Aktualisiert 25.03.2011 10:38

ZürichMagersüchtige (17) erhielt Abnehmpille

Problemlos hat eine junge Magersüchtige in einer Zürcher Apotheke die Abnehmpillen Alli und Carbosinol erhalten. Ihre Mutter ist entsetzt.

von
David Torcasso

Die 17-jährige B. C.* hat in der Sonnen-Apotheke beim Bellevue die Schlankheitsmedikamente Alli und Carbosinol verlangt. Fatal: B. C. ist magersüchtig und weist einen Body-Mass-Index von nur 15,5 auf. Die rezeptfreien Pillen dürfen aber erst ab einem BMI von 26 eingenommen und sowieso nicht an Minderjährige ausgehändigt werden. Trotzdem verkaufte eine Pharma-Assistentin die Medikamente für 105 beziehungsweise 50 Franken. Die junge Frau hatte ihr weisgemacht, die Pillen seien für ihren fettleibigen Bruder. Die Mutter der 17-Jährigen ist aufgebracht: «Die Pharma-Assistentin hat damit am Grab meiner Tochter geschaufelt.» Zumal sie sichtbar magersüchtig sei.

«Die Kundin hat die junge, noch nicht so erfahrene Pharma-Assistentin notorisch angelogen», so Peter Schüpbach, Leiter der Sonnen-Apotheke «Zudem gehen wir davon aus, dass Kunden die Wahrheit sagen.» Man könne den Standpunkt vertreten, öfter einen Ausweis verlangen zu müssen, räumt Schüpbach ein. «Das würde aber auch Misstrauen bei Kunden auslösen.» Der Apotheker betont: «Täglich fragen bei uns bis zu zwei junge Frauen nach Abführmitteln, das verweigern wir aber bei sehr schlanken Kundinnen stets.» Lorenz Schmid, Präsident des Apothekerverbandes des Kantons Zürich, sagt zum Vorfall: «Apotheker sind keine Polizisten, die Lügengeschichten aufdecken müssen. Bei jungen Frauen schauen wir grundsätzlich genau hin.»

*Name der Redaktion bekannt

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.