Aktualisiert 10.10.2005 17:43

«Das Unbehagen»Mahler aus Wien: Erstklassige Cartoons

«Kevin, was machen die vielen nackten Frauen auf deinem Bildschirm?» «Die wehren die Viren ab, Mama!»

Manchmal kann man Mahlers Witze auch ohne die dazugehörige Zeichnung verstehen. Aber abstruse Gags wie der Zwischenfall in der Designerloft, die Ausstellung im Krankheitsmuseum oder das Mahlzeitenangebot in der Kerker-Kantine funktionieren nur mit Bildern. Mehr als vier davon braucht Mahler aber nie für seine lakonischen Cartoons.

Humorzeichnungen, so nennt der in Wien lebende Nicolas Mahler seine schnell gezeichneten, in einer sehr spärlich möblierten Welt angesiedelten Werke. Seine Antihelden heissen Kratochvil oder Pospischil und kämpfen erbittert mit einer absurden Umwelt. Am besten aber ist Mahler dann, wenn er über bereits existierende mythische Figuren fantasiert: Da wird der Dr. Fu Manchu zum Kinderarzt, dem Eskimo Nanook ist die Frau mit einem Iglu-Fabrikanten durchgebrannt und die Hell's Angels brauchen einen gewissenhaften Buchhalter. Wie Mahler diese Figuren auf die Ebene eines gelungenen Witzes bringt, hat grosse Klasse!

Kurz und gut, Mahlers Humor ist elegant, hat Stil, Timing und steckt voller guter, origineller Ideen. Statt sich also beispielsweise von den so genannt humoristischen Produktionen des Schweizer Fernsehens nerven zu lassen, greife man lieber zu diesem Buch und lache lang und herzhaft.

Wolfgang Bortlik

Mahler «Das Unbehagen», Edition Moderne, 72 Seiten, 24.80 Franken.

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