Strafgericht BS: «Man schreibt nicht über Sex, den man nicht wollte»
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Strafgericht BS«Man schreibt nicht über Sex, den man nicht wollte»

Ein 24-jähriger Jus-Student soll seine Ex-Freundin vergewaltigt haben. Die Amerikanerin berichtet von Tätlichkeiten und einem Klima der Angst – er streitet alles ab.

von
lha
Das Basler Strafgericht: Einem 24-jährigen Jus-Studenten wird vorgeworfen seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben.

Das Basler Strafgericht: Einem 24-jährigen Jus-Studenten wird vorgeworfen seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben.

Die Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 2013 wird ewig im Gedächtnis von Jane D.* eingebrannt bleiben. Ihr Ex-Freund Mathias B.* besuchte die heute 23-Jährige am Abend in ihrer Wohngemeinschaft im Basler Breite Quartier zusammen mit einem Kollegen – obwohl sie dies nicht wollte, wie sie angibt. Mathias B. hingegen behauptet, sie habe ihn eingeladen.

Die Schilderungen der beiden widersprachen sich in vielen Punkten. Am Ende der Nacht soll es zu nicht einvernehmlichem Sex gekommen sein. Die Hauptanklagepunkte lauten auf Vergewaltigung und sexuelle Nötigung.

Obwohl die Beziehung der beiden Ende Mai schon einige Monate offiziell beendet war, hatten die beiden nach der Trennung weiterhin regelmässig Sex miteinander. Kennengelernt hatte sich das Paar 2007 in Kalifornien, als er in einem Schüleraustausch war. Bis sie im August 2012 in die Schweiz kam, um zu studieren, pflegte das Paar eine Fernbeziehung. Dann entwickelte sich eine negative Dynamik.

Am Anfang war die Eifersucht

In der Wohnung entdeckte er am fraglichen Abend auf ihrem Handy-Display eine Nachricht, die eindeutig darauf schliessen liess, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann begonnen hatte. Mathias sagte seinem Kollegen, er müsse das mit ihr besprechen, und bat ihn zu gehen. «Er schloss die Türe, drückte mich an die Wand und seine Hände an meinen Hals, richtig fest», gab Jane am Donnerstag mit bebender Stimme vor dem Basler Strafgericht zu Protokoll.

Er soll sie danach aufs Bett gedrückt und begrapscht haben und habe auch nicht mehr gehen wollen. «Ich war eifersüchtig, im Stolz verletzt», erklärte Mathias. Er wollte sie zurück haben und die Sache ausdiskutieren. Jane habe eingewilligt, dass er über Nacht bleibe. Am nächsten Morgen kam es dann zum Geschlechtsverkehr – einvernehmlich, wie er angibt.

Janes Version klingt etwas anders. Er habe sie diese Nacht nicht mehr alleine gelassen: Sie habe nicht alleine spazieren gehen dürfen und er habe gar den Gang auf die Toilette kontrolliert. Sie habe Angst gehabt: «Es war kein Versöhnungs-Sex. Das kann man nicht wieder gut machen», so Jane. Sie habe zuvor mehrmals nein gesagt, es dann aber geschehen lassen. «Ich sagte mir irgendwann, wenn er danach geht, dann gibt es halt Sex.»

Verteidigung fordert Freispruch

Verteidiger Christian von Wartburg hielt ihr gestützt auf Chatprotokolle von ihrem Handy allerdings vor, dass sie ihrem Umfeld nie von einer Vergewaltigung erzählt habe. «Man schreibt nicht über Sex, den man nicht wollte», entgegnete sie. Von Wartburg forderte in seinem Plädoyer am Donnerstag einen Freispruch von den Hauptanklagepunkten. In der Tat scheint eine Zwangssituation durch Drohung, Gewalt oder psychischen Druck schwer nachzuweisen. Es steht Aussage gegen Aussage.

Das erklärt auch den tiefen Strafantrag von Anklägerin Eva Eichenberger. Sie fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten bei zweijähriger Probezeit. Das Urteil folgt am kommenden Mittwoch.

*Namen geändert

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