Carlos droht Verwahrung: «Man macht mich zum Monster»
Aktualisiert

Carlos droht Verwahrung«Man macht mich zum Monster»

Straftäter Carlos (23) ist weiterhin in Haft, weil er einen Aufseher verprügelt und randaliert hat. Deshalb droht ihm die Verwahrung. Nun spricht er darüber.

von
tam
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Carlos macht im Strafvollzug Probleme. Er attackierte 2017 einen Aufseher und randalierte mehrfach.

Carlos macht im Strafvollzug Probleme. Er attackierte 2017 einen Aufseher und randalierte mehrfach.

Illustration: Robert Honegger
Wegen dieser Vorfälle in der Strafanstalt Pöschwies sitzt Carlos weiterhin hinter Gittern.

Wegen dieser Vorfälle in der Strafanstalt Pöschwies sitzt Carlos weiterhin hinter Gittern.

Keystone/Ennio Leanza
21 Jahre alt und schon 30-mal verurteilt: Auch 2014 hat er seine Zelle im Massnahmenzentrum Uitikon zerstört und unter Wasser gesetzt. Sachschaden: rund 9000 Franken.

21 Jahre alt und schon 30-mal verurteilt: Auch 2014 hat er seine Zelle im Massnahmenzentrum Uitikon zerstört und unter Wasser gesetzt. Sachschaden: rund 9000 Franken.

Keystone/Linda Graedel

Kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis im September 2017 schlug der junge Straftäter Carlos* (23) einen Aufseher nieder. Diese Tat könnte ihm zum Verhängnis werden. Der zuständige Staatsanwalt lässt prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Verwahrung erfüllt sind. Das Gericht wird vermutlich nächstes Jahr über diese Frage entscheiden. So lange bleibt Carlos in Haft.

Der «Neuen Zürcher Zeitung» beantwortete er über seinen Anwalt einige Fragen. Besuch darf er aufgrund der Untersuchungshaft nur eingeschränkt empfangen. «Eine Verwahrung wäre schlimmer als die Todesstrafe», sagte der 23-Jährige zur Zeitung. Er sei kein Engel, aber man mache ihn zu einem Monster. «Die Wahrheit aber liegt wohl irgendwo dazwischen.»

Psychische Störung als Voraussetzung

Rund sieben Jahre seines Lebens hat der junge Mann bereits in geschlossenen Institutionen und Gefängnissen verbracht. «Schlimm ist, dass ich noch jung bin, mir eine Zukunft aufbauen sollte», so Carlos. Doch dabei werde er aufgehalten. Er habe das Gefühl, man wolle ihn gar nicht mehr integrieren. «Das Gefängnis hat mir eine Dschungelmentalität gebracht, entweder hart sein und kämpfen oder untergehen.»

Die Voraussetzung für eine kleine Verwahrung ist, dass der Straftäter eine psychische Störung aufweist. Da ein Gutachter bei Carlos eine dissoziale Persönlichkeitsstörung festgestellt hat, scheint diese Bedingung gegeben. Doch das Gutachten basiert nur auf Akten. Mit einem Psychiater hat Carlos laut «NZZ» nicht gesprochen: «Es ist doch verrückt, wie mich jemand aufgrund von Akten und einigen Gesprächen als Mensch einschätzen will. Und da alle Angst haben, etwas Falsches zu schreiben, gehen sie den sicheren Weg und schreiben dem Vorgänger ab.» Vielleicht helfe gewissen Schwerkranken eine Therapie, aber bei vielen sei sie am falschen Ort.

«Fehler liegt nicht beim Film»

Das Sondersetting, durch das Carlos bekannt wurde, fand Erwähnung in einem Dokumentarfilm, der im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der Fehler liege nicht beim Film, sondern an den Reaktionen, sagt Carlos. Nachher sei er sozusagen präventiv eingesperrt worden. «Schlimm war, dass auch die Politik aufgesprungen ist.» Sein Anwalt spricht auch von einer Überforderung der Behörden.

Carlos werde weggesperrt nach dem Motto «Aus den Augen, aus dem Sinn». Die Staatsanwaltschaft dagegen spricht von einer neuen Eskalationsstufe: Carlos könne sich inzwischen nicht einmal mehr im geordneten Alltag des Strafvollzugs an die Regeln halten, heisst es laut der Zeitung in einer Stellungnahme ans Zürcher Obergericht.

Früh mit falschen Leuten unterwegs

Wie kam es dazu, dass Carlos schon als Jugendlicher straffällig wurde? «Ich war schon sehr früh mit den falschen und wesentlich älteren Leuten unterwegs. Es war ein Fehler, dass ich mich ihnen beweisen wollte.» Sein Fehler sei, dass er zu schnell beleidigt sei und seinen Kopf durchsetzen wolle. Er habe eben auch gelernt, dass er dadurch weiterkomme. «Meine guten Eigenschaften können mir schaden, wenn ich sie falsch einsetze.»

*Name bekannt

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