Aktualisiert 27.11.2009 12:36

Das Unternehmen Mafia

Mafiosi nagen an Italiens Wirtschaft

Die italienischen Unternehmen sind durch die Krise geschwächt und dadurch leichter von kriminellen Organisationen angreifbar. Damit wachse der Einfluss der Mafia auf die süditalienische Wirtschaft.

«Die Mafia dringt in die öffentliche Verwaltung ein, nagt am Vertrauen der Bürger und verhindert das geregelte Funktionieren des freien Marktes. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten für die Wirtschaft», betonte Italiens Notenbankchef Mario Draghi in Rom.

Die Kluft zwischen Nord- und Süditalien im Dienstleistungsbereich, in der Ziviljustiz, bei den Infrastrukturen, im Schul- und Gesundheitswesen sei alarmierend. Die wirtschaftlichen Resultate des Südens seien seit vielen Jahren enttäuschend, so Draghi.

In den letzten 30 Jahren sei die Kluft beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zwischen Nord- und Süditalien unverändert geblieben. «In Süditalien, wo ein Drittel der Italiener lebt, wird ein Viertel des italienischen BIP erwirtschaftet», sagte Draghi. Der «Mezzogiorno» sei das grösste rückständige Gebiet im Euro-Raum.

Wegen der Kreditengpässe floriere das Geschäft mit dem von der Mafia kontrollierten Wucher. Daher müssten in Krisenphasen die Kontrollen noch einschneidender sein. Der Notenbankchef forderte strengere Strafen für Wucher und Geldwäsche. «Aggressive kriminelle Organisationen bremsen die Entwicklung breiter Teile Italiens», so der Notenbankchef.

Stärkstes Unternehmen im Land

Die Mafia ist laut einer Studie Italiens stärkstes «Unternehmen»: Mit 130 Mrd. Euro Umsatz stehen kriminelle Organisationen für sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Nettogewinn beträgt jährlich 70 Mrd. Euro, geht aus einer Studie hervor, die von der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission in Rom in Auftrag gegeben wurde. Der weitaus überwiegende Teil des Geldes kommt aus Drogen- und Waffenhandel, Prostitution und Erpressung.

Täglich wandert aber auch ein enormer Geldstrom von den Taschen der italienischen Unternehmer und Kaufleute in jene der Mafiosi. 250 Mio. Euro kassiert die Mafia jährlich mit Wucher und Erpressung, 180 000 Kaufleute sind bereits Opfer der kriminellen Praktiken der Mafia geworden: Schutzgelderpressung, illegaler Geldverleih, Diebstahl, Betrug und Schmuggel sind im Wirtschaftsleben ihre «Hauptgeschäftsbereiche», heisst es in der Studie.

(sda)

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