Italien – Mafiosi lassen sich Waffen per Drohne ins Gefängnis liefern
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ItalienMafiosi lassen sich Waffen per Drohne ins Gefängnis liefern

Dass Kriminelle versuchen, Drohnen als «Postboten» für Gefängnisinsassen zu nutzen, kommt immer häufiger vor. Kürzlich wurde ein Fluggerät abgefangen, das einem Camorra-Mitglied eine Pistole liefern sollte.

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Drohnen eignen sich nicht nur zur Überwachung, sondern auch zum Schmuggel kleinerer Gegenstände.

Drohnen eignen sich nicht nur zur Überwachung, sondern auch zum Schmuggel kleinerer Gegenstände.

20min/Celia Nogler
In Frosinone erhielt ein hochrangiger Mafioso Hilfe von aussen – eine Drohne flog eine Pistole ins Gefängnis.

In Frosinone erhielt ein hochrangiger Mafioso Hilfe von aussen – eine Drohne flog eine Pistole ins Gefängnis.

Wikipedia/Syd00/CC BY 3.0
Auch im Gefängnis Bostadel hat man schon Erfahrungen mit Schmuggel-Drohnen gemacht.

Auch im Gefängnis Bostadel hat man schon Erfahrungen mit Schmuggel-Drohnen gemacht.

Tamedia/Fabienne Andreoli

Darum gehts

  • Immer öfter kommen Drohnen als Kuriere für «Lieferungen» für Häftlinge zum Zug.

  • Neulich schmuggelten gar Kollegen einem Boss der Camorra eine Pistole ins Gefängnis. Sein Anschlag auf drei Erzfeinde hinter Gittern scheiterte aber.

  • Auch in der Schweiz gabs schon mehrere ähnliche Fälle. Manche Haftanstalten installierten daraufhin spezielle Warnsysteme.

Insgesamt vier Schüsse fielen Ende September im Hochsicherheitsgefängnis von Frosinone in Latium, drei davon verfehlten ihr Ziel. Nur ein Projektil verletzte einen Gefangenen leicht, schrieb «La Reppublica». Abgegeben hatte die Schüsse der neapolitanische Gangster Alessio Peluso, im Milieu als «O’Niro» bekannt, der sich an Mitinsassen rächen wollte, die ihn am Vortag beleidigt und attackiert hatten. Erhalten hatte er die Waffe im Kaliber 7,65 mm von Helfern ausserhalb des Gefängnisses – und diese hatten eine Drohne benutzt, um die Pistole hinter die Gitter und Zäune der Strafanstalt zu fliegen, wie eine Untersuchung des Vorfalls später ergab.

Es war der jüngste Vorfall in einer längeren Reihe ähnlicher Versuche, mithilfe von Drohnen Drogen, Waffen oder Handys in Gefängnisse zu schmuggeln, wie tio.ch berichtet. Im Gefängnis von Bari etwa wurden die Fluggeräte regelmässig genutzt, um Drogen ins Gefängnis zu bringen und den Inhaftierten Mobiltelefone zu liefern. In ganz Italien wurden im Jahr 2020 insgesamt 1761 Handys beschlagnahmt, 50 mehr als im Vorjahr. 2018 waren erst knapp 400 Mobiltelefone beschlagnahmt worden.

Auch in der Schweiz keine Neuigkeit

Die ursprünglich aus den USA stammende Methode, die sich dort grosser Beliebtheit erfreut, ist auch in der Schweiz nicht unbekannt. So wurde in der Strafanstalt Bostadel bei Menzingen ZG bereits 2014 eine Drohne eingesetzt, um ein Handy ins Gefängnis zu schmuggeln. Nach dem Vorfall wurden in mehreren Schweizer Gefängnissen – unter anderem in Bostadel und Lenzbug (AG) – Systeme installiert, die anfliegende Drohnen erkennen und melden sollen.

Wie die «Aargauer Zeitung» bereits 2019 meldete, soll das zwei Jahre zuvor installierte System auch Objekte von der Grösse eines Tennisballs erkennen können, die über die Mauer geworfen werden. Für den Fall, dass es eine Drohne tatsächlich schaffen sollte, in den Innenhof zu fliegen, haben die Beamten klare Weisungen: Das Fluggerät mit einem aus einem Gewehr abgefeuerten Spezial-Netz abzuschiessen und unschädlich zu machen.

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(trx)

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