Wie auf einer Ü30-Party: Mami und Papi dominieren Facebook
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Wie auf einer Ü30-PartyMami und Papi dominieren Facebook

Dem einst hippsten Social Network laufen die jungen User davon. Mehr als die Hälfte der Nutzer ist über 30, neue sind meist über 50. Für Zuckerbergs Geldmaschine ist das perfekt.

von
Oliver Wietlisbach

Das ist hart, aber einmal musste der Tag ja kommen: Facebook, einst das Revier hipper Studis, ist nun fest in der Hand von Mami und Papi - selbst Oma und Opa haben kürzlich begonnen, ihre neuen Fotos vom Wanderausflug zu liken, taggen und kommentieren.

Die neusten Facebook-Nutzerzahlen des «Bernetblog» sprechen eine klare Sprache: Die Hälfte der Schweizer Facebooker gehört der Ü-30-Fraktion an, sind also alte Säcke, die höchstens noch als cool durchgehen, wenn sie DJs oder Indie-Rocker sind.

Am Drücker sind im Volksbuch nun die Best-Ager, die über 50-Jährigen. In dieser Altergruppe legte Mark Zuckerbergs Netzwerk seit Anfang Jahr um 13 Prozent zu. Out ist Facebook hingegen am anderen Ende der Alters-Skala: Bei den Teens und Twens ist das Potenzial offenbar abgegrast, die Nutzerzahlen stagnieren. Bei den unter 15-Jährigen verliert Facebook gar massiv: Minus neun Prozent lautet die Bilanz seit Anfang Jahr. Logisch, wer will schon im gleichen sozialen Netzwerk abhängen wie Mami und Papi?

Seit 2004 von 0 auf 830 Millionen

Nicht nur Kirchgänger und Zeitungsleser altern, auch an sozialen Netzwerken nagt der Zahn der Zeit. Mit Facebooks Wandlung vom Studenten-Netzwerk anno 2004 zum Massenphänomen sind auch seine Mitglieder in den letzten acht Jahren älter geworden. Anfang 2012 nun ist erstmals die Hälfte der Schweizer Facebooker über 30.

Ist Facebook uncool? Schon möglich, aber eigentlich vollkommen irrelevant. Die Hipster sind längst weitergezogen: zu Twitter, später zu Google+ und seit Kurzem machen sie Pinterest unsicher. Facebook wächst auch ohne die treulosen Social-Media-Nomaden weiter. 2,81 Millionen Nutzer waren hierzulande im März aktiv, das sind 3,2 Prozent mehr als Ende Dezember 2011.

Die Geldmaschine brummt

Facebook hat einstige Grössen wie MySpace und StudiVZ längst «aufgefressen», in den Nischen überleben die unzähligen Special-Interest-Networks munter weiter: Last.fm ist seit Jahren das Zuhause für Musikfreaks, auf Xing und LinkedIn tummeln sich vorab Marketing-Fuzzis und für Landeier gibts Swissfarm.

Die Masse aber bleibt Mark Zuckerberg treu. Das schwindende Interesse der Jugendlichen wird dem Internet-Milliardär kaum Sorgenfalten in die Stirn zeichnen, im Gegenteil: Facebook ist dank seiner 830 Millionen Nutzer eine Geldmaschine, die noch geschmierter läuft, je älter seine Nutzer sind. Die Werbekunden lieben das zahlungskräftige Publikum, also die gutverdienenden Ü-30-Säcke.

Die Facebook-Nutzerzahlen für die Schweiz sind keine offiziellen Daten von Facebook. Die Zahlen werden vom «Bernetblog» zusammen mit Serranetga viermal jährlich erhoben.

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