Mainau ist keine Insel mehr
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Mainau ist keine Insel mehr

Der historische Tiefstand des Bodensees führt zu seltsamen Erscheinungen.

Am Donnerstag betrug der Wasserstand in Konstanz 2,47 Meter, 70 Zentimeter unter dem Monatsdurchschnitt, wie die Landesanstalt für Umweltschutz in Karlsruhe mitteilte.

In Romanshorn TG lag der Pegel laut der Landeshydrologie in Bern am Donnerstag bei 394,70 Metern, was der Höhe des Konstanzer Pegels entspricht. Die Unterschiede bei der Angabe erklären sich damit, dass die Schweiz und Deutschland für die Pegelmessung unterschiedliche Bezugspunkte verwenden.

Der Pegel des Bodensees lag damit einen Zentimeter unter dem niedrigsten Stand eines 8. Dezember der vergangenen 140 Jahre. Regelmässige Aufzeichnungen gibt es seit 1864.

Trockener Herbst

Der Wasserstand ist dem Kreislauf der Natur folgend von Dezember bis März stets am niedrigsten. Schon im vergangenen Sommer lag der Seespiegel etwa einen Meter niedriger als üblich. Auf ein kurzes Anschwellen des Bodensees während des August-Hochwassers in den Alpen folgte ein extrem trockener Herbst, so dass es mit dem Wasserstand weiter bergab ging.

Noch löste der Wassermangel keine Besorgnis aus. «Für die Natur ist die Lage nicht dramatisch», sagte der Konstanzer Experte Harald Jacoby gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Auch wenn viele Flachwasser-Zonen trocken lägen, fänden Vögel genug Nahrung. Zudem erhole sich das Schilf, das 1999 durch das Hochwasser stark geschädigt worden war.

Die Mainau ist keine Insel mehr

Die Ebbe führt zu seltenen Erscheinungen: Sandbänke ragen aus dem Wasser, die Ufer sind hunderte Meter breit. Die Blumeninsel Mainau wäre gegenwärtig zu Fuss erreichbar. Wegen des Schlamms lockt dies aber niemanden. Im Pfahlbau-Museum in Unteruhldingen findet das winterliche Ausbessern der Pfähle dieses Mal auf dem Trockenen statt.

Der Fährverkehr läuft weiterhin planmässig. Sollte der Wasserstand jedoch auf 2,30 Meter sinken, könnte es für die Autofähren Konstanz-Meersburg und Friedrichshafen-Romanshorn Einschränkungen geben.

Noch kein Rekord

Dann allerdings wäre auch ein absoluter Rekord beim Niedrigwasserstand des Bodensees erreicht und nicht nur ein Winterrekord wie derzeit. Der tiefste je gemessene Bodenseepegel lag 1858 bei 2,26 Meter.

Auch für einen «Jahrhundert-Jahresrekord» reicht es derzeit noch nicht. Dazu müsste der See unter 2,37 Meter sinken - diesen Tiefststand seit 1902 erreichte er am 12. März 1972.

(sda)

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