Robbie Maddison: «Man darf keine Angst vor dem Leben zeigen»
Aktualisiert

Robbie Maddison«Man darf keine Angst vor dem Leben zeigen»

Robbie Maddison ist schon mit seinem Motorrad über den Kanal von Korinth geflogen. Im Interview sagt der Extrem-Fahrer, wieso.

von
Adrian Hunziker

Robbie Maddison springt über den Kanal von Korinth. <i>(Quelle: YouTube/<a href="https://www.youtube.com/watch?v=NotrjliteBk" target="_blank">ethirdlevel</a>)</i>

Robbie Maddison, Ihr Spitzname ist Maddo (für «mad»: verrückt). Heisst das, Sie sind verrückt?

Ja, das tut es. Es kommt eigentlich von meinem Nachnamen. Aber mit Robbie Maddison zu unterschreiben, war mir zu mühsam, also wechselte ich auf Maddo, das ist kürzer. So blieb es bei diesem Namen.

Inwiefern sind Sie denn verrückt?

In jedem Sinn des Wortes. Ich habe verrückte Ideen, das hat aber etwas Gutes. Denn ich habe es mit meinen Visionen weit gebracht. Meine Träume wurden Realität und heute ist das mein Job.

Was bedeutet «extrem» für Sie?

Extrem heisst viel Arbeit und Engagement. Denn um extrem zu sein, musst du der Beste sein. Ohne Training und harte Arbeit kannst du nicht extrem sein.

Ihr Motto ist «face your fears – live your dreams» (stelle dich deinen Ängsten – lebe deine Träume, die Redaktion). Warum?

Als ich klein war, kaufte mir meine Schwester ein Poster, auf dem dieser Satz stand. Auf dieses Poster war ich stolz und schaute es mir immer wieder an. Zu Beginn ergab es noch nicht viel Sinn, das kam erst mit der Zeit. Denn ich stellte mich meinen Ängsten, indem ich aufgab, was ich hatte. Ich hatte einen Job, ein Haus und eine Hypothek, aber ich riskierte all das und entschied mich für meinen Traum, professionell Motorrad zu fahren. Es war auch die Angst da, was die Eltern, der Arbeitgeber und die Gesellschaft von einem halten. Letztlich war das aber kein Hindernis. Ich glaubte immer an mich selber, auch wenn Leute mir sagten, ich sei verrückt und würde mich noch damit umbringen.

Und nun leben Sie Ihren Traum?

Genau, das tue ich. Jeden separat für sich. Jeder Sprung ist gefährlich, es gibt immer Gefahrenelemente. Ich mag aber die Arbeit, sich durch jedes Projekt zu ackern. Ich identifiziere alle Risiken, denn dann werden gefährliche Stunts sicher.

Sie haben also Angstgefühle?

Angst verspüre ich schon, es ist eine mentale Phase. Ein Mangel an Verständnis macht dich ängstlich. Mit guter Vorbereitung und genügend Selbstvertrauen kann man Ängste aber verschwinden lassen. Zu Beginn vieler Stunts spüre ich Angst, wenn ich den Sprung aber mache, bin ich aufgeregt, das Risiko einzugehen und der Angst entgegenzutreten. Ich weiss, dass das verrückt ist, aber der beste Teil des Stunts ist es, die Angst abzuschalten und an das Ergebnis zu glauben. Man darf keine Angst vor dem Leben zeigen.

Wie kommen Ihnen die Ideen für Stunts?

Ich würde gerne sagen, ich sei ein Genie (lacht). Nein, es ist ein Arbeitsprozess. Die Idee vom Sprung von der Skischanze in Salt Lake City hatte beispielsweise ein Freund von mir. Als ich das hörte, sagte ich sofort: «Wow, das würde ich auch gerne machen.» Sechs Jahre nach der Idee hatte er noch keinen Versuch unternommen und war zurückgetreten. Also fragte ich ihn, ob es okay sei, wenn ich es versuchen würde. Er war natürlich einverstanden. Als wir die Erlaubnis bekamen, da runterzuspringen, überlegten wir, was wir da noch tun könnten? Also fuhr ich in derselben Woche auch die Bobbahn hinunter.

Was geht in Ihrem Kopf vor, wenn Sie einen Sprung wagen?

Wenn man jeden Stunt perfekt und erfolgreich abschliessen will, muss man aufmerksam sein. Ich nehme bewusst alles wahr, wie mir beispielsweise der Wind ins Gesicht weht oder wie das Motorrad fliegt. Meine Reflexe müssen messerscharf sein, ich muss sofort reagieren können. Bevor ich losfahre, gehen mir tausend Dinge durch den Kopf. Die schalte ich ab, sobald ich losfahre, ich bin dann in meinem «Zen-Modus». Dann bin ich zu 100 Prozent ruhig. Ich weiss zwar, dass ich etwas Verrücktes tue, aber ich sage mir dann: «Los gehts!»

Welcher Stunt ist der beste, den Sie je machten?

Der schönste Stunt war wohl der von der Skischanze. Es ging dabei nicht um eine «Leben-oder-Tod-Situation». Es war ein super Sprung den Hang hinunter. Aber als ich über den Kanal von Korinth sprang, das war das ultimative Angst-Gefühl. Ich flog über 100 Meter hinweg, es ging unter mir 100 Meter in die Tiefe, der Anlauf war kurz, die Landefläche ebenfalls. Die ganze Situation schrie nach Tod (lacht). Aber ich zog es durch.

«On Any Sunday: The Next Chapter» zeigen Maddison und andere furchtlose Fahrer, dass sie sich auf ihren Motorrädern in jedes Terrain wagen. Der Film ist aktuell im Verkehrshaus Luzern zu sehen und ab dem 26. Mai auf DVD erhältlich. (hua)

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