15.07.2020 12:35

REKRUT (21) STIRBT BEI GRENADIER-AUSBILDUNG«Man kommt an seine Grenzen»

An der Grenadierschule in Isone TI verstarb am Dienstagmorgen ein Rekrut (21) während einer Übung. Wie hart ist die Eliteschule der Schweizer Armee? Grenadier Jasha Bättig weiss es – er hat die Ausbildung vor zwei Jahren abgeschlossen.

von
Céline Krapf
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«Ich würde es wieder machen», sagt der Luzerner Jasha Bättig über seine Zeit in der Grenadierschule.

«Ich würde es wieder machen», sagt der Luzerner Jasha Bättig über seine Zeit in der Grenadierschule.

Privat
Jasha Bättig (links) ist stolz, die Ausbildung abgeschlossen zu haben – nur zwei Drittel der Rekruten schafft das.

Jasha Bättig (links) ist stolz, die Ausbildung abgeschlossen zu haben – nur zwei Drittel der Rekruten schafft das.

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Am Dienstag wurde ein Rekrut nach einem Leistungsmarsch neben der Strecke aufgefunden – er konnte nicht mehr reanimiert werden.

Am Dienstag wurde ein Rekrut nach einem Leistungsmarsch neben der Strecke aufgefunden – er konnte nicht mehr reanimiert werden.

Keystone

Darum gehts

  • Ein Rekrut kam am Dienstagmorgen während eines Leistungsmarsches ums Leben.
  • Die Grenadiere in Isone TI gelten als Elitetruppe der Schweizer Armee.
  • Jasha Bättig hat die Ausbildung 2018 abgeschlossen.
  • Der 21-Jährige bezeichnet die Zeit als sehr hart, bereut sie aber nicht.

Ein junger Grenadierrekrut ist in Isone TI am Dienstagmorgen während eines Leistungsmarschs verstorben. Laut RSI soll es sich um einen 21-jährigen Waadtländer handeln. Die Todesmeldung des jungen Mannes schockiert die Schweiz und hinterlässt beim gleichaltrigen Grenadier Jasha Bättig ein flaues Gefühl. Denn: Vor zwei Jahren waren es er und seine Kameraden, die den gleichen Leistungsmarsch bestritten.

Seine Ausbildung absolvierte auch Bättig an der Grenadierschule in Isone TI: «Eine besondere Rekrutenschule», wie die Armee schreibt. Sie dauert 23 Wochen und fordert ein «Höchstmass an physischer und psychischer Leistungsfähigkeit sowie Leistungsbereitschaft». Hier wird die Elitetruppe der Schweizer Armee ausgebildet.

Die ersten acht Wochen dienen laut Armee neben der Ausbildung der Selektion. Wer «charakterlich, sozial, psychisch oder physisch ungenügende Leistungen» erbringt, wird aussortiert, nur die Besten können die Ausbildung zum Grenadier weiterführen. In dieser Phase befand sich auch der verstorbene Rekrut: Er war erst in seiner zweiten RS-Woche.

Wenig Schlaf, Druck und kaum Zeit für sich

«Am Anfang ist dieses grosse Ziel, das man erreichen will. Und der Stolz, der einen dabei erfüllt», sagt Jasha Bättig. «Doch dann wird schnell klar: Der Alltag wird komplett auf den Kopf gestellt. Man hat wenig Schlaf, kaum Zeit für sich, dafür viele Vorgaben und Druck, mit dem man klarkommen muss.»

Zu den Tests gehört auch der Leistungsmarsch zur Anhöhe Tiglio: «Man will möglichst schnell sein und spornt sich gegenseitig an. Einige rennen gar hinaufes geht schliesslich um ein Selektionsverfahren», sagt der Luzerner. Laut Armeesprecher Stefan Hofer ist die Strecke Standard für solche Leistungsprüfungen. Mehrere hundert Höhenmeter müssen die Rekruten zurücklegen auf den rund 6,5 Kilometern. Dazu kommt 15 Kilogramm Gepäck, Sturmgewehr und die Tessiner Sommerhitze. Da könne es schnell passieren, dass man sich überschätze, sagt Grenadier Bättig. Sicher ist: «Man kommt an seine Grenzen.»

Ein Drittel schliesst nicht ab

Beim Selektionsprozess werden die Rekruten auch an der individuellen Leistung gemessen – der ansonsten grosse Teamzusammenhalt ist deshalb beim Leistungsmarsch nicht erwünscht. Dies sei sogar kontrolliert worden, sagt Bättig: «Auf der Strecke achteten Kaderpersonen darauf, dass jeder eigenständig und ohne Abkürzungen das Ziel erreicht.» Einem schwächeren Kameraden Gepäck abzunehmen oder diesen anderweitig zu unterstützen, wäre geahndet worden, sagt er.

Es sei explizit nicht vorgesehen, dass man den Kameraden das Gepäck abnehme, bestätigt Armeesprecher Stefan Hofer. «Es geht nicht um eine Bestrafung, sondern um die Erfüllung der Prüfungsanforderungen.»

Weitere Selektionsverfahren folgen bis zur Endprüfung «Herkules». Bättig schloss im Dezember 2018 seine Ausbildung erfolgreich ab. «Klar war es eine harte Zeit. Aber ich bin enorm stolz, das geschafft zu haben», sagt er. «Ich würde die Ausbildung wieder machen.» Nur rund zwei Drittel seines Jahrgangs hätten es bis zum Grenadier geschafft.

Dieses ambitionierte Ziel hatte auch der Waadtländer Rekrut, der am Dienstagmorgen ums Leben kam – Jasha Bättig stimmt der Vorfall sehr nachdenklich: «Ich möchte den Angehörigen mein herzliches Beileid aussprechen und bin in Gedanken bei ihnen

Die Umstände, die zum Tod des jungen Mannes führten, sind bislang unklar. Laut Armeesprecher Stefan Hofer ist eine Untersuchung der Militärjustiz eingeleitet worden. Die Abklärungen dürften wohl mehrere Wochen dauern.

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