Wald-Chindsgi zerstört: «Man sollte das Hakenkreuz schweizweit verbieten»
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Wald-Chindsgi zerstört«Man sollte das Hakenkreuz schweizweit verbieten»

Der Platz einer Waldspielgruppe in Pratteln wurde grossflächig vandaliert und am Boden hinterliessen die Zerstörer ein Hakenkreuz aus Hölzern. Ob Neonazis beteiligt waren, ist noch nicht abgeklärt.

von
Tanya Vögeli
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Der Platz von der Waldspielgruppe «Zwärgä Moos» wurde komplett zerstört. Die Randalierer oder Randaliererinnen hinterliessen ein Hakenkreuz aus Hölzern, welches falsch herum gelegt wurde.

Der Platz von der Waldspielgruppe «Zwärgä Moos» wurde komplett zerstört. Die Randalierer oder Randaliererinnen hinterliessen ein Hakenkreuz aus Hölzern, welches falsch herum gelegt wurde.

Privat
Der Platz entstand mit viel Liebe und Arbeit. Hier ist er vor der Zerstörung zu sehen. Ob wirklich Neonazis an der Zerstörung teilgenommen haben, ist noch nicht geklärt. 

Der Platz entstand mit viel Liebe und Arbeit. Hier ist er vor der Zerstörung zu sehen. Ob wirklich Neonazis an der Zerstörung teilgenommen haben, ist noch nicht geklärt. 

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«Es zeigt sich, dass die Sensibilität mit dem Hakenkreuz oder auch dem Davidstern abnimmt», erklärt Pascal Pernet, Präsident der GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.

«Es zeigt sich, dass die Sensibilität mit dem Hakenkreuz oder auch dem Davidstern abnimmt», erklärt Pascal Pernet, Präsident der GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.

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Darum gehts

Am Mittwoch wurde der Kindergartenplatz der Waldspielgruppe «Zwärgä Moos» in Pratteln BL von Vandalen oder Vandalinnen verwüstet. Am Boden lag ein Hakenkreuz aus Hölzern, wenn auch im Gegensatz zum Symbol der Nazis in die falsche Richtung gelegt. Anzeichen für eine Party, wie etwa Abfall oder Büchsen, habe man keine gefunden. Es herrschte nur Verwüstung. Die Polizei wurde verständigt und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Leider werden auch an anderen Orten in der Schweiz immer und immer wieder Waldsofas und Waldkitas zerstört.

Wer hinter der Zerstörung und der Platzierung des Nazi-Symbols steckt, ist noch unklar. Die Baselbieter Polizei kann noch keine neuen Erkenntnisse kommunizieren, wie es am Freitag auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Ein rechtsradikales Motiv lässt sich derzeit weder bestätigen noch ausschliessen. Oder war die Täterschaft einfach so ungebildet, dass sie einen Weltkrieg und industriellen Massenmord an Millionen von Menschen für ein angebrachtes Sujet hält, um das Resultat ihrer Zerstörungswut zu schmücken? 20 Minuten hat bei der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) nachgefragt.

Die Sensibilität nimmt ab

GRA-Präsident Pascal Pernet ist empört über die Umstände: «Schon nur einen Kindergarten so zu zerstören, ist völliger Schwachsinn, doch es ist wahrscheinlich noch Teil laufender Abklärungen der Polizei, ob Neonazis an der verwerflichen Aktion teilgenommen haben oder nicht», sagt er.

Auf dem verwüsteten Kindergartengelände wurde ein Hakenkreuz gelegt, was die Frage aufwirft, ob Neonazis vor Ort waren oder ob die Vandalen oder Vandalinnen das Zeichen für einen Schockeffekt zurückgelassen haben. «Es zeigte sich schon im Rahmen der Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen, dass die Sensibilität im Umgang mit rassistischen Symbolen, zum Beispiel mit dem Hakenkreuz, abgenommen hat», erklärt Pernet. So wurde der Judenstern, Zwangskennzeichen der Nazis für jüdische Personen, etwa bei Protesten gegen die Corona-Massnahmen verwendet. Die Menschen waren damals zwar in ihrer Freiheit eingeschränkt, das mit der Massendeportierung und industriellen Vernichtung von Menschen während des Holocaust gleichzusetzen, ist aber absolut unhaltbar.

Schon seit Jahren will die Stiftung ein Verbot: «Der Vorfall auf dem Kindergartenplatz zeigt einmal mehr, weshalb es sinnvoll ist, dass das Hakenkreuz und weitere rassistische Symbole in der Schweiz verboten werden», so Pernet. In Deutschland sind neben dem Hakenkreuz auch dessen Abwandlungen sowie andere Symbole von Nazi-Organisationen wie der Waffen-SS strafbar. In der Schweiz hat man es trotz diverser Vorstösse nicht im Gesetz festgeschrieben. Im Jahr 2019 etwa hielt der Bundesrat fest, dass es schwierig sei, eine für die Bevölkerung verständliche Gesetzesnorm dazu zu formulieren. Ausserdem sei es ein zu schwerer Eingriff in die Meinungsäusserungsfreiheit. Diese sei zwar nicht absolut, müsse aber Ansichten zulassen, die «für die Mehrheit stossend» seien. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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