Aktualisiert 04.02.2013 17:43

Bye bye

Mal ehrlich, Lorenzo ...

Dass «Bachelor» Lorenzo und Cam kein Liebespaar sind, erstaunt keinen. Für ganz blöd muss sich das Publikum deswegen trotzdem nicht verkaufen lassen.

von
Oliver Baroni

Na soooooowas! Der Bachelor und seine Cam haben sich getrennt! «Wahre Liebe» sei es nicht gewesen. Na welch' Überraschung!

Hand aufs Herz, gab es da draussen wirklich jemanden, der an diese fiktive Liebe glaubte? In mancher Redaktionsstube wurde mit den Augen gerollt: Endlich geben sies zu. Endlich können wir dieses Thema abhaken.

Just say no

Wirklich abhaken? Nein. Es mag sein, dass der geneigte Zuschauer etliche sogenannte Reality-Shows - von «Schwiegertochter gesucht» über «GNTM» - als inszeniert wahrnimmt. Heisst das nun, dass, nur weil niemand erwartet, dass es in «Der Bachelor» mit rechten Dingen zu und her geht, wir uns - wie der Dichter schreibt - verarschen lassen müssen?

«Der Bachelor» in seiner Schweizer Ausführung (nicht, dass die deutsche Version einen Deut besser wäre) ist bekanntlich nicht über alle Zweifel erhaben. Mal ehrlich: Alleine schon das Konzept ist etwas vom Frauenfeindlichsten, was zur Zeit am TV läuft, das Product Placement ist plump, die Dialoge dämlich und das fortwährende Anbiedern unausstehlich. Dazu kommt, dass dem Zuschauer da was vorgegaukelt wurde und wird, das hinten und vorne nicht stimmt.

«Lorrrenzo ist ein echter Traummann», beackerte uns jene seltsam bevormundende Off-Stimme während den acht Folgen der Serie. «Einer der begehrtesten Junggesellen der Schweiz!»; oder «Als Media Sales Manager weiss er, wie wichtig der richtige Auftritt ist.» Wäre die Show etwas ehrlicher, würde es lauten: «Lorrrenzo ist einer dieser Mister-Schweiz-Kandidaten, die partout zur Cervelat-Prominenz gehören wollen.» Oder vielleicht: «Ein hübscher Bub ist er ja, doch erwartet keinen allzu dicken Fisch, Mädels, er ist Key Account Manager in einer Werbebude und wohnt in einer Dreier-WG bei seinem Papa.» Authentischer wäre das - auch ein wenig charmanter.

Fragiles Blendwerk

Nach Abschluss der ersten Staffel ging der Budenzauber weiter. Cam und Lorenzo posierten für die Kameras, taten ein bisschen verliebt und logen ihren Interview-Partnern ins Gesicht. Dass ein solches Blendwerk aber ein fragiles Gebilde ist, war der Promoabteilung durchaus bewusst. Gegenüber 20 Minuten hatte Lorenzo zum Serienauftakt die Situation, mit 20 Frauen in die Ferien zu fahren, als «effiziente Möglichkeit» bezeichnet. Upps ... ein ungelegenes Quantum Ehrlichkeit? Fortan sah sich das Team um den ersten Schweizer Bachelor zu harten Bandagen genötigt: Machten allzu private Lorenzo-Gerüchte die Runde, wurde mit Anwälten und Klagen gedroht. Recherchebemühungen nach der Echtheit der TV-Liebe wurden im Keim erstickt.

«Der Bachelor» in «Der Blender» umzutaufen würde ein klein wenig übers Ziel hinaus schiessen. Für den Schreiber bleibt die ganze Sause immer noch zum Rosenkotzen.

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