SMA-Gast Campino: «Man muss auf Selbstgebranntes setzen»
Aktualisiert

SMA-Gast Campino«Man muss auf Selbstgebranntes setzen»

Sie sind an den Swiss Music Awards nominiert und werden auch auftreten: Die Toten Hosen. Frontmann Campino über Awardshows, Heinos Cover-Album und Schnaps.

von
Monika Rufener

Am 1. März werden im Zürcher Schiffbau zum sechsten Mal die «Swiss Music Awards» verliehen. In der Kategorie «Best Album Pop/Rock International» sind neben Lana Del Reys «Born To Die» und Muse mit dem Silberling «The 2nd Law» auch die Toten Hosen mit ihrem Studio-Album «Ballast der Republik» nominiert. Frontsänger Campino wird mit einem Bandkollegen nach Zürich reisen, um ein kleines Ständchen zu geben und vielleicht einen SMA-Stein gleich persönlich nach Hause zu tragen. 20 Minuten hat mit dem gestandenen Punkrocker gesprochen.

Unser kleines Interview hat einen ganz speziellen Anlass: Deine Band ist für einen Swiss Music Award nominiert. Den Preis gibt es erst seit sechs Jahren und gehört damit zu den jüngeren Auszeichnungen der Musikindustrie. Macht es für dich persönlich einen Unterschied, ob du einen Echo oder einen SMA abstaubst?

Campino: Natürlich ist das ein Unterschied. Doch es ist zu bedenken, dass auch der Echo einmal klein angefangen hat. Zu Beginn war das gar keine dolle Sache. Aber inzwischen ist er sehr etabliert und ein Riesending in Deutschland. Vielleicht wird der Swiss Music Award sich bald auch in diese Richtung entwickeln. Für uns ist es jedenfalls eine Ehre, auch in der Schweiz so wahrgenommen zu werden, dass wir nominiert werden.

Zu Preisverleihungen gehört traditionell auch ein roter Teppich mit vielen Kameras und teils auch etwas langatmigen Shows. Bist du gerne Gast auf solchen Veranstaltungen?

An Awardshows hat es viel Nachwuchs. Ich finde es wichtig, diesen zu unterstützen und ihm Respekt zu erweisen. Darum bin ich auch gespannt auf die Swiss Music Awards. Zudem sind Musikveranstaltungen immer noch viel lockerer als Filmanlässe. Aber die Getränkeauswahl muss schon stimmen. Wenn es gar nicht mehr geht, muss man halt auf was Selbstgebranntes setzen.

Apropos Nachwuchs: Ist dir in letzter Zeit ein Schweizer Künstler besonders aufgefallen?

Schwierige Frage. Ich habe keine Ahnung von den Schweizer Charts. Ich nehme aber an, dort sieht es ähnlich düster aus wie in Deutschland.

Dein aktueller Lieblingskontrahent Heino ist in Deutschland mit seinem neuen Album «Mit freundlichen Grüssen» auf Platz zwei in den Charts. Du hast ihn einmal als «Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit» bezeichnet. Kannst du uns das erklären?

Ist das nicht der, der ohne mit der Wimper zu zucken Konzerte in Südafrika während der Apardheid gegeben hat? Ich dachte, der sei schon lange gestorben. Jetzt ist er wieder da. Das freut mich. Aber es ist jetzt nicht so, dass das Thema Heino für mich emotional sehr aufgeladen ist.

Emotionaler wird es vielleicht beim Thema Politik. Du hast Dich immer wieder gerne zu verschiedenen Debatten geäussert. Das Schweizer Volk stimmt im März über die Abzocker-Initiative ab. Wie würdest du dich an der Urne entscheiden?

Ich habe von dieser Abstimmung noch nichts gehört, aber es ist ein sehr komplexes Thema. Jedoch sollten Manager auch für ihre Fehler haften und nicht auch noch eine Abfindung bekommen, wenn sie den Karren an die Wand gefahren haben. Man muss sich an diesen Gedanken gewöhnen, dass das Angebot die Nachfrage regelt. So etwas kann man nur international lösen: Denn wenn man zum Beispiel die Gagen der Fussballspieler in einem Land beschränkt, wandern sie einfach ins Ausland ab.

Bald geht auch ganz Deutschland wählen. Merkels Herausforderer Steinbrück hat die Schweizer einmal als «Indianer» bezeichnet. Wählst du trotzdem SPD?

Natürlich ist Herr Steinbrück eine unglückliche Alternative zu Merkel. Ich wähle aber sowieso meist Grün – das ist für mich das kleinste Übel.

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