Man fährt deutsch
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Man fährt deutsch

Die Luft wird dünn für fremdsprachige Fahrschüler: Die Termine für eine Theorieprüfung in ihrer Muttersprache lassen sich noch an einer Hand abzählen. Denn ab 1. Januar 2008 werden die Prüfungen nur noch in einer Landessprache abgenommen.

«Alles ausgebucht», «nichts mehr frei», «keine Termine mehr offen» - der Tenor ist in fast allen Strassenverkehrsämtern derselbe. Wer die Theorieprüfung für den Führerausweis in den Sprachen Spanisch, Türkisch, Serbokroatisch, Albanisch oder Portugiesisch absolvieren will, hat in den Kantonen Zürich, Luzern, Aargau, Basel-Stadt und Basel-Landschaft längst keine Chance mehr. Bis Ende Jahr sind alle Termine ausgebucht. Im Kanton Bern hat man schon seit Anfang Jahr auf die Theorieprüfungen in diesen Sprachen verzichtet. Dort schickt man die Prüflinge in den Nachbarkanton Freiburg.

Nur noch vier Termine frei

«Unsere Büros sind rammelvoll», heisst es im Strassenverkehrsamt Freiburg auf Anfrage von 20minuten.ch. Trotzdem gibt es dort noch die Möglichkeit, eine Prüfung zu absolvieren (siehe Kasten). Auch im Kanton Thurgau hat es am kommenden Freitag noch vier Termine frei. «Wenn allerdings jemand aus einem anderen Kanton bei uns die Theorieprüfung in einer Fremdsprache absolvieren will, dann braucht es dazu eine Bewilligung des Heimatkantons», heisst es dort, «ob man die in so kurzer Zeit noch erhält, wage ich zu bezweifeln.»

Für alle, die sich bis Ende Jahr keinen Prüfungstermin mehr sichern konnten, heisst es künftig nicht nur Fahrprüfungstheorie büffeln, sondern auch Deutsch, Italienisch oder Französisch. Ab 1. Januar 2008 darf die Theorieprüfung nämlich nur noch in den drei Landessprachen absolviert werden.

«Die Hürde liegt beim Sprachverständnis»

Fahrlehrer und Fahrschulen, die bisher auch in einer Fremdsprache unterrichtet haben, wissen um die Probleme, die daraus entstehen werden. «Selbstverständlich können sich die Fahrschüler Grundkenntnisse in Deutsch, Italienisch oder Französisch aneignen, das Sprachverständnis stellt aber eine weitere Hürde dar», sagt Richi Blumer, der in Basel eine Fahrschule für Fremd- und Deutschsprachige betreibt. «Ich glaube nicht, dass die Leute die teils komplexen Fragen der Theorieprüfung wirklich begreifen werden, wenn sie sie nicht mehr in ihrer Muttersprache lernen können.» Blumer glaubt daher, dass in Zukunft wieder vermehrt Einzel- oder Gruppenkurse in der Fahrtheorie nötig sein werden, damit die Fahrschüler ihr Gespür für die Feinheiten in den Gesetzestexten schärfen können.

Theoriekurse in Fremdsprachen

Ganz ähnlich sieht es Spiro Agoras, Inhaber der Zürcher Fahrschule AGORAS. «Wir werden ab nächstem Jahr wieder Kurse anbieten, in denen wir die Prüflinge auf die Theorie vorbereiten werden», sagt Agoras auf Anfrage von 20minuten.ch. «Wir werden versuchen, diese Kurse in verschiedenen Fremdsprachen anzubieten – vor allem in Spanisch und Englisch. Es wird sicher schwierig werden, die nötige Klassengrösse zu erreichen und fremdsprachige Fahrlehrer zu finden, aber wir werden das auf jeden Fall probieren.» In den Kursen gehe es vor allem darum, spezielle Fachbegriffe zu übersetzen und Verständnisfragen zu klären, denn «gerade bei den Textfragen in den Theorieprüfungen ist das Sprachverständnis besonders wichtig.»

«Vielen ist die Umstellung noch nicht bewusst»

Sowohl Agoras als auch Blumer sind überzeugt, dass die Nachfrage für solche Kursangebote sicherlich gross ist. «Es ist zwar schon lange bekannt, dass die Theorieprüfung ab 1. Januar 2008 nur noch in den Landessprachen gemacht werden kann. Aber vielen ist dieser Umstand noch gar nicht bewusst», sagt Richi Blumer. Grundsätzlich befürworten beide die Neuerung. «Es ist auf jeden Fall gut, wenn ein Prüfling besser Deutsch kann», so Agoras, «schliesslich muss er ja auch den Experten an der praktischen Fahrprüfung verstehen.»

Tina Fassbind, 20minuten.ch

Das Amt für Strassenverkehr und Schifffahrt des Kantons Freiburg führt noch diese Woche und am 27. und 28. Dezember Fahrtheorieprüfungen in einer Fremdsprache durch. Wer eine Prüfung absolvieren will, kann sich am Donnerstag oder Freitag zwischen 14.00 und 16.00 Uhr im Amt für Strassenverkehr melden. Genauere Angaben finden Sie unter www.ocn.ch.

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