Bern: Mahnwache für Ai Weiwei
Aktualisiert

BernMahnwache für Ai Weiwei

Gut zwei Wochen nach der Festnahme des Künstlers Ai Weiwei fehlt jede Spur des 53-Jährigen. Auch vor der chinesischen Botschaft in Bern protestierten heute einige Menschen.

Ai Weiweis Schwester Gao Ge sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, sie sei nicht sicher, dass die weltweiten Proteste gegen die Inhaftierung zur Freilassung ihres Bruders beitragen würden. «Ich glaube aber nicht, dass die internationalen Proteste seine Lage verschlimmern», sagte sie in einem Telefongespräch. Es gebe weiter keine Informationen dazu, wo Ai Weiwei sich aufhalte.

Mit einer weltweiten Aktion wollten sich Künstler an diesem Sonntag für die sofortige Freilassung Ai Weiweis einsetzen. In Anlehnung an Ai Weiweis documenta-Beitrag «Fairytale» riefen die Veranstalter im Internetnetzwerk Facebook dazu auf, in verschiedenen Städten der Welt - darunter Berlin, München und Bern - um 13.00 Uhr Ortszeit 1001 Stühle vor chinesischen Botschaften und Konsulaten aufzustellen und darauf Platz zu nehmen.

Polizei lässt Demonstranten in Bern gewähren

In Bern haben sich am Sonntag etwa 20 Menschen vor der chinesischen Botschaft versammelt, um die Freilassung des chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei zu fordern. Wie in anderen Städten protestierten sie mit einer Kundgebung im Sitzen. Die Protestaktion verlief friedlich. Die meisten Teilnehmer hatten ihre eigenen Stühle oder Hocker mitgenommen, einige sassen auf der Strasse vor der chinesischen Botschaft im Berner Kirchenfeldquartier. Zur Aktion mit Stühlen war auf Facebook aufgerufen worden.

Nach einer halben Stunde trafen zwei Polizisten bei der chinesischen Botschaft in Bern ein, um Informationen über die Kundgebung zu verlangen. Ein Teilnehmer schilderte die Hintergründe und versicherte, dass der friedliche Protest insgesamt eine Stunde dauern würde. Die Polizisten liessen darauf die Demonstrierenden gewähren und fuhren wieder weg.

1001 Chinesen als Kunst

2007 hatte Ai Weiwei auf der documenta 1001 Chinesen nach Kassel kommen lassen und damit für Aufsehen gesorgt. Die Aktion soll auf «friedliche» Art und Weise der Forderung Ausdruck verleihen, Ai Weiwei sofort freizulassen, hiess es auf der Facebook-Seite. Zudem setzen sich die Organisatoren dafür ein, dass Künstler in China frei arbeiten und ihre Meinung äussern können.

Der Regimekritiker Ai Weiwei wurde am 3. April in Peking festgenommen und ist seitdem verschwunden. (sda)

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