Strafgericht BL – Malinois beisst Yorkshire Terrier – «Klagen Sie meine Frau an, ist ihr Hund»
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Strafgericht BLMalinois beisst Yorkshire Terrier – «Klagen Sie meine Frau an, ist ihr Hund»

Am Montag musste sich das Baselbieter Strafgericht mit einem Streit zwischen Hündelern befassen. Sie waren in Lupsingen BL mehrfach aneinandergeraten und ein Tier wurde dabei verletzt. Die Strafen für die ungleichen Beschuldigten fielen ähnlich aus.

von
Steve Last
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Hier in Lupsingen BL kam es zu einer Konfrontation zwischen zwei Hundeführern. Die abgebildeten Personen sind nur zufällig auf dem Bild – die Feldwege der Gemeinde sind bei Hündelern beliebt.

Hier in Lupsingen BL kam es zu einer Konfrontation zwischen zwei Hundeführern. Die abgebildeten Personen sind nur zufällig auf dem Bild – die Feldwege der Gemeinde sind bei Hündelern beliebt.

Google Street View
Die beiden Hunde waren bereits auf diesem Weg in Lupsingen BL aneinandergeraten. Dabei hatte der Malinois den Yorkshire Terrier gebissen.

Die beiden Hunde waren bereits auf diesem Weg in Lupsingen BL aneinandergeraten. Dabei hatte der Malinois den Yorkshire Terrier gebissen.

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Ein Malinois, hier ein Symbolbild, ist einem Yorkshire Terrier in Gewicht und Grösse überlegen. Das fragliche Tier aber unproblematisch, so ein Gutachten.

Ein Malinois, hier ein Symbolbild, ist einem Yorkshire Terrier in Gewicht und Grösse überlegen. Das fragliche Tier aber unproblematisch, so ein Gutachten.

Wikimedia/caronna

Darum gehts

  • Im November 2018 biss ein Malinois einen Yorkshire Terrier in Lupsingen BL.

  • Im März darauf kam es zu einer handfesten Konfrontation zwischen den Besitzern der Tiere.

  • Beide standen am Montag wegen der Vorfälle vor dem Baselbieter Strafgericht.

Wie ungleich die beteiligten Hunde, so ungleich deren Besitzer. Im März 2019 kam es zwischen zwei heute 74- und 39-jährigen Männern in Lupsingen BL zu einem handfesten Streit. Grund war, dass der Jüngere seinen 25 Kilo schweren Malinois von der Leine gelassen hatte, als der ein Fünftel so schwere Yorkshire Terrier und ein weiterer Hund des älteren Hündelers auf ihn zurannten. «Damit sich mein Hund verteidigen kann», beteuerte der 39-Jährige am Montag vor Gericht. «Er hetzte seinen abgerichteten Kampfhund auf sie», klagte der 74-Jährige. «Er wollte zeigen, dass, wenn andere ihre Hunde nicht anleinen, er das auch nicht tun werde», schloss der Richter.

Der Rentner, der wegen einer Behinderung in der Bewegung eingeschränkt ist, versuchte, die Tiere zu trennen, stürzte dabei aber. Der Besitzer des Malinois ging dazwischen und wurde dafür mit Tritten und Schlägen traktiert. Dabei erlitt der Ältere einen Bruch am Finger, der aber nicht zweifelsfrei auf seinen Gegner zurückgeführt werden konnte. «Der Tritt gegen den Hund wäre als Nothilfe entschuldbar gewesen, wie die Tätlichkeiten gegen den Besitzer hätten helfen sollen, erschliesst sich dem Gericht nicht», sagte der Gerichtspräsident bei der Begründung des Urteils.

Dieses fiel mit zwei Bussen milder aus, als die von der Staatsanwaltschaft geforderten bedingten Geldstrafen. Der 74-Jährige muss 300 Franken für Tätlichkeiten bezahlen, die Beschimpfungen liess ihm das Gericht wegen des provokanten Auftretens seines Kontrahenten durchgehen. Der 39-Jährige muss 400 Franken für eine Übertretung des Hundegesetzes berappen. Das Loslassen der Leine sei «unverantwortlich» gewesen und aufgrund eines früheren Vorfalls habe er wissen müssen, dass der Malinois für den Terrier eine Gefahr ist, so der Richter.

Bereits zuvor aneinandergeraten

Im November 2018 hatte der Malinois den Terrier gebissen und verletzt, als die Frau des 74-Jährigen mit dem kleinen Hund spazieren war. Der 39-Jährige führte damals zusammen mit seiner Frau den belgischen Schäfer aus, als sie aufeinanderstiessen. Auch hier sah die Staatsanwaltschaft eine Übertretung des Hundegesetzes, die ist inzwischen aber verjährt. Ebenfalls angeklagt war in diesem Zusammenhang eine Sachbeschädigung: die Verletzungen des Terriers. Der Biss, den der 39-Jährige am Montag bestritt, führte das Gericht auf seinen Malinois zurück. Zu einer Strafe kam es aber nicht, weil der Beschuldigte da noch nicht habe wissen können, dass der Malinois zubeissen würde. Das Tier sei gemäss Wesensprüfung unproblematisch. Und selbst wenn er fahrlässig gehandelt hat: Fahrlässige Sachbeschädigung ist keine Strafsache. Darum wurden diverse Geldforderungen ans Zivilgericht überwiesen.

Ein Schuldbewusstsein konnte man den beiden Beschuldigten am Montag nicht anrechnen. «Wenn Sie jemanden anklagen wollen, dann meine Frau. Es ist ihr Hund», sagte der 39-Jährige während der Befragung. Der Richter wies ihn darauf hin, dass er ungeachtet der Eigentumsverhältnisse als Hundeführer in der Verantwortung stehe. Der 74-Jährige beharrte indes darauf, dass sein Gegner ihm den Finger umgebogen und damit gebrochen hatte. Und er fiel dessen Anwalt beim Plädoyer ins Wort, wonach der Richter ihn zurechtwies.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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