Abzockerinitiative: «Man hätte die Kampagne nie führen dürfen»

Aktualisiert

Abzockerinitiative«Man hätte die Kampagne nie führen dürfen»

Der neue Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer räumt im Kampf gegen die Abzockerinitiative Fehler ein – und übernimmt Mitverantwortung. Jetzt will er dafür die 1:12-Initiative der Juso bodigen.

von
bee
«Man kann ja kaum etwas dagegen haben, dass die Eigentümer bei den Salären mitsprechen»: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer am 30. August an einer Medienkonferenz in Lausanne.

«Man kann ja kaum etwas dagegen haben, dass die Eigentümer bei den Salären mitsprechen»: Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer am 30. August an einer Medienkonferenz in Lausanne.

Im März verlor der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse die Abstimmung gegen die Abzockerinitiative – trotz eines Budgets von 8 Millionen Franken. Jetzt räumt der neue Präsident Heinz Karrer Fehler ein. «Man hätte diese Kampagne nie führen dürfen», sagte Heinz Karrer in Zeitungsinterviews.

Umfragen hätten schon früh gezeigt, dass die Abstimmung nicht zu gewinnen sei. «Man kann ja kaum etwas dagegen haben, dass die Eigentümer bei den Salären mitsprechen», sagte Karrer im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». «Rückblickend wäre es zielführender gewesen, wenn man mit den Initianten eine gemeinsame Lösung gesucht hätte.»

Karrer übernimmt Mitverantwortung für die Abstimmungsniederlage. «Ich bin Teil des Vorstandes gewesen. Ich habe die Kampagne mitgetragen, die zur Niederlage geführt hat», sagte er im Interview mit dem «Blick».

«Fundamentale Unterschiede zur Abzockerinitiative»

Im November steht mit der 1:12-Initiative der Juso die nächste Abstimmung an, die hohe Saläre ins Visier nimmt. Economiesuisse unterstützt die Gegenkampagne, der Lead der Gegner liegt diesmal aber beim Gewerbe- und Arbeitgeberverband. Im Interview mit der «Berner Zeitung» sagte Karrer, wie man diese Abstimmung gewinnen will.

economiesuisse will wieder gewinnen

«Wichtig ist auf die fundamentalen Unterschiede zur Abzockerinitiative aufmerksam zu machen», sagte Karrer. «Die Initiative von Thomas Minder gab den Aktionären mehr Rechte. Bei der 1:12-Initiative geht es um eine staatliche Einschränkung und um eine Bevormundung von Firmeneigentümern.»

Damit stehe die Stärke als Wirtschaftsstandort im globalen Umfeld auf dem Spiel, nämlich der liberale Arbeitsmarkt. «Er schafft ein investitionsfreundliches Klima in der Schweiz. Daran sollten wir weiterarbeiten», sagte Karrer.

Der 54-jährige Heinz Karrer wurde am Donnerstag zum Economiesuisse-Präsidenten gewählt. Er soll wieder Ruhe in den Verband bringen, nachdem im Frühsommer Direktor Pascal Gentinetta und Präsident Rudolf Wehrli ihren Rücktritt bekannt gegeben hatten. Der Wirtschaftsdachverband war nach dem verlorenen Abstimmungskampf um die Abzockerinitiative in die Kritik geraten. (bee/sda)

Karrer will die Uhrmacher dabeibehalten

Die richtige Person für die Direktorenstelle finden und dafür sorgen, dass die Uhrenbranche im Verband verbleibt: Das sind die Prioritäten des neuen Economiesuisse-Präsidenten Heinz Karrer, der am Freitag anlässlich des Tags der Wirtschaft erstmals vor die Medien getreten ist.

Der Prozess der Neubesetzung des Direktorenpostens nach dem Rücktritt von Pascal Gentinetta laufe, deutete Karrer gegenüber den Medien an. Er werde sich bei der Wahl des Nachfolgers einbringen. «Die Qualität der Person ist wichtiger als der Zeitpunkt», unterstrich Karrer. Er versicherte aber, den Posten baldmöglichst besetzen zu wollen.

Karrer will ausserdem sein Möglichstes tun, um den Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) dabei zu behalten. Dieser hatte - verärgert über die Position von Economiesuisse im Dossier «Swiss made» - seinen Austritt angekündigt. «Ich werde mit dem FH diskutieren, um zu verstehen, was passiert ist. Wenn wir Fehler gemacht haben, müssen wir diese korrigieren», erklärte Karrer.

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