Veruntreuung?: «Man musste die Südamerikaner bestechen»
Aktualisiert

Veruntreuung?«Man musste die Südamerikaner bestechen»

Ein langjähriger SwissRe- Direktor aus Altendorf SZ soll zusammen mit zwei Komplizen mittels dubiosen Machenschaften über fünf Millionen Franken veruntreut haben. Stimmt nicht, sagte der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht.

von
Attila Szenogrady

Der heute 67-jährigeBeschuldigte aus Altendorf hatte schon bessere Zeit erlebt. Vor allem beim Versicherungskonzern der SwissRe, wo er zwischen 1992 und Ende 2000 als Direktor das Ressort Lateinamerika, Portugal und Spanien leitete. Mit einem stolzen Monatslohn von bis zu 30 000 Franken im Monat. Allerdings war ihm das laut Staatsanwaltschaft immer noch nicht genug.

5,5 Millionen Franken mit Kickbacks abgezweigt

Gemäss Anklage hatte der Schwyzer zusammen mit einem ihm unterstellten Manager sowie dem Inhaber der Finanzfirma «Saint Martin» zwischen November 1997 und Herbst 1998 über 5,5 Millionen Franken abgezweigt. Dies mittels angeblichen Brokerkommissionen in der Form von so genannten Kickbacks. Der Grossteil der faulen Geschäfte lief über Argentinien.

Im November 2004 zeigte sich der inzwischen entlassene Direktor anfänglich noch geständig. Er habe von seinem Anteil von rund 2,5 Millionen Franken alles für Freundinnen, ein Studium für seine Tochter sowie einen aufwändigen Lebensstil ausgegeben, gab er damals zu Protokoll.

SwissRe: Luxusuhr für argentinischen Präsidenten

Am Mittwoch brachte der Angeklagte vor Gericht seine spätere Version auf den Tisch und bezeichnete sich nun als unschuldig. So habe man einen beträchtlichen Anteil der fraglichen Millionenbeträge nicht für sich eingesteckt, sondern als Bestechungsgelder für argentinische Politiker eingesetzt, sagte er. Dies habe damals zur üblichen Vorgehensweise der SwissRe gehört, fuhr er fort. So habe selbst ein bekannter Top-Manager der SwissRe an höchster Stelle geschmiert, indem er dem damaligen Präsidenten Carlos Menem eine sündhaft teure Luxusuhr geschenkt habe. Mit dem Ziel, das Staatsoberhaupt im Hinblick auf eine für den Konzern günstige Änderung des Steuergesetzes gnädig zu stimmen. «Man musste die Südamerikaner bestechen», blickte der Angeklagte zurück.

Bedingte Freiheitsstrafen verlangt

Der zuständige Staatsanwalt sah es anders und verlangte für den Ex-Direktor sowie den mitbeschuldigten Finanzunternehmer wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie weiteren Delikten bedingte Freiheitsstrafen von je zwei Jahren. Zudem sollen beide Männer Bussen von 10 000 Franken sowie 30 000 Franken abliefern.

Ein Rechtsvertreter der SwissRe stufte die Bestechungsvorwürfe als völlig haltlos ein und verlangte einen hohen Schadenersatz in Millionenhöhe. Im Gegensatz zu den Verteidigern, die Freisprüche forderten und sie den Untersuchungsbehörden eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes anlasteten.

Das Gericht kam am Mittwoch noch zu keinem Urteil. Es wird den Entscheid voraussichtlich nächste Woche eröffnen.

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