Kein Käse: Malariamücken fliegen auf stinkende Füsse
Aktualisiert

Kein KäseMalariamücken fliegen auf stinkende Füsse

Starker Fussgeruch kann dabei helfen, neue Mückenfallen zur Malariabekämpfung zu bauen. Denn, so haben Forsher herausgefunden, die Mücken, die das Sumpffiebers übertragen, stehen auf Käsefüsse.

von
Maria Cheng
AP
Alles für die weiterführende Erkenntnis: Die Forscher trugen Nylonstrümpfe bei hohen Temperaturen, um zu sehen, dass die Malariamücke darauf fliegt.(Symbolbild).

Alles für die weiterführende Erkenntnis: Die Forscher trugen Nylonstrümpfe bei hohen Temperaturen, um zu sehen, dass die Malariamücke darauf fliegt.(Symbolbild).

Laut einer Studie kann starker Fussgeruch dabei helfen, neue Mückenfallen zur Malariabekämpfung zu bauen. Insektenfachleute fanden heraus, dass diejenigen Mücken, die das Sumpffieber übertragen, sich stärker vom Fussgeruch anziehen lassen als unbelastete Artgenossen.

Wenn ein männlicher Biologe 20 Stunden lang eine Feinstrumpfhose trägt, um die Nylons mit dem Geruch seiner Füsse zu kontaminieren, dann hat das nichts mit Fetischismus zu tun - es geht um die Bekämpfung der Malaria. In einem Fachmagazin beschreibt eine Gruppe von Insektenforschern, dass Malaria übertragende Mücken sich von Käsefüssen offenbar mehr angezogen fühlen als ihre Artgenossen, die das Tropenfieber nicht weitergeben.

«Stinke-Fallen» ziehen diese Mücken an

«Endlich kriegen Stinkefüsse einen Sinn», freut sich James Logan, Leiter der Untersuchung von der Londoner Akademie für Hygiene und Tropenmedizin. «Jeder Schritt, den wir unternehmen, um das Verhalten der Malariamücken uns gegenüber besser zu verstehen, hilft uns, die Krankheit zu kontrollieren», sagt der Wissenschaftler. Im vergangenen Monat veröffentlichte er mit sechs Co-Autoren seine Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift «PLOS ONE» und kam zu dem Schluss, dass es künftig möglich sei, Fallen zu bauen, die Malariamücken anziehen und Nichtinfizierte verschonen.

Malaria tötet noch immer rund 600'000 Menschen jedes Jahr, die meisten davon sind Kinder in Afrika. Das Sumpffieber wird von Mücken übertragen, rund ein Prozent aller blutsaugenden Weibchen weltweit trägt und verbreitet den Erreger. Fachleute wissen schon lange, dass die lästigen Insekten von ihrem Geruchssinn zum Ziel geführt werden. Dass die Träger des Malariaerregers dabei jedoch deutlich aggressiver zu Werke gehen, ist indes neu.

Nylons bei 26 Grad getragen

Die Versuchsanordnung der sieben Forscher war simpel: Ein männliches Mitglied der Crew, dass laut Bericht «erwiesenermassen» einen starken Körpergeruch entwickelt, trug 20 Stunden lang eine handelsübliche Nylonstrumpfhose einer niederländischen Kaufhauskette, im Bericht wird sie mit 20 Denier Maschendichte präzise beschrieben.

Dann wurde in einem nur schwach beleuchteten Raum ein für afrikanische Mücken angenehmes Klima geschaffen - 26 Grad bei 80 Prozent relativer Luftfeuchte - und ein mit Fussgeruch kontaminiertes Stück Nylon neben ein neutrales gelegt. Die Mücken wurden in den Raum gelassen und drei Minuten lang wurde beobachtet, wie sie sich verhalten. Die Malaria übertragenden Mücken stürzten sich zielbewusst auf die stinkende Probe, während sich die anderen eher unklar verhielten.

Wenn es möglich würde, Malariamücken von den Artgenossen zu trennen, die das Sumpffieber nicht übertragen, könnte man bessere Pestizide herstellen. Mücken entwickeln nämlich erstaunlich schnell Resistenzen gegen Insektengift, das immer noch die wichtigste Waffe des Menschen gegen Malaria ist. Andrew Read, Insektenfachmann von der Universität in Pennsylvania, hofft sogar darauf, dass die neuen Erkenntnisse übertragbar sein könnten auf andere von Kerbtieren übertragene Krankheiten wie Dengue-Fieber oder die Japanische Hirnhautkrankheit.

Ausgeprägter Geruchssinn

Studienautor Logan sagt, die nächste Hürde sei nun, den chemischen Code des Schweissfussgeruchs zu entschlüsseln, um ihn synthetisch herstellen zu können. Allerdings sei das nicht ganz ohne, denn der Geruchssinn von Moskitos ist unserem weit überlegen. Menschen assoziieren mit Fussgeruch oft den Odor stark riechender Käsesorten, Mücken dagegen lassen die reifen Milchprodukte völlig kalt. «Moskitos erkennen den Unterschied», sagt Logan. «Wenn wir die genaue chemische Zusammensetzung des Geruchs nicht erkennen, wird ihn die Mücke nicht für menschlich halten», ergänzt er.

Forscher halten es für dringend notwendig, das Verhalten der Malariamücken besser zu verstehen. So ist bisher nicht bekannt, warum sich die Mücken etwa zwei Wochen lang nicht für menschliches Blut interessieren. Das ist genau die Zeit, die der Malariaerreger in der Mücke braucht, um für den Menschen gefährlich zu werden. «Derzeit haben wir nur leise Ahnungen davon, wie der Erreger die Mücke beeinflusst», sagt der Londoner Infektionsspezialist George Christophides. «Nur wenn wir diese Informationen bekommen, können wir die Malaria kontrollieren.»

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