PISA: «Man muss die Nachhilfe verstaatlichen»
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PISA«Man muss die Nachhilfe verstaatlichen»

Weil bereits viele Eltern ihren Kindern Nachhilfeunterricht bezahlen, werde der Bildungserfolg käuflich, sagen Experten und fordern den Staat.

von
aeg

Wenn die Volksschule gratis sei, müsse auch die Nachhilfe gratis sein, findet der Präsident des Aargauer Lehrerverbandes, Niklaus Stöckli. «Man muss die Nachhilfe verstaatlichen», sagt er gegenüber der Zeitung «Der Sonntag». Er kritisiert, dass finanzstarke Eltern ihre Sprösslinge mit Nachhilfeunterricht durch die Prüfungen hieven: «Das widerspricht der Chancengleichheit». Das verlangen auch führende Bildungsforscher. «Es braucht ein Angebot für alle», sagt Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

«Das Noten-Doping lässt sich nicht abstellen. Man kann niemandem verbieten, seinen Kindern Nachhilfe zu zahlen», so Wolters: «Darum muss man dafür sorgen, dass alle gleich lange Spiesse haben.» Ob es dazu eine staatliche Nachhilfe brauche, sei noch zu diskutieren. «Man kann den Schülern Gutscheine abgeben, die sie bei einem Anbieter ihrer Wahl einlösen dürfen.»

Bei einer landesweiten Umfrage bei Eltern, durchgeführt von Bildungsforscher Wolter 2008, haben 63 Prozent der Eltern angegeben, ihren Nachwuchs in die Nachhilfe zu schicken. Und: Vor allem Gutverdienende spendieren ihren Sprösslingen einen Privatunterricht. «Ein Teil des Bildungserfolgs ist käuflich», sagt Wolter.

«Wir haben in allem deutlich zugelegt»

Migrantenkinder holen auf

Den Sprung nach vorn beim Pisa-Test in der Kategorie «Lesen» verdankt die Schweiz praktisch nur den Fortschritten von fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern. Das zeigen Detailauswertungen der «SonntagsZeitung».

So erhöhte sich der Durchschnitt bei Migranten-Schülern von 425 auf 460 Punkte. Der Durchschnitt bei einheimischen Jugendlichen, nahm nur um zwei Punkte zu. Insgesamt steigerten sich die Schweizer Schüler von 494 auf 501 Punkte.

Sie überholten so mehrere skandinavische Staaten und übertrafen erstmals den OECD-Durchschnitt deutlich. Für den Bildungsexperten und Mitverfasser der Pisa-Studie Urs Moser sind die Resultate ein deutlicher Wink, dass die Schweizer Schulen sehr gut mit dem hohen Anteil an fremdsprachigen Schülern umgehen können.

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