06.11.2020 18:04

3 mit Sex«Mama, ich bin schwul»

Wie Lars vom Youngster mit Sprachfehler zur schlagfertigen Gay-Sexbomb wurde.

von
Lars
Zora Schaad
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Lars spricht über seine Sexualität und sein Outing. Er ist sicher: «Ich wurde nicht schwul gemacht, ich war schon immer so.»

Lars spricht über seine Sexualität und sein Outing. Er ist sicher: «Ich wurde nicht schwul gemacht, ich war schon immer so.»

Illu: Anna Déer
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér
Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Déer

Darum gehts

  • Lars erzählt über seine Sexualität.

  • Sein erstes «schwules» Erlebnis hatte er bereits in der Primarstufe: «Doktorspiele mit Klassenkammeraden», so Lars.

  • Kurzzeitig hatte Lars sogar Schuldgefühle wegen seiner Neigung. Mittlerweile ist er aber selbstsicher und akzeptiert sich so, wie er eben ist.

Nein, ich wurde nicht schwul «gemacht». Ich war es immer schon. Zumindest seitdem Sexualität in meinem Leben eine Rolle spielt. Das Coming-out bei Freunden und Familie war nur einer von zig Meilensteinen in meiner Evolution vom schüchternen Kind zum (meist) stolzen, schwulen Mann, der ich heute bin. Wahrscheinlich ist die Entdeckung meiner Sexualität gar nicht so anders verlaufen wie die eines heterosexuellen Menschen. Doch meine Abneigung gegen klassische Bubenkleidung, meine Liebe zu meiner Barbie-Puppe und eingerostete Geschlechtervorstellungen haben dann doch dazu geführt, dass ich mich mehr behaupten musste als andere.

Ich habe es schon als Kind gespürt. Wenn mich die Kolleginnen meiner Mutter freundlich auf meine pinken Lieblings-Leggins angesprochen und kopftätschelnd gemeint haben: «Larsilein, du kommst schon noch in das Alter, wo du lieber Jeans trägst.» Das hat mich mega verunsichert. Schliesslich wurden andere Buben nicht auf ihre Hosen angesprochen. Oder als meine Mutter (gelernte Schneiderin) mir ein Catwoman-Kostüm nähen musste, nachdem ich den Batman-Film gesehen hatte – und sich dabei offensichtlich überhaupt keine Mühe gab.

«Oliver und ich haben uns nackt ausgezogen und stimuliert»

Mein erstes «schwules» Erlebnis hatte ich in der Primarschule. Doktorspiele. Ich habe damals mit allen Doktor gespielt. Mit der Nachbarstochter, der Schulfreundin, meinen Plüschtieren und mit Oliver, der mit mir in die Schule ging. Er war viel mehr als die anderen «ein Junge» wie ich, mit meinem Sprachfehler, meiner Schüchternheit und meinen verwaschenen Leggins. Nach dem Unterricht war Oliver oft bei mir. In meinem Zimmer haben wir uns nackt ausgezogen, einander berührt und gegenseitig stimuliert. Das klingt jetzt echt krass, wenn ich das so schreibe. Aber es war so. Wir haben das etwa ein Jahr lang gemacht. Bis ich von Olivers spriessendem Schamhaarflaum zu eingeschüchtert war, um mich weiterhin nackt vor ihm auszuziehen.

Später in der Oberstufe habe ich die Pornosammlung meines Vaters entdeckt. DVDs, versteckt unter einer Sitzbank in einer Plastiktüte. Ich habe die Pornos zuerst allein geschaut, später mit Klassenkameraden. Wir waren eine Jungs-Clique und es gehörte dazu, dass wir gemeinsam Pornos anguckten und dazu masturbierten. Dennoch habe ich mich in diesen Momenten nie zu meinen Kollegen hingezogen gefühlt, dafür aber ein Auge auf die Darsteller in den Pornos geworfen. Später habe ich im Internet gezielt nach Schwulenpornos gesucht: Cowboys, die ihre Stiefel ausziehen und sich unter der Dusche befummelten. Ich war fasziniert von den erwachsenen, nackten Männern.

«Wegen den Pornos hatte ich Schuldgefühle»

Zu dem Zeitpunkt fingen auch meine Schuldgefühle an. Ich dachte, wenn ich keine Schwulenpornos schauen würde, wäre ich auch nicht schwul. Ich habe versucht, meine sexuellen Bedürfnisse zu ignorieren und zu unterdrücken. Bis ich es nicht mehr aushielt. Ich fand eine Online-Plattform für homosexuelle Teenager, wo ich mich mit anderen austauschen konnte. Das hat echt geholfen. Über die Plattform kam ich zu ersten Dates, schliesslich erlebte ich mein erstes Mal, dann mein Coming-out. Total banal: «Mama, ich muff dir etwaf fagen … Ich bin swul.» Ihre Reaktion war liebevoll. Auch sonst hat mein näheres Umfeld durchwegs positiv auf mein Outing reagiert.

Mein Coming-out liegt eine Weile zurück. Klar gab es Momente, in denen ich Schwulenfeindlichkeit erlebt oder ich mich wegen meiner Homosexualität unwohl gefühlt habe. Aber dank meinem positiven Umfeld hat das nie wirklich an meinem Selbstwertgefühl gekratzt. Vielleicht war auch das ein Grund, weshalb sich mein Sprachfehler nach dem Outing endlich besserte. Deshalb: Danke an meine Familie, an meine Freunde, Bruce, Ella. Dank euch kann ich der selbstbewusste, sexy Lars sein, der ich heute bin. Ihr feid fuper!

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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