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Immunitätstests für Corona«Man geht wieder lockerer durchs Leben»

In der Wissenschaft ist umstritten, ob man gegen das Coronavirus immun sein kann. Dennoch werden neu Immunitätstests angeboten.

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fpo/mme/nk
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Schrittweise bewegt sich die Schweiz zurück zur Normalität: So können etwa Gartencenter am 27. April wieder öffnen.

Schrittweise bewegt sich die Schweiz zurück zur Normalität: So können etwa Gartencenter am 27. April wieder öffnen.

Keystone/urs Flueeler
Auch Restaurants sollen bald wieder Kunden bedienen können, wie Wirtschaftsminister Guy Parmelin in einem Interview sagte.

Auch Restaurants sollen bald wieder Kunden bedienen können, wie Wirtschaftsminister Guy Parmelin in einem Interview sagte.

Keystone/Anthony Anex
Nun stellt sich die Frage der Immunität neu: Viele Personen, die nicht zur Risikogruppe gehören, wurden trotz Corona-Symptomen gar nie getestet. Nun bieten verschiedene Schweizer Arztpraxen Antikörper-Tests an.

Nun stellt sich die Frage der Immunität neu: Viele Personen, die nicht zur Risikogruppe gehören, wurden trotz Corona-Symptomen gar nie getestet. Nun bieten verschiedene Schweizer Arztpraxen Antikörper-Tests an.

Dmitry Belyaev

Mit der Lockerung der Lockdown-Massnahmen stellt sich auch die Frage der Immunität gegen Covid-19 neu, denn viele Personen wurden trotz Symptomen gar nie getestet und wissen nicht, ob sie mit dem Coronavirus infiziert waren und allenfalls eine Immunität entwickelt haben.

Nun werden in Arztpraxen Tests dafür angeboten. «Diese zeigen, ob Sie bereits immun sind, oder ob eventuell noch eine Selbstisolation respektive Quarantäne bei Ihnen angebracht ist», verspricht etwa die Luzerner Medcenter-Gruppe. Die Tests werden an ihren Standorten in der Permanence Bahnhof Luzern, der Praxis am Bahnhof Luzern und der Praxis in der Mall of Switzerland angeboten, wie «Zentral+» schreibt. Auch andere Institute, etwa Arztpraxen oder Apotheken, würden Immunitätstests anbieten, schrieb kürzlich das Branchenportal Medinside.

«Testresultat beruhigt Personen»

Beim Immunitätstest der Medcenter-Gruppe würden Antikörper gegen das Coronavirus nachgewiesen, sagt Geschäftsführer Herbert Sterchi. «Die Resultate zeigen, ob jemand bereits Kontakt mit dem Virus hatte und auch ob dieser erst kürzlich war oder schon länger zurückliegt.» Bisher habe man hundert Tests gemacht, so Sterchi weiter. Die getesteten Personen kämen aus allen Schichten der Bevölkerung: «Viele hatten in den letzten Wochen grippale Symptome und möchten jetzt wissen, ob sie tatsächlich an einer milden Form von Covid-19 erkrankt waren.»

Die Tests kosten 50 Franken und dienten in erster Linie zur Beruhigung der Personen selber, sagt Sterchi: «Doch gerade in Unternehmen, in denen die Mitarbeitenden in engem Kontakt mit Menschen stehen, kann es auch für den Arbeitgeber hilfreich sein, wenn er weiss, wer immun ist.»

Wie hoch ist der Nutzen?

Der Nutzen solcher Tests ist in der Forschung aber umstritten. Es gebe keine eigentlichen Immunitätstests für Covid-19, sagt etwa Huldrych Günthard vom Unispital Zürich auf Anfrage: «Man kann nur sagen, dass jemand eine Infektion durchgemacht hat. Es ist nicht erwiesen, dass man dann wirklich immun ist.» Zudem sei nicht klar, wie lange eine allfällige Immunität anhalte. Ein weiteres Problem laut Günthard: Viele Tests seien noch nicht zuverlässig, es gebe falsche positive und falsche negative Resultate.

Milo Puhan, Leiter des Instituts für Epidemiologie an der Universität Zürich, sagt dagegen: «Es gibt zwar nicht den einen Test, aber aus Antikörpertests, Beobachtung über längere Zeit und weiteren Informationen kann man erschliessen, ob es eine Immunität gibt.» Es gebe vermutlich schon eine gewisse Immunität, wenn man schon einmal an Corona erkrankt sei, sagt er.

Arzt bespricht Resultate mit Getesteten

Sterchi von der Medcenter-Gruppe gibt zu: «Es ist korrekt, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht bewiesen ist, ob eine Immunität gegen einen Zweitinfekt besteht.» Das Virus selbst sei aber extrem stabil: «Grosse Mutationen, wie wir sie vom Grippevirus kennen, wurden bislang nicht beobachtet.» Daher gingen Virologen von einer guten Immunität gegen die aktuelle Pandemie aus.

Die Gefahr, dass sich getestete Personen in falscher Sicherheit wiegten, bestehe aber trotzdem, so Sterchi: «Deshalb werden die Resultate immer mit einem Arzt besprochen, der auch die Grenzen der Aussagekraft des Immunitätstests anspricht.»

«Ich war erleichtert»

Frau Schumacher*, wieso haben Sie den Immunitätstest gemacht?

Weil meine Tochter Mitte März positiv auf Covid-19 getestet wurde, war ich zehn Tage lang in Selbstisolation. Ich hatte aber nur leichte Symptome. Deshalb wollte ich wissen, ob ich das Virus tatsächlich gehabt habe.

Wie lief der Test ab?

Mir wurde aus der Vene Blut genommen und 15 Minuten später hatten wir die Resultate. Sowohl ich als auch meine Tochter hatten Antikörper im Blut.

Wie haben Sie sich danach gefühlt?

Ich war erleichtert. Man hat nicht mehr so grosse Angst vor der Krankheit. Ich halte mich natürlich auch jetzt noch an die Vorgaben des BAG. Aber man geht mit diesem Resultat schon wieder lockerer durchs Leben.

*Esther Schumacher kommt aus Luzern und ist Medizinische Praxisassistentin

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