legale Sektoren eingestiegen, etwa ins Baugeschäft.

10 000 Menschen arbeiten demnach im Grossraum Neapel für das Organisierte Verbrechen. Die Arbeitslosigkeit treibt der Mafia vor allem junge Leute in die Arme.

Notiz: Die Meldung bsd166 wurde nach dem Besuch Prodis in Neapel durchgehend neu geschrieben (u.a. mit Aktionsplan gegen Camorra, Äusserungen Prodis und der Bürgermeisterin sowie der Opposition).

(sda)

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