Aktualisiert 24.02.2014 11:22

Persönliche Highlights

Magische Olympia-Momente unseres Teams

Drei Wochen und länger war 20 Minuten in Sotschi live dabei. Die drei Reporter vor Ort, Franziska Burkhard, Marcel Allemann und Herbie Egli, erzählen ihre persönlichen Highlights.

von
mal/fbu/heg

Marcel Allemann: Eine Liebeserklärung an die Hockey-Girls

Wirklich begeistert war ich nicht, als feststand, dass ich mich in Sotschi auch um unsere Frauen-Eishockey-Nati kümmern soll. Eishockey ist zwar mein Sport, aber richtiges Eishockey. Männer-Eishockey eben.

Am Medientermin mit der Frauen-Nati vor dem Turnierstart erfuhr ich dann zwar, wie bezaubernd Florence Schelling ist, aber gefesselt für ihren Sport hat mich das auch nicht. Dann schaute ich das erste Mal vorbei, als die Ladys in Action waren. Dummerweise bei der 0:9-Niederlage gegen die USA. So stellt man sich ein Eishockey-Spiel definitiv nicht vor. Ich sah mich in meinen Vorurteilen bestätigt. Dann gab es beim 2:3 gegen Finnland ein Lebenszeichen, aber richtig überzeugen konnte mich das auch nicht.

Doch dann kam der 22. Februar. Unsere Eis-Ladys spielten im Viertelfinal gegen Russland, hatten das ganze Stadion gegen sich, aber rangen die Gastgeber mit einem begeisternden Kampf 2:0 nieder. Ich fühlte mich plötzlich bestens unterhalten, besser als in diesen Tagen von den Männern. Im Halbfinal begannen sie sogar die überragenden Kanadierinnen bei der knappen 1:3-Niederlage zu ärgern und dann dieses unglaubliche Bronze-Spiel. Vom 0:2, als Bronze bereits nicht mehr möglich schien, zum 4:2. Diese Frauen haben mein Herz im Sturm erobert, ich litt, fieberte und freute mich mit ihnen mit. Namen wie Florence Schelling, Julia Marty oder Jessica Lutz werden mir in Zukunft genauso geläufig sein wie Jonas Hiller, Mathias Seger oder Roman Wick. Ich liebe diese Hockey-Girls!

Franziska Burkhard: Der Zusammenbruch einer Frohnatur

Mein eindrücklichster Moment an diesen Winterspielen war nicht schön im eigentlichen Sinne. Es war nicht etwa ein grosser Triumph eines Schweizers – auch wenn ich die Goldfahrten von Dario Cologna nicht missen möchte. Die Szene, die mich am meisten berührt hat, war mit einem der grossen Verlierer. Simon Ammann hatte Sotschi zu seinem Projekt gemacht – er wollte noch einmal das Gefühl eines Olympiasieges erleben. Doch es kam anders. Der Toggenburger fand den Draht zu den Schanzen nicht. Am Ende schauten die Ränge 17 und 23 heraus – zu wenig für einen wie ihn.

Und so erlebte Ammann nach seinem letzten Olympiasprung die bittersten Minuten seiner Karriere. Tapfer hatte er sich von Fernsehreporter zu Fernsehreporter gekämpft und war den Radioleuten Red und Antwort gestanden. Als er dann, etwas abseits vom Trubel um Doppelolympiasieger Kamil Stoch, zur schreibenden Presse kam, übermannten ihn die Gefühle. Innerhalb kürzester Zeit sahen wir, eine kleine Gruppe von knapp zehn Journalisten, den sonst so fröhlichen Skispringer emotional zusammenbrechen. Wir waren alle überrascht, litten mit ihm mit. Fragen fielen niemandem mehr ein. Es hätte auch nichts gebracht. So bitter kann Sport eben auch sein.

Herbie Egli: Eine Ski-Premiere bei Olympia

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind die 22. der Geschichte. Für mich die zweiten nach Vancouver 2010, die ich vor Ort erlebe. Hauptsächlich berichtete ich über die Skirennen. Die Frauenabfahrt vom 12. Februar ist mir am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben. Nicht nur, weil Dominique Gisin Olympiasiegerin wurde, sondern auch, weil es erstmals zwei zeitgleiche Goldmedaillen-Gewinnerinnen in diesem Wettbewerb gab. Die Slowenin Tina Maze fuhr exakt gleich schnell wie die 28-jährige Obwaldnerin. 1 Minute 41 Sekunden und 57 Hundertstel brauchten die beiden für die 2713 Meter lange Strecke.

Bei der Flower Ceremony im Zielraum machten Gisin und Maze gleich nochmals gemeinsame Sache. Sie stiegen zusammen händchenhaltend zuoberst aufs Podest, weil sich die beiden auch neben der Piste gut verstehen. «Ich mag Tina sehr gut und liebe es, wie sie Ski fährt. Sie ist eine der ganz Grossen und es ist eine Ehre für mich, mit ihr zusammen Olympiasiegerin zu sein», strahlte Gisin an ihrem Triumph-Tag. Ach ja. Dass Lara Gut in diesem Rennen Bronze gewann, rückte etwas in den Hintergrund.

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