16.09.2020 07:24

Erholung schwächt sich abMagere Lohnrunde bremst Aufschwung ab

Die Schweizer Wirtschaft erholt sich kräftig. So weitergehen dürfte es aber nicht. Laut der Credit Suisse dürfte der Schwung wieder verloren gehen. Schuld ist vor allem der Konsum.

von
Dominic Benz
1 / 8
Die Schweizer Wirtschaft erholt sich derzeit deutlich von dem Einbruch durch die Corona-Krise.

Die Schweizer Wirtschaft erholt sich derzeit deutlich von dem Einbruch durch die Corona-Krise.

Susanne Keller
Der Aufschwung wird befeuert durch sinkende Preise und das Bedürfnis, verpasste Shoppingtouren nachzuholen.

Der Aufschwung wird befeuert durch sinkende Preise und das Bedürfnis, verpasste Shoppingtouren nachzuholen.

keystone-sda.ch
Doch die Erholung dürfte in den kommenden Monaten an Schwung verlieren, schreiben die Ökonomen der Credit Suisse. Dafür nennen sie mehrere Gründe:

Doch die Erholung dürfte in den kommenden Monaten an Schwung verlieren, schreiben die Ökonomen der Credit Suisse. Dafür nennen sie mehrere Gründe:

KEYSTONE

Darum gehts

  • Nach dem Wirtschaftseinbruch im ersten Halbjahr erholt sich die Schweiz wieder.
  • Der Aufschwung dürfte aber ins Stocken geraten, schreibt die Credit Suisse in ihrem Bericht «Monitor Schweiz» für das 3. Quartal.
  • Vor allem der Konsum werde wieder zurückgehen.
  • Gründe sind die steigende Arbeitslosenquote und kaum steigende Löhne.

Die Corona-Krise beutelt weltweit die Wirtschaft. Auch die Schweiz erlebte im ersten Halbjahr einen beispiellosen Einbruch. Derzeit erholt sich die Wirtschaft aber deutlich.

Doch so weitergehen wird es nicht. Die Erholung dürfte in den kommenden Monaten an Schwung verlieren, wie die Credit Suisse (CS) in ihrem Bericht «Monitor Schweiz» für das 3. Quartal schreibt. Die Grossbank vergleicht dabei das sich abzeichnende Konjunkturprofil mit einem «schiefen V».

Ein wichtiger Treiber für den Aufschwung ist der Konsum. Dieser wird momentan durch sinkende Preise sowie das Bedürfnis, verpasste Shoppingtouren nachzuholen, befeuert. Grundlagen für diese Erholung ist die Möglichkeit zum Bezug von Kurzarbeitsgeld sowie die vom Bund zugesicherten Notkredite.

Zwar geben laut der Analyse der CS die Schweizer Privathaushalte derzeit rund zwei Drittel der Gelder, die sie während des Lockdown angespart hatten, wieder aus. Doch folgende Faktoren werden laut der Bank den Konsum ausbremsen:

Arbeitsmarkt

Laut der CS bleibt die Lage am Arbeitsmarkt bis in das kommende Jahr hinein angespannt. Auch wenn die Kurzarbeit, mit der eigentlich Entlassungen verhindert werden sollen, weit verbreitet ist, werde es mehr Personen ohne Job geben. Die Bank sieht die Arbeitslosenquote in den kommenden Monaten auf 4 Prozent bis Mitte 2021 steigen. Derzeit liegt sie bei 3,3 Prozent. Im Schnitt beträgt sie in diesem Jahr 3,2 Prozent, 2021: 3,9 Prozent. «Ein solcher Anstieg wird das Konsumwachstum erfahrungsgemäss bremsen, wenn auch nicht abwürgen», schreiben die CS-Ökonomen in ihrer Analyse.

Löhne

Die Unternehmen schreiben massive Gewinneinbrüche. Der Anteil Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist daher auf ein Rekordtief gesunken. Die CS erwartet daher eine magere Lohnrunde. Die Löhne werden also kaum steigen. Gleichzeitig dürften die Preise nicht weiter sinken, so der Bericht. Für das nächste Jahr wird eine Inflation von plus 0,3 Prozent – nach minus 0,7 Prozent im laufenden Jahr – erwartet. Die Kaufkraft der Löhne werde daher im nächsten Jahr sogar leicht abnehmen.

Weltwirtschaft

Das Coronavirus wird die globale Wirtschaft noch länger belasten. Das werde laut der Bank auch die Erholung in der Schweiz abbremsen. Zwar gehen die Ökonomen der CS nicht von einem erneuten flächendeckenden Lockdown aus. Dennoch werde es weiter immer wieder auch temporäre sowie geografische Einschränkungen in der Mobilität geben. So werden Grenzen immer wieder dichtgemacht oder globale Lieferketten unterbrochen. Das belaste die Konjunktur weiterhin.

Investitionen

Weil die Unternehmen weniger verdienen und die Unsicherheiten wegen des Coronavirus gross sind, werde bei Investitionen gezögert. Statt Geld auszugeben, wird gespart. Gemäss CS wird das Investitionsklima daher noch eine Weile verhalten bleiben. Dennoch gibt es auch Lichtblicke. Die Nachfrage nach Investitionen in Ausrüstungen und Maschinen dürfte wegen der Erholung der Industrie wieder etwas anziehen, schreibt die CS. Als Stütze zeigt sich auch die Pharma- und Chemieindustrie. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen investiert und export diese viel. Auch für die IT-Infrastruktur wird breitflächig Geld ausgegeben.

Weil die Erholung in den nächsten Monaten ins Stocken geraten dürfte, hält die CS an ihrer Prognose für das BIP fest. Die Bank sieht einen Rückgang von 4 Prozent in diesem Jahr. Das sei vergleichsweise optimistisch, schreiben die Ökonomen. Das BIP-Niveau von Ende 2019 dürfte allerdings erst Ende 2021 wieder erreicht werden.

Tiefstes Niveau seit 2007

Zuwanderung geht zurück

In diesem Jahr wird die Zuwanderung weiter zurückgehen. Obwohl die Grenzen vom 25. März bis 8. Juni 2020 teilweise geschlossen waren, rechnet die CS in ihrem Bericht «Monitor Schweiz» mit einem Wanderungssaldo (Einwanderung minus Auswanderung) der ständigen Wohnbevölkerung von rund 50'000 für das aktuelle Jahr. Das ist nur leicht weniger als im Vorjahr mit 53’000. Die zurückgehende Zuwanderung spürt auch die Schweizer Wirtschaft. So sinkt etwa die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt. Auch die schleppende Erholung auf dem Arbeitsmarkt dürfte weniger Ausländer anziehen. Entsprechend erwarten die Ökonomen der Credit Suisse für 2021 einen weiteren Rückgang der Nettozuwanderung auf ein Niveau von rund 45'000. Damit würde das Wanderungssaldo erstmals seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit im Juni 2007 auf unter 50'000 Personen sinken, schreibt die Bank.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
102 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Landru

17.09.2020, 19:21

Doch die Löhne werden steigen, aber nur bei den CEO‘s abzockern. Man kennt sie ja alle!

Leser

17.09.2020, 04:42

Man könnte im Titel auch schreiben, dass magere Lohnrunde die Teuerung bremst.

Mr.

16.09.2020, 10:47

Was heisst Kaufkraft wird abnehmen? +0.3 und -0.7 ergibt immer noch -0.4. Also so gesehen immer noch eine Zunahme.