Wucherzinsen und Abzocke: Mafia: Von wegen Krise
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Wucherzinsen und AbzockeMafia: Von wegen Krise

Fast die ganze Welt spürt die Krise. Einer besonders «ehrenwerten» Gesellschaft kann die Krise aber nichts anhaben – im Gegenteil: Laut Schätzungen wird die italienische Mafia in diesem Jahr über 200 Milliarden Euro umsetzen.

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scc/cyp

Für Anti-Mafia-Staatsanwalt Piero Grasso ist klar: «Die Mafia macht in der Krise Supergeschäfte.» Tatsächlich kann die Mafia gleich doppelt von der wirtschaftlich miesen Lage profitieren. Durch die Krise sind viele Unternehmen in Schieflage geraten, daher sind sie für liquide Investoren attraktiv geworden. Die Mafia kauft Firmen oder Restaurants auf, um ihr illegales Geld weiss zu waschen. Weiter springt die kriminelle Vereinigung dort in die Bresche, wo Banken geizen. Immer mehr kleinere Unternehmen erhalten gemäss «Standard.at» ihre Kredite von der Mafia - dies aber zu Wucherzinsen.

Überleben mit Wucherkrediten

«Unsere Unternehmen sind in Gefahr», warnte erst vor kurzem der italienische Zentralbankchef Mario Draghi. «In vielen Teilen des Landes bremsen aggressive, vernetzte und unerträgliche kriminelle Organisationen das Wachstum», so Draghi weiter. Denn einmal in den Fängen der Mafia, erlahme Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der übernommenen Firma massiv. Da die Wirtschaftslage weiterhin schlecht ist, sei das Risiko, von der Mafia übernommen zu werden, hoch.

Besonders in Gefahr sind Klein- und Kleinstunternehmen, welche den grössten Teil der italienischen Wirtschaft ausmachen. Wenn die Aufträge ausbleiben oder Rechnungen nicht bezahlt werden, ist es zurzeit schwierig, einen Überbrückungskredit zu erhalten, um das Unternehmen am Laufen zu halten. «Notleidende finden in der Mafia eine willige Bank», sagt Richter Alberto Nobili.

Auch Freiberufler, Handwerker oder Angestellte zählen zur Mafia-Kundschaft. Beim ersten Mal werden im Schnitt 5000 Euro ausgeliehen. Meistens bleibt es nicht dabei: Danach bewegt sich die Summe, die vermittelt wird, auf 10 000 bis 100 000 Euro - das zu Zinssätzen von 160 bis 500 Prozent pro Jahr.

Brandstiften und löschen

Die Mafia hat zudem einen weiteren Geschäftszweig entdeckt - den Brandschutz. Ungewöhnlich viele und heftige Busch- und Waldbrände suchten in den vergangenen Wochen die süditalienischen Regionen Apulien und Kalabrien heim. Die meisten Feuer werden nach Ansicht von Experten absichtlich gelegt. Einerseits befinden sich die Helikopter, welche die Löscharbeiten übernehmen, in der Hand der Mafia – diese lässt sich als einziger Anbieter die Dienste zu überteuerten Tarifen abgelten. Die gelöschten Flächen versuchen die Mafiosi später oft als Bauland lukrativ zu verscherbeln.

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