Flüchtige Gefängnisaufseherin: Magdici shoppte auf der Flucht
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Flüchtige GefängnisaufseherinMagdici shoppte auf der Flucht

Die Wärterin hat nach dem Ausbruch ihre Kreditkarte benützt. Geld verdient sie unterdessen keines mehr: Das Zürcher Amt für Justizvollzug hat ihr gekündigt.

von
afo

Die flüchtige Gefängnisaufseherin Angela Magdici hat keinen Job mehr: Das Zürcher Amt für Justizvollzug hat sie noch am Dienstag fristlos entlassen, wie Sprecherin Rebecca de Silva gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt. Die 32-Jährige hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag den 27-jährigen Vergewaltiger Hassan Kiko aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon ZH befreit.

Bevor die beiden sich am Dienstag mit einem schwarzen BMW X1 nach Italien absetzten, hatten sie offenbar noch Zeit zum Shoppen: Gemäss Recherchen der «Sonntagszeitung» bezahlte die Aufseherin noch in der Schweiz mit ihrer Kreditkarte.

Ein Aufseher schlief

Während Magdici und Kiko noch auf der Flucht sind, wird immer mehr Kritik am Gefängnis Limmattal laut, da in der besagten Nacht nur zwei Aufseher im Gefängnis waren – einer davon schlief. Diese Praxis im Gefängnis Limmattal sorgt bei Justizvollzugsexperten für Kopfschütteln. So kann in den Berner Gefängnissen nie ein Aufseher allein eine Tür zu den Zellentrakten öffnen, wie Laszlo Polgar vom Berner Amt für Freiheitsentzug im «Sonntagsblick» erklärt: «Der Zutritt zu einer Abteilung erfolgt meist über Schleusen. Diese sind immer nur durch zwei Betreuer zu öffnen.»

Das in der Kritik stehende Zürcher Amt für Justizvollzug hat bereits reagiert: «Wir haben erste Sofortmassnahmen in puncto Sicherheit getroffen», erklärt Amtssprecherin Rebecca de Silva gegenüber «Sonntagsblick». Ausserdem habe das Amt eine interne Untersuchung eingeleitet: «Wir analysieren, ob menschliches Versagen vorliegt oder ob es sich um einen Systemfehler handelt.»

Einheitliche Standards fehlen

Auch die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) wird aktiv. Sie hat eine Arbeitsgruppe beauftragt, einheitliche Vorgaben zu erarbeiten. «Der Konzeptentwurf wird im Herbst vorliegen», sagt Strafvollzugsexperte Benjamin Brägger, Mitglied der Arbeitsgruppe zur «Sonntagszeitung». Vorgesehen sind unter anderem «einheitliche Sicherheitsstandards, zum Beispiel bei den baulichen Massnahmen und für das Personal.»

Geplant ist auch ein Schweizerisches Kompetenzzentrum für Justizvollzug. Ein entsprechendes Konzept ging bereits durch die Vernehmlassung. «Es wird derzeit überarbeitet und wird an der Frühjahrsversammlung vom 14. April dem Plenum zur Genehmigung vorgelegt», bestätigt Florian Düblin, stellvertretender Generalsekretär der KKJPD.

Für den neuen Know-How-Pool soll das bestehende Ausbildungszentrum für Strafvollzugspersonal in Freiburg ausgebaut werden. Zu den Schwerpunkten gehören neben Fragen der Personalausbildung auch Guidelines im Umgang mit gefährlichen Tätern. Vorgesehen ist zudem ein Think Tank für Forschung und Entwicklung.

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