Im falschen Beruf?: «Man muss im Job nicht 100 Prozent glücklich sein»

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Im falschen Beruf?«Man muss im Job nicht 100 Prozent glücklich sein»

Buchautorin Marianne Siegenthaler erklärt im Interview, woran man erkennt, dass man möglicherweise tatsächlich den falschen Job hat – und wie sich das ändern lässt.

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lin
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In einer Umfrage von Xing erklärt fast die Hälfte der Befragten, dass sie gern mehr Spass bei der Arbeit hätten. 32 Prozent würden ausserdem gern eine Tätigkeit ausüben, die sie als sinnvoll betrachten.

In einer Umfrage von Xing erklärt fast die Hälfte der Befragten, dass sie gern mehr Spass bei der Arbeit hätten. 32 Prozent würden ausserdem gern eine Tätigkeit ausüben, die sie als sinnvoll betrachten.

Weitere wichtige Faktoren seien die geistige Herausforderung (30 Prozent) sowie die Verwirklichung eines Kindheitstraums (29 Prozent).

Weitere wichtige Faktoren seien die geistige Herausforderung (30 Prozent) sowie die Verwirklichung eines Kindheitstraums (29 Prozent).

Diego_cervo
Erst danach folgt laut der Umfrage der Lohn: Rund ein Viertel würde den Job des Geldes wegen tauschen wollen. Öffentliches Ansehen und Prestige interessieren dagegen kaum.

Erst danach folgt laut der Umfrage der Lohn: Rund ein Viertel würde den Job des Geldes wegen tauschen wollen. Öffentliches Ansehen und Prestige interessieren dagegen kaum.

Cyano66

Laut einer aktuellen Umfrage würde ein Drittel der Deutschschweizer im Rückblick einen anderen Beruf wählen. Was tun, wenn man im falschen Job gefangen ist?

Zuerst sollte man herausfinden, ob das Unbehagen daher stammt, dass man tatsächlich den falschen Beruf hat, oder ob es nicht eher am beruflichen Umfeld liegt. Also, dass einem die Arbeit eigentlich gefällt, aber am falschen Ort ist, weil es mit den Arbeitskollegen nicht stimmt oder der Arbeitsweg mühsam ist und man lange pendeln muss. Wenn es nur am Arbeitsweg, dem Chef oder den Arbeitskollegen liegt, kann man es mit einem Job-Wechsel in derselben Branche versuchen. Wenn es aber definitiv an der Arbeit selbst liegt, ist es gut, zu schauen, was es anderes gibt.

Woran erkennt man, dass es effektiv der falsche Beruf ist?

Wenn der Sonntag zur Tortur wird, weil am Montag die Arbeit wartet, ist das ein starkes Zeichen. Gleiches gilt für den Fall, dass man die Tage zählt, bis es wieder Freitag ist und den Lohn eher als Schmerzensgeld empfindet. Viele haben Mühe, am Montag wieder zur Arbeit zu gehen. Aber wenn dieses Gefühl der Dauerzustand ist, die Arbeit kein bisschen Freude macht oder es sich gar körperlich negativ auswirkt, dann ist es wirklich an der Zeit, etwas zu ändern.

Und wie sollte man dann vorgehen?

Zum Beispiel überlegen, was man früher werden wollte. Natürlich muss das auch realistisch sein. Möglicherweise wird beispielsweise eine mehrjährige, teure Ausbildung benötigt, oder der Berufseinstieg ist nur bis zu einem gewissen Alter möglich. Es hilft auch, mit Personen zu sprechen, die den vermeintlichen Traumberuf ausüben. Oft merkt man dann, dass diese Jobs ebenfalls ihre Nachteile haben. Wer sich seiner Sache sicher ist und den Beruf wechseln möchte, sollte genau abklären, wie der Weg dorthin verläuft. Dann gilt es zu entscheiden, ob man es anpacken will oder es doch eher sein lässt.

Worauf gilt es zu achten, dass es am neuen Ort dann auch tatsächlich besser wird?

Wenn man viel Zeit, Geld und Energie in einen Berufswechsel investiert, muss das natürlich gut überlegt sein. Wenn es aber darum geht, den Job innerhalb der Branche zu wechseln, gilt es zu beachten, dass das Umfeld auch tatsächlich anders ist – vielleicht von einer grossen zu einer kleinen Firma wechseln oder neue Aufgaben übernehmen.

Müssen Angestellte sich auch einfach damit abfinden, dass der Job in erster Linie Broterwerb ist und nur selten zur Selbstverwirklichung taugt?

Wir arbeiten schon auch fürs Geld, und dass das Berufsleben nicht jederzeit nur rosig ist, dürfte allen klar sein. Es ist möglicherweise auch gar nicht nötig, im Job 100 Prozent glücklich zu sein. Die Familie, ein gutes Umfeld oder ein interessantes Hobby können ebenfalls viel zurückgeben. Manchmal verändert sich im Beruf auch von selbst etwas. Es gibt neue Aufgaben oder neue Vorgesetzte. Das alles kann auch Anlass für positive Veränderungen sein.

Marianne Siegenthaler ist freie Journalistin und Buchautorin. In ihren Büchern hat sie sich mit verschiedenen Aspekten der Berufswelt befasst. Sie schrieb unter anderem einen «Muntermacher für alle Hausfrauen und solche, die es werden wollen.»

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