Aktualisiert 06.02.2014 11:35

Yannick Weber

«Man muss sich hohe Ziele setzen»

Yannick Weber blickt in der NHL auf eine schwierige Zeit zurück. Seine Beharrlichkeit hat ihm nun das Ticket für die Olympischen Spiele in Sotschi gesichert.

von
dke

Als die Vancouver Canucks Yannick Weber Mitte November auf die Waivers-Liste setzten, begründete dies Headcoach John Tortorella mit unzimperlichen Worten: «Er hat sich keinen Platz verdient.» Deshalb wurde über eine Rückkehr in die Schweiz spekuliert, zumal er schon in der Saison zuvor bei den Montreal Canadiens hatte hinten anstehen müssen und nur sechsmal eingesetzt worden war. Doch der 25-jährige Verteidiger liess sich nicht entmutigen. Er weiss, wie schnelllebig die NHL ist. Knapp einen Monat später, nachdem der Berner sieben Partien in der AHL bei den Utica Comets bestritten und dabei sieben Skorerpunkte erzielt hatte, spielte er wieder bei den Canucks, wobei er dannzumal von einer Verletzung von Alexander Edler profitierte.

Die Degradierung in die AHL bezeichnete Weber als «nicht einfach». Er konnte das Ganze allerdings rasch verarbeiten, da er bei Utica eine wichtige Rolle einnahm. «Es war für mich gut, mal runterzugehen, zu spielen, Freude am Eishockey zu haben, in den Rhythmus zu kommen.» Zudem zeigte er, dass er nicht in die AHL gehört. «Im Nachhinein sage ich: 'Zum Glück konnte ich in die AHL gehen'», so Weber.

Solide Defensivleistungen von Weber

War er in seinen ersten zehn Saisoneinsätzen bei Vancouver vorwiegend als Stürmer eingesetzt worden, durfte er nun auf seiner angestammten Position sein Können beweisen, was ihm nicht schlecht gelang. Er zeigte in der Defensive solide Leistungen, kreierte regelmässig Chancen und schoss zwei Tore. «Ich fühlte mich viel besser als vorher. Ich hatte viel Selbstvertrauen, konnte mein Spiel zeigen», sagte Weber und fuhr fort: «Wenn man als Offensivverteidiger abgestempelt wird, wird die Defensive immer etwas kritisiert. Ich habe in den letzten paar Jahren Fortschritte gemacht. Es ist gut zu sehen, dass ich auf diesem Niveau defensiv gut stehen kann. Das hilft meiner Karriere.»

Einfacher wird es für ihn in Vancouver jedoch nicht. Umso mehr, als die Canucks mit dem Schweizer Rafael Diaz einen weiteren Verteidiger geholt haben. Es ist davon auszugehen, dass Weber, sobald die derzeit verletzten Kevin Bieksa und Christopher Tanev wieder fit sind, erneut nur wenig bis gar nicht zum Einsatz kommen wird. Immerhin konnte er im Hinblick auf die neue Saison - der Vertrag bei den Canucks läuft aus - Pluspunkte sammeln und seine NHL-Tauglichkeit beweisen.

Weber hat mit der Nomination gerechnet

Hilfreich waren die guten Leistungen auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele. Er habe schon mit einer Nomination gerechnet, schliesslich sei die NHL die beste Liga der Welt, erklärte Weber. Dass nicht weniger als neun NHL-Spieler kurzfristig ins Team integriert werden müssen, sieht er nicht als Problem. «Wir sind professionell genug. Wir wissen, wie Simpson spielen lässt, und wir wissen, wie es läuft.» Er sehe es gar als Vorteil, dass immerhin ein Teil der Mannschaft eine Vorbereitung absolviere.

In Sotschi hat Weber einiges vor. «Aus der WM können wir viel Selbstvertrauen schöpfen. Wir wissen, dass wir den grossen Nationen wieder einen Schritt näher gekommen sind und mit ihnen mitspielen können. Die Medaille muss auch für uns das Ziel sein. Man muss die Ziele hoch setzen. Wir haben einen der besten Torhüter der Welt, wir haben eine solide Verteidigung und Stürmer, die Tore schiessen können. Wir sollten mit einer positiven Einstellung und einer Gewinner-Mentalität ins Turnier gehen.»

Das Verletzungsgespenst fährt mit

Allerdings ist Webers Teilnahme in Sotschi noch nicht hundertprozentig gesichert. Er zog sich in der Nacht auf den vergangenen Sonntag in St. Louis eine Oberkörperverletzung zu und kehrte im Gegensatz zum Team, das sich auf einem «Roadtrip» befindet, nach Vancouver zurück. Es sieht aber gut aus. (dke/si)

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