28.07.2020 04:55

Erste Hilfe in Corona-Zeiten«Man kann nicht von jedem erwarten, andere zu reanimieren»

Am Sonntag passierte in Ebnat-Kappel ein Verkehrsunfall mit sieben Verletzten. Bei solchen Ereignissen ist rasche Hilfe wichtig. Auch in Zeiten von Corona zählt Zivilcourage.

von
Michel Eggimann
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Auch in Zeiten von Corona zählt die Polizei auf Hilfscourage, wenn man in einen Unfall verwickelt ist oder zu einem stösst.

Auch in Zeiten von Corona zählt die Polizei auf Hilfscourage, wenn man in einen Unfall verwickelt ist oder zu einem stösst.

Kapo SG
Dabei sollte aber die eigene Gesundheit nicht vergessen werden.

Dabei sollte aber die eigene Gesundheit nicht vergessen werden.

Kapo SG
Helfen könne man auch schon, indem man möglichst schnell die Rettungskräfte informiert.

Helfen könne man auch schon, indem man möglichst schnell die Rettungskräfte informiert.

BRK News

Darum gehts

  • Am Sonntag kam es in Ebnat-Kappel zu einem Unfall mit sieben Verletzten.
  • Auch in Zeiten von Corona zählt die Polizei bei solchen Situationen auf Hilfscourage.
  • Helfen kann man auch schon, wenn man die Rettungskräfte informiert.
  • Beim Versorgen von Verletzten sollte auch an die eigene Gesundheit gedacht werden.

Vieles ist seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht mehr gleich. Was sich nicht geändert hat: Täglich passieren im Schweizer Verkehr Unfälle. Eines der jüngsten Beispiele, wo es mehrere Verletzte gab, ist der Unfall vom Sonntag in Ebnat-Kappel im Toggenburg. Drei Autos waren in eine heftige Frontalkollision verwickelt. Sieben Personen erlitten teilweise schwere Verletzungen. Doch wie sollte man sich in der aktuellen Zeit verhalten, wenn man zu einem solchen Unfall stösst? Sollte man die Corona-Richtlinien vom Bundesamt für Gesundheit über den Haufen werfen und sich sofort um die Verletzten kümmern?

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher bei der Kantonspolizei St. Gallen, sagt: «Grundsätzlich ändert sich in diesem Bereich durch Corona nichts. Das Vorgehen sollte immer gleich sein.» In einem Ratgeber der Kapo St. Gallen heisst es, beim Eintreffen an einem Unfallort solle man zuerst die Unfallstelle sichern, dann mögliche Gefahrenquellen – ob etwa Brand- oder Explosionsgefahr besteht – suchen, die Verletzten betreuen und so schnell wie möglich die Rettungskräfte informieren.

Eigene Gesundheit nicht vergessen

Krüsi meint, die eigene Gesundheit sei natürlich auch in solchen Ausnahmesituationen wichtig, dennoch sagt er: «In Notsituationen vergessen die Leute vielleicht, in welcher Lage wir uns mit Corona befinden. Im Kanton St. Gallen haben wir in den letzten Monaten jedenfalls nicht weniger Hilfscourage wahrgenommen.»

Im Gegensatz zu Bürgern, die zufällig an einen Unfall geraten, können sich die Polizisten auf die Situation vorbereiten. Krüsi meint, die Einsatzkräfte hätten nun häufiger eine Schutzmaske an, Handschuhe seien auch schon vorher regelmässig zum Einsatz gekommen, beispielsweise zum Schutz vor Krankheiten wie HIV.

Hilfe organisieren

Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau, hebt hervor, dass es besonders wichtig sei, Hilfe zu organisieren. Mit dieser Massnahme sei schon vieles gemacht. Zudem meint er: «Man kann nicht von jedem erwarten, dass er eine andere Person reanimiert. Das gilt auch unabhängig von der jetzigen Situation mit Corona.» Andere Punkte sind im Strassenverkehrsgesetz genau geregelt. Art. 51 befasst sich mit dem Verhalten bei Unfällen.

Art. 51 Strassenverkehrsgesetz

1 Ereignet sich ein Unfall, an dem ein Motorfahrzeug oder ein Fahrrad beteiligt ist, so müssen alle Beteiligten sofort anhalten. Sie haben nach Möglichkeit für die Sicherung des Verkehrs zu sorgen.

2 Sind Personen verletzt, so haben alle Beteiligten für Hilfe zu sorgen, Unbeteiligte, soweit es ihnen zumutbar ist. Die Beteiligten, in erster Linie die Fahrzeugführer, haben die Polizei zu benachrichtigen. Alle Beteiligten, namentlich auch Mitfahrende, haben bei der Feststellung des Tatbestandes mitzuwirken. Ohne Zustimmung der Polizei dürfen sie die Unfallstelle nur verlassen, soweit sie selbst Hilfe benötigen oder um Hilfe oder die Polizei herbeizurufen.

3 Ist nur Sachschaden entstanden, so hat der Schädiger sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und Namen und Adresse anzugeben. Wenn dies nicht möglich ist, hat er unverzüglich die Polizei zu verständigen.

4 Bei Unfällen auf Bahnübergängen haben die Beteiligten die Bahnverwaltung unverzüglich zu benachrichtigen.

Bei der Kantonspolizei Graubünden verweist man an die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit und erklärt, auch bei Unfällen mit allfälligen Verletzten solle unnötiger Kontakt vermieden werden.

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