Aktualisiert 26.06.2019 08:40

«Switzerländers»Mai (15) träumt von einer Rugby-Karriere in England

Die 15-jährige Mai Buchs spielt leidenschaftlich gern Rugby. Oft muss sie sich mit Vorurteilen auseinandersetzen.

von
Noah Zygmont / Geraldine Schläpfer

Das ist Mais «Switzerländers»-Beitrag – und wo ist deiner? (Video: Manuel Täuber / Tarek El Sayed)

Mai öffnet uns die Tür. In einem gelb-roten Trikot steht sie vor uns, kurze blonde Haare umrahmen ihr Gesicht. Unter dem Arm hat sie einen Rugby-Ball eingeklemmt. Ihre Stulpen sind hochgezogen, sie trägt Fussballschuhe, und auf ihrer Stirn glänzt eine Schweissperle. Im Garten wartet ihre Schwester. Sie üben schnelle Pässe, gefolgt von einem Tackle-Training. Mai Buchs (15) spielt seit knapp drei Jahren Rugby beim Rugby-Club Bern und hat grosse Pläne.

Die damals zwölfjährige Mai war mit ihrer Familie auf einer Reise durch Irland. Bei einem der Abendessen lief Amercian Football im Fernsehen. Mai war fasziniert und bat ihre Mutter: «Du musst mich in der Schweiz dafür anmelden.» Ihre Mutter, die es gut meinte, meldete sie aus Unwissen statt für American Football für ein Rugby-Training an. «Im Nachhinein ist es die beste Entscheidung gewesen. Ich würde jetzt nicht mehr American Football spielen wollen», sagt Mai. Viele kennen den Unterschied zwischen beiden Sportarten nicht einmal.

Im Rugby dürfe man den Ball nur nach hinten spielen und nur unter der Hüfte tackeln, erklärt Mai. «Der Sport ist viel geregelter und gar nicht so aggressiv, wie alle immer denken. Ich würde sogar behaupten, dass es eine der respektvollsten Sportarten überhaupt ist.» Es gibt keine Schläge wie im Hockey oder Schwalben wie im Fussball. «Wenn einem Spieler etwas wehtut, beisst er auf die Zähne und spielt einfach weiter.» Jeder spiele fair und halte sich an die Regeln, deshalb habe sich Mai auch noch nie verletzt. Trotzdem tönt die erste Reaktion fremder Leute auf ihr Hobby meistens ähnlich: «Oh mein Gott, was, du spielst Rugby? Ist das nicht megagefährlich?» Darauf erklärt Mai erst einmal den Sport von Beginn an.

«Die wenigen Frauen, die auf dem Platz sind, sind meistens körperlich eher kräftig»

Grundsätzlich sei es dennoch so, dass keine spargeldünnen Mädchen, wie sie Mai nennt, im Rugby anzutreffen seien. «Die wenigen Frauen, die auf dem Platz sind, sind meistens körperlich eher kräftig.» Trotzdem biete der Sport allen Persönlichkeiten etwas an. «Eine flinkere Person kann zum Beispiel ihre Schnelligkeit auf dem Flügel ausspielen, eine robustere Spielerin geht eher ins Gedränge in der Mitte, während eine strategisch denkende Person im Zentrum die Bälle verteilt», erklärt Mai.

Obwohl der Sport einen Aufschwung erlebt, ist die Nachfrage immer noch recht gering. Bei den Junioren ist ein reines Frauenteam deshalb noch nicht möglich. «Ich trainiere mit den Jungs in der U-16-Mannschaft. Einen physischen Unterschied merke ich dabei allerdings kaum.» Speziell bei den Matches könne sie sogar ihre Vorteile ausspielen: «Weil ich eine Frau bin, darf ich an Turnieren bei den U-14-Jungs mitspielen. Da habe ich eher einen Vorteil in der Mannschaft, weil ich ein Jahr älter und erfahrener bin.»

Switzerländers - Videoaufruf

Switzerländers - Videoaufruf
(Video: M. Täuber / T. El Sayed)

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Als Mai vor drei Jahren mit dem Training begann, waren erst drei Frauen in der Juniorenabteilung angemeldet. Mittlerweile hat sich die Anzahl verdreifacht: «Es ist super, dass sich immer mehr für den Sport begeistern können. Je mehr Spieler wir in der Schweiz haben, desto mehr Mannschaften können schlussendlich gegeneinander spielen.» Auch im Training könne man so richtig miteinander spielen und müsse sich nicht immer mit anderen Vereinen zusammentun.

Oft kämen Leute aus ihrem Umfeld mit Vorurteilen auf Mai zu: «Mich fragen Tussis oft, weshalb ich zum Beispiel keine langen Haare habe oder kein Ballett mache. Aber ich stehe zu dem, was ich mache, und finde es einfach cool.» Trotz Vorurteilen gebe es mehr Befürworter als Gegner ihres Hobbys. «Meistens sind das Leute, die sich hinter ihrem Geschlecht verstecken und nichts ausprobieren wollen.»

«Eine Rugby-Karriere in England ist mein Traum»

Mai appelliert an die Vielfalt von Sportarten in der Schweiz: Die Leute sollten sich mehr trauen und einfach ausprobieren. Sie fühle sich in der Schweiz ausserordentlich wohl und könne jederzeit und überall trainieren, wo sie möchte. Seit Mai in der Rugby-Nationalmannschaft ist, entdeckt sie sogar noch mehr von der Schweiz: «Wir trainieren oft in Genf. Aber auch wenn wir ins Ausland zu einem Spiel fahren, entdecke ich viel Neues. Ich lerne Plätze, Mentalitäten und Menschen kennen – mir macht das eine Riesenfreude.»

Mais grösster Traum ist es, in England Rugby zu spielen und davon leben zu können. «Das ist sehr unrealistisch, weil die Rugby-Welt dort im Vergleich zur Schweiz riesig ist. Aber träumen kann man ja», sagt sie und schmunzelt. Sobald sie die obligatorische Schule abgeschlossen hat, will sie ans Gymnasium und danach studieren gehen. «Ich kommandiere gern ein wenig herum, deshalb denke ich, Lehrerin oder Polizistin wären gute Berufe für mich.» Im Moment aber hat Mai ein anderes grosses Anliegen: «Geht unbedingt Rugby spielen. Es ist grossartig!»

Als Mai Buchs von «Switzerländers» hörte, überlegte sie nicht lange. Sie wollte ihre Sicht auf ihr Land unbedingt einbringen. Jetzt hast du «ihre Schweiz» kennen gelernt – und wie sieht deine aus? Teile dein Video auf switzerlanders.20min.ch mit uns!

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