Marco Streller im Interview - «Man merkt, dass Manchester City auf einer Mission ist»
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Marco Streller im Interview«Man merkt, dass Manchester City auf einer Mission ist»

Am Samstag findet in Porto der Final der Champions League statt. Manchester City spielt gegen Chelsea. Der langjährige Natispieler und Blue-Fussballexperte Marco Streller analysiert für uns den Final.

von
Sven Forster
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Manchester City trifft im Final der Königsklasse auf Chelsea. 

Manchester City trifft im Final der Königsklasse auf Chelsea.

Pool via REUTERS
Blue-Fussballexperte Marco Streller gibt seine Einschätzung ab. 

Blue-Fussballexperte Marco Streller gibt seine Einschätzung ab.

Blue / THOMAS BUCHWALDER
Der langjährige Stürmer spielte auch mehrfach gegen Chelsea. 

Der langjährige Stürmer spielte auch mehrfach gegen Chelsea.

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Darum gehts

  • Manchester City gegen Chelsea, so lautet der diesjährige Champions League-Final.

  • Marco Streller gibt einen Tipp ab.

  • Für ihn wird City das Rennen machen, auch wenn sein Bauchgefühl auf einen Sieg von Chelsea deutet.

Manchester City gegen Chelsea – ein verdienter Final?

Marco Streller: Manchester City Ja, Chelsea aufgrund des Halbfinals Ja. Im Achtel- und Viertelfinal habe ich gedacht, dass es zu viel Defensive ist. Aber der Halbfinal war eindrücklich. Man sieht immer mehr die Handschrift von Thomas Tuchel. Was er resultatmässig erreicht hat, ist der Wahnsinn. Ich finde, es ist ein würdiger Final.

Zwei englische Teams stehen im Final und im Europa League-Final stand mit Manchester United ein weiteres Team. Sind die Engländer derzeit einfach besser?

Ich finde schon, ja. Letztes Jahr war es Bayern, das alles dominiert hat. Aber auch im Europa League-Final war mit United ein englisches Team deutlich besser. Man hat einen Klassenunterschied gemerkt, auch wenn ich Villarreal den Sieg gönne. Als Fussballnostalgiker habe ich ein bisschen Mühe damit, aber es ist halt so, dass dort, wo am meisten Geld vorhanden ist, auch die beste Liga ist.

Was erwartet uns für ein Spiel?

Für Manchester City ist es das wichtigste Spiel in der Vereinsgeschichte – auch für Pep Guardiola. Allen, die gesagt haben, dass er nur mit Barcelona die Königsklasse gewinnen kann, denen könnte er das Maul stopfen. Der Druck bei City ist grösser, aber sie werden das Messer zwischen den Zähnen haben. Schon im Halbfinal hat man gemerkt, dass sie auf einer Mission sind. Jede gelungene Aktion wurde gefeiert von den Spielern. Aber auch der Halbfinal von Chelsea war beeindruckend. Mit wie viel Tempo sie gespielt haben. Ngolo Kante in der Mitte war sehr eindrücklich. Ich glaube, es wird ein megageiler Final. Das sagt mir mein Bauchgefühl.

Auf welche Spieler freuen Sie sich am meisten?

Ngolo Kante und Kevin De Bruyne. Die beiden werden das Zünglein an der Waage sein. Kante ist trotz seiner Leistungen immer unter dem Radar. Wenn man die Spiele in den letzten Wochen gesehen hat, kann man sagen, besser geht es nicht. Für mich zählt er zu den besten drei Spielern. Ich freue mich auf die beiden, da sie in diesem Jahr schon viel geleistet haben und dies auch im Final auf den Platz bringen.

Was für einen Unterschied machen die Zuschauerinnen und Zuschauer aus?

Mit Zuschauerinnen und Zuschauern ist es einfach auch ein anderes Event. Das habe ich beim Europa League-Final wieder gemerkt. Fans sind für den Fussball sehr wichtig. Da beide Teams aber bereits wieder in England vor Zuschauerinnen und Zuschauern spielen, wird es keinen Einfluss aufs Resultat haben.

Sie haben selber schon gegen Chelsea gespielt. Was unterscheidet das Team von damals zu heute?

Sie waren physisch besser, damals. Mit John Terry und Frank Lampard. Jetzt sind sie jünger und dynamischer. Ich meine, die Offensive hat eine unglaubliche Dynamik. Ich denke, die Mannschaft jetzt ist talentierter, aber das Team damals kam mehr über die Mentalität. Ich denke, das Projekt Chelsea ist besonders in den nächsten Jahren gefährlich. Wenn sie es am Samstag nicht schaffen, werden sie sicherlich in den nächsten Jahren, wenn man Tuchel Zeit gibt, um den Titel mitspielen. Geduld dabei ist wichtig, man sieht es ja an Dortmund. Jetzt haben alle den Terzic-Fussball verstanden und jetzt haben sie ein Problem. Wenn man einem Projekt Zeit und Vertrauen gibt, kann man was aufbauen.

Was halten Sie als ehemaliger Stürmer davon, dass Guardiola ohne Neuner spielt?

Nicht viel! Ich finde, die Stürmer machen auch immer viel Platz für Spieler aus der zweiten Reihe. Als Spieler ist es wichtig, dass man vorne einen Fixpunkt hat. Er hat ja mit Aguero und Jesus zwei super Neuner. Wieso er es nicht nutzt, verstehe ich nicht. Wenn er gewinnt, gibt man ihm aber recht. Wenn er verliert, wird ihm das aber um die Ohren fliegen. Man sieht in Europa durch Haaland, Benzema, Lewandowski, wie wichtig der Stürmer ist.

Werner ist jetzt aber auch nicht der typische Strafraumstürmer …

Ja, meiner Meinung nach spielt er auch besser aus der zweiten Reihe. Mit dem Rücken zum Tor zu spielen, ist nicht seine Stärke. Aber wenn der Fussball auf Umschaltspiel basiert, kann man halt nicht auf Giroud setzen, auch wenn Frankreich auch durch ihn Weltmeister wurde.

Machen wir nun noch einen Positionscheck. Auf der Torhüter-Position, wer gewinnt?

Ich sage Mendy. Ich habe sehr viel Freude an seiner Geschichte. Vor einigen Jahren noch arbeitslos, nun im Champions League-Final. Deswegen geht der Punkt an Mendy.

In der Abwehr?

Ich glaube, Rúben Dias war das entscheidende Puzzle-Stück für die Abwehr von City. Seit Tuchel Chelsea übernommen hat, ist allerdings die Abwehr so bombensicher. Ich gebe ein Unentschieden.

Im Mittelfeld?

Sehr schwer mit Rodri und Kante – zwei der besten Spieler. Ich gebe den Punkt aber an Kante.

Sturm?

Wenn De Bruyne im Sturm spielt, geht der Punkt aufgrund der Form an ihn. Werner braucht doch einige Chancen für ein Tor und ist nicht unumstritten. Ich glaube aber, dass er sich durchsetzen wird, aber für morgen geht der Punkt an De Bruyne.

Was macht am Schluss den Unterschied aus?

Mein Verstand sagt mir, dass der Hunger von Manchester City das Spiel entscheidet. Ich glaube, die Zeit ist reif für City. Das Promille mehr Hunger wird das Spiel entscheiden. Auch wenn mein Bauchgefühl sagt, dass Chelsea den Titel holt.

Zum Schluss der Finalfragen: Wer gewinnt am Samstag?

Ich höre auf den Verstand und sage Manchester City gewinnt 2:1. Ich hoffe, dass ich nachher sagen kann, dass man immer auf das Bauchgefühl hören soll.

Noch ein Rückblick auf die K.-o.-Phase. Wer hat Sie am meisten überrascht?

Im Negativen bin ich überrascht von Bayern und Juventus. Ich habe damit gerechnet, dass der Sieg über Bayern geht. Das Ausscheiden ist damit zu erklären, dass nach so vielen Titeln etwas fehlt. Die grösste Enttäuschung ist aber Juventus. Der Auftritt gegen Porto hat mich sehr enttäuscht. Positiv überrascht bin ich von Chelsea, auch aufgrund der Entwicklung.

Nun kurz noch zu Ihrem Tipp am Anfang der K.-o.-Phase. Sie haben Atlético als Sieger getippt, oder?

Ich habe nie gesagt, dass ich viel Ahnung von Fussball habe (lachend). Zu meiner Entschuldigung muss ich aber sagen, dass Atlético spanischer Meister wurde, also der Tipp war nicht ganz so abwegig.

Champions-League-Final auf 3+

Der diesjährige Final aus Porto läuft im Schweizer Free-TV. Zum ersten Mal überträgt 3+ den Event in Zusammenarbeit mit Blue. Das Spiel beginnt am Samstag um 21 Uhr.

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