Aktualisiert 02.05.2018 12:14

Fuck-up-Night

«Man muss einige Male auf die Schnorre fallen»

Auf der grössten Fuck-up-Night der Schweiz überraschte Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Seine Botschaft kam per Video-Gruss.

von
Isabel Strassheim

Um die grössten Fuck-ups, ums schlimmste Scheitern drehte sich am Montagabend alles beim ETH Entrepreneur Club in Zürich.«Ich rufe dazu auf, aus Fehlern zu lernen, Fehler zu begrüssen und von Fehlern zu erzählen», rief Organisatorin Cherry Gao den 1500 Gästen im Theater 11 in Oerlikon zu. Der Abend lief nicht nur nach dem Vorbild der Fuck-up-Nights in den USA, er war auch komplett in Englisch gehalten. Was Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht davon abhielt seine Video-Botschaft in breitem Berndeutsch zu geben.

«Ich habe als Unternehmer nicht immer Glück gehabt, sowenig wie in der Politik», sagte Schneider-Ammann. Der Wirtschaftsminister leitete früher den Baumaschinenhersteller Ammann in Langenthal. «Am nachhaltigsten eingefahren» sei ihm ein Projekt in den USA, wo er seine Bilanz in San Diego deponieren musste. Sprich: Pleite ging. Daraufhin sei er vom dortigen Rotary Club herzlich aufgenommen worden. Schneider-Ammanns Schlussfolgerung: «Man muss einige Male auf die Schnorre gefallen sein, dann ist man dabei.»

Lehren aus dem Swissair-Desaster

Man müsse mit Risiko «anputschen», Unternehmer müssten etwas wagen können, so Schneider-Ammann. Je erfolgreicher die Wirtschaft sei, desto mehr gehe es in Richtung Vollbeschäftigung und desto besser gehe es der Gesellschaft.

Auf der Bühne der Fuck-up-Night erzählte dann unter andern auch der frühere Swissair-Personalchef vom Scheitern der Airline und der Massenentlassung von 35'000 Angestellten. Bekannt wurde Mattias Mölleney nach Grounding und Liquidation 2002 als «der Typ, der auch sich selbst feuern musste». Heute ist Mölleney selbständiger Personalberater. Aus dem Swissair-Desaster habe er wichtige Lehren gezogen: «Erwarte das Unerwartbare. Konzentriere dich auf psychologische Sicherheit.»

Psychologische Sicherheit durch Respekt

Psychologische Sicherheit sei entscheidend, weil nicht Qualifikation oder Erfahrung ein Team ausmache, sondern gegenseitige Anerkennung und Vertrauen, erläutert Mölleney.«Respekt schafft den Unterschied in der Leistung.» Die dritte Lehre des früheren Swissair-Konzernleitungsmitglieds: «Misch dich ein! Wenn etwas unverständlich oder unmenschlich ist, dann sprich das höflich, aber deutlich an.»

Unter den Besuchern war auch Firmenkundenberater Oliver Huggenberger von der Zürcher Kantonalbank. Er ist für die Finanzierung von Start-ups zuständig. «Es ist gut aus Fehlern zu lernen. Eine Fuckup Night dieser Grösse ist neu für die Schweiz und interessant», so Huggenberger nach der Veranstaltung zu 20 Minuten.

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