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Maler und Gipser wollen streiken

Die Maler und Gipser sind entschlossen, am kommenden Montag mit dem ersten Branchenstreik seit Jahrzehnten für das Rentenalter 62 zu kämpfen.

Die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und der GBI sind einmal mehr gescheitert. Der Branche droht nun der vertragslose Zustand.

Der Präsident der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), Vasco Pedrina, bekräftigte am Donnerstag in Zürich, am kommenden Montag in der Deutschschweiz und im Tessin den ersten Streik der Maler- und Gipserbranche seit Jahrzehnten durchzuführen. Trotz Repressionen der Arbeitgeber und Kündigungsdrohungen werde mit bis zu 1.500 Malern und Gipsern gerechnet. Geplant sind verschiedene regionale Aktionen sowie eine grosse Abschlussversammlung am Montagnachmittag in der Region Mittelland. «Die Leute sind bereit, auf den Putz zu hauen», sagte GBI-Zentralsekretär Hansueli Scheidegger.

Grund für die Entschlossenheit ist das erneute Scheitern einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen GBI und dem Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) am (gestrigen) Mittwoch über das so genannte FAR-Modell, das die flexible Einführung des Rentenalters 62 vorsieht.

Das seit gut einem halben Jahr dauernde Zerren nimmt gemäss Pedrina absurde Formen an: Jetzt ist es der SMGV, welcher der GBI vorwirft, die Einführung des flexiblen Altersrücktritts (FAR) zu blockieren. Gemäss einer SMGV-Mitteilung kam man mit einem neuen Vorschlag für einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit flexiblem Altersrücktritt an den Verhandlungstisch. Dieser sah ab 2005 die Finanzierung durch zwei Lohnprozente vor, je eines von Arbeitgebern und -nehmern. Mitte 2005 und Anfang 2006 gingen die 64- und 63-Jährigen in Rente. Ab 2008 sei der SMGV bereit, die 62-Jährigen in den Ruhestand zu entlassen, «sofern die Kostendecke eingehalten wird», heisst es.

Diese reiche bei diesem Finanzierungsmodell niemals, sagte Pedrina. Der SMGV-Vorschlag sieht eine Rentenhöhe von 80 Prozent vor, während die GBI nur 75 Prozent für finanzierbar hält. Dies wisse auch der SMGV, wolle aber mit der überrissenen Offerte sich die Hintertüre aufhalten, die Frühpensionierung für 62-Jährige zu verhindern. «Wir wollen das Rentenalter 62 für die ganze Schweiz», sagte Pedrina mit Verweis auf die Romandie, wo das Modell eingeführt wurde. Weiterer Streitpunkt ist die geforderte Lohnerhöhung, die laut GBI mit 0,2 Prozent zu mickrig ist.

In den Streit hat sich auch der Bund eingeschaltet. Der SMGV will nämlich mit der Gewerkschaft syna ohne die Zustimmung der GBI einen entsprechenden GAV mit FAR abschliessen. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) wäre eine Allgemeinverbindlichkeitserklärung (AVE) des GAV ohne die GBI ungültig, da das nötige Arbeitnehmerquorum nicht erreicht würde. (dapd)

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