Olympia-Eklat - «Man opfert fünf Jahre seines Lebens und dann wird daraus ein totaler Flop»
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Olympia-Eklat«Man opfert fünf Jahre seines Lebens und dann wird daraus ein totaler Flop»

Der polnische Schwimmverband hat für die Olympischen Spiele in Tokio zu viele Athletinnen und Athleten nominiert. Deshalb mussten jetzt sechs Athletinnen und Athleten wieder aus Tokio abreisen.

von
Sophie Klein
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Die erfolgreiche polnische Nationalschwimmerin Alicja Tchorz wird in Tokio nicht an den Start gehen. Sie war zwar bereits in Japan mit ihrem Team gelandet, wurde allerdings wieder nach Hause geschickt.

Die erfolgreiche polnische Nationalschwimmerin Alicja Tchorz wird in Tokio nicht an den Start gehen. Sie war zwar bereits in Japan mit ihrem Team gelandet, wurde allerdings wieder nach Hause geschickt.

imago/ZUMA Press
Doch jetzt darf sie bei Olympia nicht an den Start. Der Grund: Der polnische Schwimmverband nominierte zu viele Athletinnen und Athleten und nicht alle haben eine Startberechtigung.

Doch jetzt darf sie bei Olympia nicht an den Start. Der Grund: Der polnische Schwimmverband nominierte zu viele Athletinnen und Athleten und nicht alle haben eine Startberechtigung.

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Und dabei ist sie ein alter Hase, was internationale Turniere und Erfolge angeht. Seit zwölf Jahren schwimmt sie für das polnische Nationalteam und konnte schon mehrere Medaillen ergattern. Sei dies im Einzelwettkampf…

Und dabei ist sie ein alter Hase, was internationale Turniere und Erfolge angeht. Seit zwölf Jahren schwimmt sie für das polnische Nationalteam und konnte schon mehrere Medaillen ergattern. Sei dies im Einzelwettkampf…

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Darum gehts

  • Sechs polnische Schwimmerinnen und Schwimmer mussten wegen fehlender Startberechtigung aus Tokio abreisen.

  • Der polnische Schwimmverband hatte zu viele Athletinnen und Athleten für die Olympischen Spiele nominiert.

  • Dies erfuhren die Sportlerinnen und Sportler allerdings erst nach ihrer Ankunft in Tokio und wurden zurück nach Warschau geflogen.

Jan Holub, Aleksandra Polanska, Dominika Kossakowska, Alicja Tchorz, Bartosz Piszczorowicz und Mateusz Chowaniec gehörten dem 23-köpfigen Schwimm-Team Polens an. Sie waren bereits in Tokio angekommen, als das Nationale Olympische Komitee am Samstag bekanntgab, dass der polnische Schwimmverband zu viele Athletinnen und Athleten für den Start nominierte – und nicht alle die nötige Startberechtigung hatten. Am Sonntag landeten die sechs Schwimmerinnen und Schwimmer wieder in Warschau.

Ein Ding der Unmöglichkeit, findet die Schwimmerin Alicja Tchorz: «Material für einen echten Thriller», schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite. «Stell dir vor, du widmest fünf Jahre deines Lebens dem Sport und strebst beim wichtigsten Sportereignis den nächsten Start an. Gibst alles, gibst dein Privatleben und deine Arbeit auf, opferst deine Familie usw. und dann führt dein Engagement zu einem totalen Flop.» Die Enttäuschung ist gross, zumal ihre Teilnahme «durch die Inkompetenz Dritter» verursacht wurde, die sie «ihrer Träume berauben». Sie ist seit mehr als zwölf Jahren im Nationalteam Polens und kann einen solchen Eklat nicht verstehen. Deshalb macht sie sich nun via Facebook Luft: «Seit 2015 wiederhole ich, dass es in der PZP (dem polnischen Schwimmverband) sehr schlecht läuft. Ich werde kritisiert, sie nennen mich eine Betrügerin und sie sagen, dass ich es wegen des Geldes tue. Aber seit sechs Jahren erkläre ich, wie es aussehen soll, dass das PZP ein Unternehmen ist, in dem Spezialisten und Spezialistinnen arbeiten müssen.» Sie kritisiert damit stark den polnischen Schwimmverband und ist mit ihrer Auffassung darüber nicht allein.

Das Ministerium will eine Erklärung

Denn nachdem sechs Schwimmerinnen und Schwimmer des polnischen Olympia-Teams wegen fehlender Startberechtigung aus Tokio abreisen mussten, fordert auch Polens Sportminister Piotr Glinski eine Aufklärung vom Schwimmverband des Landes. «So eine Situation darf sich in einem professionell geführten Sportverband nicht ereignen», hiess es in einer Erklärung des Ministeriums. Für die Vorbereitung und Akkreditierung der Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer seien die nationalen Verbände zuständig, heisst es weiter.

Um sicher für die Olympischen Spiele zugelassen zu werden, müssen Schwimmerinnen und Schwimmer die sogenannte A-Norm unterbieten. Athletinnen und Athleten mit B-Norm müssen zunächst vom Weltverband als Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bestätigt werden. Diese Bestätigung aber lag nicht vor.

In einem offenen Brief forderten 22 der 23 Mitglieder des Schwimmkaders den Rücktritt von Schwimmverbandschef Pawel Slominski. Dieser hat sich in einer Erklärung für das Organisationschaos entschuldigt, ist aber bislang weiter im Amt.

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(dpa)

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