Kretschmer über Schweiz: «Man ist es gewohnt, viel Geld auszugeben»
Aktualisiert

Kretschmer über Schweiz«Man ist es gewohnt, viel Geld auszugeben»

Guido Maria Kretschmer hat sich mit «Shopping Queen» in die Herzen der TV-Zuschauer gequasselt. 20 Minuten hat mit dem Designer über Stil und sein neues Buch gesprochen.

von
Monika Rufener

Herr Kretschmer, Sie bringen mit «Eine Bluse macht noch keinen Sommer» Ihr zweites Buch mit Stylingtipps heraus. Wie gefällt Ihnen die Rolle als Styling-Messias?

Also als Styling-Messias würde ich mich als guter Katholik natürlich nicht bezeichnen. Ich habe einfach versucht, Mode herunterzubrechen. Manche Designer verlieren den Kontakt zu den normalen Leuten. Das ist mir nie passiert. Ich glaube an die Kraft der Mode und daran, dass man nicht viel Geld braucht, um sich toll zu kleiden.

Ist Stil erlernbar?

Auf jeden Fall! Das ist wie Rechnen. Wichtig sind Proportionen und die richtigen Farben. Ich bin persönlich nicht der grosse Freund von diesem Herbst-Typ-Sommer-Typ-Ding. Aber man muss halt wissen, was einem steht und was man gerne trägt. Schlechtes Styling finde ich manchmal aber auch echt charmant. Es wäre ja schade, wenn wir alle gleich gekleidet wären und alle eine Uniform tragen würden.

Sie haben aber selbst viele Uniformen entworfen. Ein Widerspruch?

Uniformen sind wichtig. Erstens erkennt man dadurch sofort, wen man ansprechen soll, wenn man eine Frage hat, zweitens kann man sich auch in seiner Uniform verstecken. Es ist ja teilweise unglaublich, wie unfreundlich gewisse Menschen zum Beispiel mit dem Flughafenpersonal rumspringen. So muss man das auch weniger an sich ranlassen, weil man ja in der Uniform einfach die Firma repräsentiert.

Der Volksmund lehrt uns: Kleider machen Leute.

Ich würde das korrigieren in «Kleider machen Leute und Leute machen Kleider». Es kommt natürlich immer noch darauf an, wer und wie man etwas trägt. Es guckt ja immer noch ein Kopf oben raus. Eine Supermarkt-Verkäuferin kann sich mit einer bestimmten Aufmachung an eine schicke Hotelbar setzen und alle werden denken, sie sei eine reiche amerikanische Touristin.

Was denken Sie, wenn Sie durch Schweizer Strassen

gehen?

Ich bin ein grosser Fan der Schweiz und bin auch öfter hier. Ich habe immer gesagt, wenn ich mal auswandere, dann in die Schweiz. Zürich kleidet sich oft konservativ, aber trotzdem modern. Dressiert unkonventionell würde ich das nennen. Was mir sehr gefällt ist, dass die Schweizer auf Qualität setzen. Man ist es sich in der Schweiz ja gewohnt, viel Geld auszugeben.

Was könnten Schweizer besser machen?

Das Strassenbild dürfte wilder sein. So wie beispielsweise die Stadt Zürich selbst. An manchen Orten hat man das Gefühl, man sei mitten in einem heruntergekommenen Rotlichtviertel, und dann ist es plötzlich wieder sehr schick. Textil-Exoten gibt es jedoch wenige.

Was macht für Sie eine gut gekleidete Person aus?

Für mich ist das jemand, der erkannt hat, wer er ist und sich mit Kleidung ausdrücken kann. Mode ist nonverbale Kommunikation. Wenn das dann eine runde Sache ergibt, ist das für mich ein Mensch mit Stil.

Was sollte man diesen Winter besser nicht tragen?

Ich mag die Pudelmützen mit Fell gar nicht. Die mit diesem Bommel. Wie viele Tiere wohl letzten Winter dafür verenden mussten? Da bin ich raus.

Wie geht es mit Ihrer Karriere weiter? Werden Sie bald in der «Germany's Next Topmodel»-Jury zu sehen sein?

Nein, ich hatte zwar schon Angebote, aber ich möchte im nächsten Jahr meine TV-Präsenz verringern. Ich sage aber jetzt schon fast 95 Prozent der Angebote ab. Ich möchte wieder mehr Zeit für meine Hunde und Spaziergänge im Wald haben.

Neue Geschichten von Guido Maria Kretschmer

Geschichten über Mode sind auch immer Geschichten über Menschen. Wer wüsste das

besser als Guido Maria Kretschmer. Der 49-Jährige erzählt in seinem Buch «Eine Bluse macht noch keinen Sommer» über seine Erlebnisse mit Modewütigen und ihrer Leidenschaft. Dazu gibt es Tipps zu unterschiedlichen Kleidungsstücken und wie man sie am besten trägt.

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