Aktualisiert 02.08.2012 14:00

Patentstreit vor Gericht«Man kann keine Rechtecke patentieren»

Ein erster Zeuge hat im Megaprozess zwischen Apple und Samsung in Kalifornien ausgesagt. Er gab preis, dass das Ideenteam bei Apple die grossen Würfe wie das iPad am «Küchentisch» entwickle.

Apple und Samsung gehen mit harten Bandagen in den möglicherweise entscheidenden Patentprozess in Kalifornien. Der US-Konzern bekräftigte seinen Vorwurf, Samsung habe in grossem Stil iPhone und iPad nachgebaut.

Samsung habe die bewusste Entscheidung getroffen, iPhone und iPad im Detail zu kopieren, sagte Apple-Anwalt Harold McElhinny in seiner Eröffnungs-Erklärung vor den Geschworenen am Dienstag laut US- Medienberichten.

Als Beleg demonstrierte er den Geschworenen Fotos von Samsung- Geräten vor und nach der Vorstellung des iPhone. Ausserdem präsentierte er eine interne Analyse des südkoreanischen Konzerns aus dem Jahr 2007 in der es unter anderem heisst, «die Hardware ist leicht zu kopieren».

Durch Konkurrenz «inspiriert»

Samsung-Anwalt Charles Verhoeven konterte, Apple habe das Design des iPhone nicht wirklich erfunden und könne auch «keine Rechtecke patentieren». Die gesamte Branche habe sich in Richtung des Smartphone-Designs mit einem grossen berührungsempfindlichen Bildschirm wie beim iPhone entwickelt, argumentierte er.

So wie sich Samsung vom iPhone «inspirieren» liess, habe sich Apple von Ideen des Wettbewerbers Sony inspirieren lassen. Apple bestreitet eine «Sony-Spur» und hat zur grossen Unzufriedenheit von Samsung auch durchgesetzt, dass sie weitgehend aus dem Prozess herausgehalten wird.

Die Verhandlung förderte erstmals den Anteil von Samsung an Apple- Geräten zutage: Laut Verhoeven machen Komponenten der Südkoreaner 26 Prozent vom Preis der Bauteile eines iPhone aus. Der Apple-Anwalt entgegnete, die Samsung-Patente seien für den Erfolg von Apples Geräten nicht entscheidend.

Einblicke in Apple-Entwicklungs-Prozess

Als erster Zeuge gab Apple-Designer Christopher Stringer seltene Einblicke in den Entwicklungs-Prozess bei der sonst verschlossenen US-Firma. Er erzählte, der Kern des Design-Teams sei nur etwa 15 Personen stark und entwickle neue Ideen gemeinsam an einem grossen «Küchentisch».

Das iPhone zu konstruieren und zu bauen sei eine erhebliche technische Herausforderung gewesen, sagte er. Auch Apple-Gründer Steve Jobs sei nervös gewesen, ob es angesichts des damals ungewöhnlichen Designs von den Nutzern angenommen werde.

Nur noch neun Geschworene

Aus zehn Geschworenen wurden am zweiten Verhandlungstag unterdessen neun. Eine Frau bat, von der Aufgabe befreit zu werden, weil ihr Arbeitgeber sie in dieser Zeit nicht bezahlen wolle. Das Gericht willigte ein. Jetzt werden sieben Männer und zwei Frauen den Fall entscheiden. Der Prozess dürfte mindestens bis Mitte August dauern.

Das Verfahren in San Jose - nur wenige Kilometer vom Apple- Hauptquartier entfernt - könnte zur entscheidenden Schlacht im weltweiten Patentkrieg der beiden führenden Smartphone-Anbieter werden. Sie werfen sich gegenseitig Ideenklau vor. Apple will von Samsung mehr als 2,5 Milliarden Dollar Schadenersatz.

(sda)

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