Betroffener erzählt: «‹Positiver Rassismus› drängt die Leute in gewisse Muster»
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Betroffener erzählt«‹Positiver Rassismus› drängt die Leute in gewisse Muster»

Mit ihren Aussagen zur US-Vizepräsidentin steht SP-Nationalrätin Yvonne Feri stark in der Kritik. Der Comedian Eddie Ramirez erzählt, was er vom Vorwurf an Feri hält.

Video: Leo Hurni / Jan Derrer

Darum gehts

  • SP-Nationalrätin Yvonne Feri wurde nach einer Aussage in der SRF-«Arena» Rassismus vorgeworfen.

  • Feri sagte in der Sendung, US-Vize Kamala Harris könne «sowieso tanzen», weil sie als «dunkelhäutige Person den Rhythmus» habe.

  • Comedian Eddie Ramirez erzählt in seinen Shows viel über den Alltagsrassimus, den er erlebt.

  • Die Statements von Feri findet er «absolut unangebracht».

In der jüngsten Ausgabe der SRF-«Arena» tappte SP-Nationalrätin Yvonne Feri in die Rassismus-Falle – so sehen es zumindest ihre Kritiker. Das, nachdem sie in der SRF-«Arena» sagte, dass US-Vizepräsidentin Kamala Harris «sowieso tanzen» könne, weil sie als «dunkelhäutige Person den Rhythmus» habe. Dabei handle es sich wohl um eine Stereotypisierung und wohl «positiven Rassismus», sagt Nora Refaeil, Basler Anwältin und Vizepräsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, zu Feris Aussagen.

Diese Fälle sollten nicht ignoriert werden

«Die Kritik an Feri ist berechtigt, denn solche Aussagen sind absolut unangebracht», findet Comedian Eddie Ramirez (31). Auf der Bühne erzählt Comedian Eddie Ramirez, dessen Vater aus der Dominikanischen Republik stammt, selber von seinen alltäglichen Alltagsrassismus und seinen Erlebnissen als Rollstuhlfahrer. Wichtig ist für Ramirez deshalb, dass Aussagen wie jene von Feri nicht ignoriert werden.

«Man darf ‹positiven› Rassismus› nicht unterschätzen, weil es drängt die Leute in gewisse Muster.» Beispiele davon kennt Ramirez genug. «Wenn man sagt, dass asiatische Menschen gut in Mathematik oder Informatik sind oder dass Schwarze sportlich sind und schnell rennen können, ist das genauso ‹positiver Rassismus›.» Von diesen Menschen werde dann erwartet, dass sie den Erwartungen entsprechen, was unangenehm und lästig sei.

«Positiven Rassismus» hat Ramirez selber auch schon erlebt. «Ich bin aus der Dominikanischen Republik und habe schon oft gehört, dass ich doch sicher ein guter Tänzer sei. Als Rollstuhlgänger antworte ich meistens mit Humor darauf, etwa dass meine Füsse sehr begabt seien.» Man könne solche Aussagen ignorieren oder auch mit darauf hinweisen, dass diese verletzend sein könnten. Ob man dabei auf Humor als Hilfsmittel zurückgreifen wolle, sei der betroffenen Person selber überlassen.

Richtige Reaktion sei entscheidend

«Den Leuten muss bewusst werden, dass auch ein vermeintlich gutes Kompliment verletzend sein kann.» Die richtige Reaktion sei dann, sich zu entschuldigen und zu versuchen, das in Zukunft nicht mehr zu machen. Solche Ereignisse seien immer auch eine Chance, sich selber zu verbessern.

Mit seinen Shows will Ramirez zeigen, dass er nicht der einzige ist, der Rassismus im Alltag erlebt. «Mit Humor und Kunst kann man das auf einzigartige Weise verarbeiten und auch mit anderen teilen.»

Bist du oder jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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