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Ärger über verschneite Strassen«Man kann nicht präventiv pflügen»

Regelmässig ärgern sich Autofahrer über schneebedeckte Strassen im Morgenverkehr. Schwarze Fahrbahnen seien kein Menschenrecht, kontern die zuständigen Stellen.

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vro

Der Schnee legte Verkehr, ÖV und Flugbetrieb teilweise lahm. (Video: Leser-Reporter/Tamedia)

«Man hat doch gewusst, dass es schneien wird.» Viele Autofahrer nerven sich während Schneefällen über nicht geräumte Nationalstrassen. So auch ein Lastwagenchauffeur aus Frauenfeld, der am Montagmorgen auf dem Weg Richtung Zürich über eine verschneite Autobahn fuhr. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich nervt: «Schon letzte Woche war man nicht fähig, den Gotthardtunnel für Lastwagen offen zu halten», beklagt sich der Chauffeur, der im Winter Lebensmittel transportiert. Bei solch erschwerten Bedingungen und im Hinblick auf die vorgeschriebenen Ruhezeiten reiche es nicht mehr, mit dem Lastwagen ins Tessin zu fahren, die Fracht ab- und neu aufzuladen und wieder zurück in den Norden zu fahren.

Dass der Winterdienst vom Schnee überrascht worden sei, dementieren die zuständigen Stellen. «Von Oktober bis Ende April verlangen wir einen Bereitschaftsdienst des Winterdienstes», sagt Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Die Werkhöfe müssten Salz, Streumittel und Pflüge bereithalten, um bei einem Wintereinbruch schnell reagieren zu können. Das werde auch regelmässig kontrolliert. Doch: «Präventiv kann man nicht pflügen», so Rohrbach. Zwar würden Strassen bei angekündigtem Schneefall bereits zuvor mit Sole bespritzt, diese hilft aber hauptsächlich gegen Glätte.

«Schnee im Winter ist nichts Aussergewöhnliches»

Ein Tag Winterdienst kostet den Bund auf dem gesamten Nationalstrassennetz gut eine Million Franken. Das Astra verlangt von den kantonalen Tiefbauämtern, dass der Pikettdienst spätestens 30 Minuten nach einer Alarmierung ausrückt. Falls möglich, sollten Strassen spätestens zwei Stunden nach dem Aufgebot geräumt sein. «Bei starken Schneefällen und Windverwehungen ist das nicht immer und überall möglich», sagt Rohrbach. «Doch an Tagen wie am Montag sind die Fahrzeuge so lange im Einsatz, bis die Fahrbahnen schwarz sind.»

Laut Rohrbach liegt das Problem oft in den Köpfen der Menschen. «Man muss sich darauf einstellen. Im Winter ist Schnee einfach immer noch möglich, das ist nichts Aussergewöhnliches.» Setze der Schneefall gleichzeitig wie der Morgenverkehr ein, werde es problematisch.

Autobahnen und ÖV-Strecken haben Priorität

Ähnlich klingt es bei Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion des Kantons Zürich: «Eine schwarzgeräumte Strasse ist kein Menschenrecht. Die Leute in tiefen Lagen sind sich Wintereinbrüche einfach nicht mehr gewohnt. Sie vergessen, dass die Natur immer stärker ist als der Mensch.»

Bei so viel Schnee wie am Montag sei es unmöglich, die Strassen innert kurzer Zeit komplett schwarzzuräumen. Dies, obwohl man in der Nacht vorgesalzen hat. Seit 3.30 Uhr stehen 230 Fahrzeuge und 250 Mitarbeiter im Auftrag des Kantons im Einsatz. «Sie bleiben bis am Nachmittag draussen», sagt Maag. Spätestens nach zwölf Stunden werden sie abgelöst. Rund zwei Drittel der eingesetzten Fahrzeuge und Mitarbeiter stammen von Transport- und Bauunternehmen.

Priorität haben laut Maag Autobahnen und Strecken, auf denen der öffentliche Verkehr fährt. Kommt es zu Stau, kann das aber weitreichende Folgen haben. Denn dann kommen auch die Schneepflüge nicht mehr durch. Autofahrer, die nicht unbedingt auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, sollten sich deshalb gut überlegen, ob sie bei Schnee das Fahrzeug nicht lieber in der Garage lassen.

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